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23. März 2010, 14:56 Uhr

Manche Jobs machen einfach krank

Elf Prozent aller Fehltage gehen auf das Konto psychischer Erkrankungen, berichtet die Bundespsychotherapeutenkammer. Offensichtlich schlagen bestimmte Jobs den Arbeitnehmern besonders auf die Seele.

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Krankenpfleger leiden häufiger unter psychischen Erkrankungen, zeigt eine neue Studie© Colourbox

Zu viel Stress im Job, schlechte Bezahlung und wenig Lob machen nach einer Analyse der Bundespsychotherapeutenkammer immer mehr Menschen in Deutschland psychisch krank. Bereits elf Prozent aller Fehltage gingen auf das Konto psychischer Erkrankungen, teilte die Vereinigung am Dienstag in Berlin mit. Damit habe sich die Zahl solcher Krankschreibungen seit Mitte der 90er Jahre fast verdoppelt. Für ihre Analyse hatte die Kammer Daten gesetzlicher Krankenkassen ausgewertet. Allein die Behandlungskosten für depressive Störungen lägen inzwischen bei mehr als vier Milliarden Euro im Jahr.

Die Kammer hatte die jüngsten Fehltage-Daten der Kassen AOK, TK, DAK, BKK und GEK verglichen. Danach waren zum Beispiel AOK-Versicherte im Jahr 2008 durchschnittlich drei Wochen im Jahr wegen psychischer Probleme krankgeschrieben, Barmer-Versicherte sogar fünfeinhalb Wochen. Besonders häufig betroffen von psychischen Erkrankungen seien Frauen, sagte Kammerpräsident Rainer Richter. Männer flüchteten sich bei zu starken psychischen Belastungen oft in eine Sucht - zum Beispiel Alkohol.

Hohe Fehlzeiten bei Krankenpflegern, Sozialarbeitern und Verkäufern

Als eine Ursache für die langen Fehlzeiten sehen die Psychotherapeuten wachsende Anforderungen im Job. Viele Arbeitnehmer seien hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt, ohne Einfluss auf Abläufe nehmen zu können. Psychosomatische Beschwerden häuften sich auch, wenn sich Menschen für ihren Job engagierten, jedoch kaum Anerkennung erhielten, schlecht bezahlt würden und nur minimale Aufstiegschancen hätten. Solche Belastungen bringe vor allem der Dienstleistungssektor inklusive der vielen Pflegejobs mit sich. Call-Center-Mitarbeiter werden der Studie zufolge doppelt so häufig psychisch krank wie andere Arbeitnehmer. Sich im Minutentakt mit unzufriedenen Kunden auseinandersetzen zu müssen, stelle eine extrem hohe Belastung dar, hieß es in der Studie.

Hohe Fehlzeiten verzeichnete die Studie auch bei Krankenpflegern, Sozialarbeitern und Verkäufern. Auch in der Zeitarbeitsbranche fallen überdurchschnittlich viele Mitarbeiter durch psychische Krankheiten aus. Ebenfalls stark betroffen seien auch Arbeitslose. Laut Studie werden sie drei- bis viermal so häufig psychisch krank wie Erwerbstätige, Behandlungen wegen Alkoholabhängigkeit und Depressionen seien besonders häufig.

Ein entscheidender Faktor für ein Erkrankungsrisiko bleibe bei allen Jobs, welchen Stellenwert ein Mensch der Arbeit in seinem Leben einräume, betonte Richter. Arbeitnehmer, die in ihrer Partnerschaft oder einem Hobby große Erfüllung fänden, litten bei einer wenig geliebter Arbeit seltener unter Psycho-Stress.

Die deutliche Zunahme psychischer Erkrankungen erklären sich die Psychotherapeuten inzwischen auch mit besseren Diagnosen. So seien heute mehr Ärzte als früher in der Lage, die Ursache von Magen- oder Rückenschmerzen in seelischen Problemen zu erkennen.

Unterschiede zwischen Stadt und Land, Ost und West

Bemerkenswert sind die regionalen Unterschiede: In Berlin und Hamburg gebe es etwa 20 Prozent mehr Fehltage als im Bundesdurchschnitt. Dies sei zum Teil mit dem dort hohen Anteil an Dienstleistungen zu erklären. In den neuen Bundesländern sei fast durchgängig ein relativ niedriger Anteil psychischer Krankheiten zu verzeichnen. Die Studie führte dies darauf zurück, dass die Diagnose psychischer Erkrankungen in den alten Bundesländern häufiger gestellt werde.

Die Bundespsychotherapeutenkammer forderte die Politik dazu auf, die Arbeitsbedingungen vor allem im Dienstleistungssektor humaner zu gestalten, Mitarbeitern Präventionsangebote zu machen und im Falle einer psychischen Erkrankung primär auf psychotherapeutische und nicht medikamentöse Maßnahmen zurückzugreifen.

DPA/APN
 
 
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