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Einen Tag nach dem Freitod des Milliardärs Adolf Merckle sind Teile seines Firmen-Imperiums vorerst gerettet: Die rund 30 Gläubiger-Banken stimmten einem Kredit über 400 Millionen Euro zu. Allerdings muss die Gruppe den Pharmahersteller Ratiopharm versilbern.
Adolf Merckle setzte auf fallende Kurse und verzockte so eine Milliarde - jetzt will das Land Baden-Württemberg dem Chef des Pharmakonzerns Ratiopharm in der Not helfen. Ministerpräsident Günther Oettinger hat allerdings noch nicht über eine Bürgschaft entschieden.
Wer bei der AOK versichert ist, zahlt meist etwas höhere Beiträge, aber es ist ja für einen guten Zweck. Versteckte Extrahonorare und Mallora-Reisen der Kassenmanager müssen erstmal finanziert werden. Ebenso eine AOK-Pressestelle - zum Fakten verdrehen. Heute berichten wir im stern über eine Vielzahl von Merkwürdigkeiten beim Finanzgebahren der größten deutschen Krankenkasse. Obwohl Vorstände der gesetzlichen Krankenkassen ihre Gehälter laut Gesetz einmal im Jahr vollständig offen legen müssen, verschwiegen die AOK-Bosse bisher beträchtliche Sonderzahlungen von jährlich bis zu 30 000 Euro, von denen einige unter ihnen profitieren. Und einige AOK-Manager reisen außergewöhnlich häufig nach Mallorca. Der Chef der Bundes-AOK, Hans Jürgen Ahrens, war erst dieser Tage wieder dort, um das 15-jährige Jubiläum der - immerhin - zweiköpfigen Kassengeschäftsstelle in Palma de Mallorca zu feiern. Keineswegs eine Lustreise, denn auf der Mittelmeerinsel fand Ahrens noch Zeit, das Symposium des Pharmaherstellers Bionorica zu besuchen. Dort kündigte er an, dass die - pflanzlichen - Arzneimittel dieses Herstellers bald wieder in den AOK-Leistungskatalog zurück kehren könnten. Damit solche gute Nachrichten nicht von hässlichen Kommentaren über die Gier der Kassengranden überschattet werden, ist gestern die Pressestelle der AOK aktiv geworden. Die von uns enthüllten Extrazahlungen für die Kassenvorstände seien vom Verwaltungsrat des AOK-Bundesverbandes genehmigt worden, versicherte die Kasse. Mag ja sein, nur dass die dortigen Verwaltungsräte nach eigenen Aussagen nicht über die Höhe dieser Bezüge informiert waren. Die AOK warf mir sogar vor, "falsche Tatsachenbehauptungen" aufzustellen. Ich hatte geschrieben, dass die AOK den Ausbau und die millionenteure Anmietung ihrer neuen Berliner Zentrale nicht offen ausgeschrieben hatte. Nein, der stern sei im Unrecht, sagte darauf die AOK. Man habe doch die "Durchführung eines europaweiten Vergabeverfahrens" im EU-Amtsblatt bekannt gemacht. Richtig, hatte sie. Aber im EU-Amtsblatt verkündete die AOK auch, dass sie den Auftrag im Verhandlungsverfahren vergeben habe. Dies ist der bürokratische Terminus für ein Verfahren, das weitgehend äquivalent zu einer freihändigen Vergabe ist. Wodurch es sich von einer offenen Ausschreibung unterscheidet, könnten die AOK-Manager auf der Webseite des Bundeswirtschaftsministeriums nachlesen. Falls die AOKler sich dafür interessieren würden, mit dem Geld der Versicherten möglichst wirtschaftlich umzugehen. Aber warum sollten sie. Das Desinteresse an Sparsamkeit und Transparenz teilen sie ja offenkundig mit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Die ist eigentlich für die Aufsicht über die Bundes-AOK zuständig, aber leidet unter offenbar akuten Schwierigkeiten, sich für diese Aufgabe zu begeistern. Jedenfalls warten wir bereits seit über drei Wochen vergebens darauf, dass Schmidt unsere Fragen zu den merkwürdigen Praktiken bei der AOK beantwortet - etwa zu der heiligen Scheu, die die Krankenkasse vor offenen Ausschreibungen hat, wenn sie millionenschwere Aufträge vergibt. Also weiter Alles Ohne Kontrolle - kurz AOK. P.S. Lese gerade im Mallorca-Magazin , dass selbst der angebliche 15.Geburtstag des dortigen AOK-Büros gar keiner war. Denn das sei erst im Mai 1995 eröffnet worden, übrigens auch im Beisein von AOK-Chef Ahrens. Doch hätte man bis zum echten Geburtstag im Mai 2010 gewartet, wäre die Jubiläumssause zwar termingerechnet, aber ohne Ahrens gestiegen. Der geht nämlich im kommenden Jahr in Rente. AOK-Pressesprecher Udo Barske sagte nun dem Mallorca-Magazin, es sei die Idee zur Eröffnung der Insel-Geschäftsstelle gewesen, die vor 15 Jahren auf Mallorca geboren worden sei: "Wenn man marktorientiert denkt, kann man das schon etwas weiter auslegen."
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