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4. Juni 2011, 17:59 Uhr

Das Who is Who der Ehec-Krise

Ob RKI, BfR, DGfN oder BMLV - im Behörden- und Institutswirrwarr rund um die Ehec-Epidemie verliert der Laie leicht den Überblick. stern.de erklärt, wer wofür zuständig ist. Von Mareike Rehberg

Ehec, HUS, Robert-Koch-Institut, Bundesinstitut für Risikobewertung, Verbraucherschutzministerium, Gesundheitsministerium, UKE, Anlaufstellen, Lebensmittelsicherheit

Ob im UKE, im RKI oder am BfR: Überall wird fieberhaft an der Erforschung des Ehec-Erregers gearbeitet© Fabian Bimmer/Reuters

Seit Mitte Mai hält der gefährliche Ehec-Erreger ganz Deutschland in Atem. Mindestens 18 Menschen starben bislang an der Infektion, mindestens 520 Patienten haben mit den schweren Komplikationen des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) zu kämpfen. Über Wochen hinweg sind nun zahlreiche Behörden, Institute und Forschungseinrichtungen damit beschäftigt, den Ursprung des Ehec-Erregers zu finden, die Menschen über die Ansteckungsrisiken und den Verlauf der Krankheit zu informieren und die Zusammenarbeit der verschiedenen Stellen zu koordinieren. Aber wer macht eigentlich was im Ehec-Dschungel?

Besonders wichtig für die Ursachenforschung sind das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Gemeinsam suchen sie nach möglichen Gründen der Epidemie, studieren die Ernährungsgewohnheiten der Erkrankten und werten Untersuchungsergebnisse aus. Das Nationale Referenzlabor für E.coli des BfR war es außerdem, das die Proben spanischer Salatgurken erneut untersuchte und sie als mögliche Ursache der Infektionen ausschloss. Zuvor hatte das Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt ebendiese als Träger für den Ehec-Keim identifiziert. BfR und RKI geben zusammen außerdem Ernährungsempfehlungen an die Bürger heraus und informieren die Öffentlichkeit über mögliche Risiken.

Kliniken tauschen sich über Therapieformen aus

Neben Arztpraxen und Krankenhäusern haben vor allem die Universitätskliniken direkt mit den Ehec-Fällen zu tun. Hier werden nicht nur zahlreiche HUS-Patienten auf den Intensivstationen behandelt, hier wird auch geforscht. Die Kliniken tauschen sich über unterschiedliche Therapiemöglichkeiten aus, einige haben außerdem zur genauen Identifizierung des Erregers vom Typ O104:H4 beigetragen. Das Institut für Hygiene am Universitätsklinikum Münster hat einen Ehec-Schnelltest entwickelt. Am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) gelang es, das Erbgut des Keims zu entschlüsseln, bei dem es sich um eine Kreuzung zweier Erregertypen handelt.

Da die HUS-Patienten häufig unter Nierenversagen leiden und eine Dialyse benötigen, spielt die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) als Fachgesellschaft für Nieren-Spezialisten eine Schlüsselrolle. Hier wird ein bundesweites Register aller Patienten erstellt, die Erfolge unterschiedlicher Therapieansätze wie des Plasma-Austausches und der Antikörpertherapie in allen Unikliniken und anderen Krankenhäusern werden dokumentiert. Zusammen mit dem RKI hat die DGfN zudem einen Fragebogen entwickelt, der für jeden Erkrankten ausgefüllt werden muss.

Für Koordination zuständig: BVL und BMLV

Deutschlandweite Kontaktstelle für alle neuen unter Verdacht geratenen Produkte ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Innerhalb des europäischen Schnellwarnsystems für Lebensmittel nimmt es Meldungen der Bundesländer entgegen, ermittelt, woher die Waren geliefert wurden, und leitet seine Informationen nach Brüssel weiter. Mithilfe aller Meldungen aus den Länderbehörden, wie zum Beispiel Veterinärämtern und Hygieneinstituten, verschafft sich das Amt einen Überblick über die aktuelle Gefahrenlage.

Koordiniert werden die Bemühungen der verschiedenen Stellen vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMLV). Das Ministerium unter Ilse Aigner, der von einigen Medien ein schlechter Umgang mit der Epidemie vorgeworfen wird, hat einen Krisenstab eingerichtet und hält Kontakt zu den Länderbehörden, zum Gesundheitsministerium, zum RKI und zur EU-Kommission. Die Ehec-Problematik fällt auch unter die Verantwortung des Bundesgesundheitsministeriums, unter der Nummer des Bürgertelefons können sich Interessierte zum Umgang mit Ehec beraten lassen.

Alle besorgten Bürger, die sich über Ehec, über Vorsorgemaßnahmen und mögliche Risiken informieren wollen, können sich außer an RKI, BfR und Bürgertelefon auch an weitere Anlaufstellen wenden. Auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finden sich ebenso Informationen wie bei den lokalen Gesundheitsämtern, die alle Ehec-Fälle registrieren.

Von Mareike Rehberg
 
 
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