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Denn sie wissen wirklich nicht, was sie tun

Wenn Kinder in die Pubertät kommen, herrscht in vielen Familien der Ausnahmezustand. Kein Wunder: Wissenschaftler haben festgestellt, dass das Hirn des Teenagers eine gewaltige Baustelle ist - und darum nur begrenzt einsatzfähig.

Wer ist dieses Alien da am anderen Ende des Tischs?

Jonathan war sechs Jahre alt, als er sich über seinen damals elfjährigen Bruder Hendrik mokierte: »Mit dem ist gar nichts mehr anzufangen. Das sind die Hormone.« Und er setzte hinzu: »Hoffentlich wird das bei mir nicht auch so.«

Ein Wunsch, der nicht in Erfüllung gehen sollte. Heute ist Jonathan zehn, und während der große Bruder allmählich Frieden schließt mit sich und der Welt, raunzt der Jüngere seine Eltern an: »Ich ertrage euch nicht mehr.« Die Hormone, scheint es, haben ihn voll im Griff.

Seine Eltern erschüttert das nicht sonderlich. Sie haben inzwischen ihre Erfahrungen mit pubertierendem Nachwuchs - und gelernt, sich zu arrangieren. Nachts stellen sie das Telefon per Zeitschaltuhr ab, um nicht von Hendriks halbstarken Freunden aus dem Schlaf gerissen zu werden. Sie haben sich an Rap-Gedröhn aus dem Kinderzimmer und rotzige Antworten am Abendbrottisch gewöhnt und eingesehen, dass sie bei Hendrik in Sachen Rauchen auf verlorenem Posten kämpfen. Und sie wissen, wie es ist, wenn der Sohn verstört nach Hause kommt, weil er von einer bewaffneten Jugendgang ausgeraubt wurde. Keine Frage, die Pubertät setzt die Nerven aller Beteiligten einer Belastungsprobe aus, und viele Eltern fragen sich zu Recht: Wer ist dieses Alien da am anderen Ende des Tischs?

Die klassische Psychologie erklärt die Pubertät als Zeit, in der sich Jugendliche von den Eltern lösen und eine eigene Identität aufbauen. Krisen und Konflikte gehören dazu; die »Alten« ruppig abzufertigen oder mit Verachtung zu strafen ist normale Begleiterscheinung des Sich-Abgrenzens. Gleichzeitig bleibt ein großes Bedürfnis nach Zuspruch und Nähe, das Eltern häufig verwirrt.

Was aber steckt biologisch gesehen hinter diesen Wandlungen? Welche Kräfte treiben sie an? Noch immer gibt die Pubertät nicht nur geplagten Familienangehörigen, sondern auch Wissenschaftlern Rätsel auf.

»Die Pubertät fängt im Kopf an«

Früher galt auch bei den meisten Fachleuten die Volksweisheit: Die Verdrehtheiten von Teenagern sind die Folge von Hormonschüben. Heute wissen Experten: Die Botenstoffe allein können die Wesensveränderungen von Teenagern nicht erklären. Dafür melden sich Hirnforscher zu Wort, die versucht haben, das Geschehen unter der Schädeldecke Pubertierender mit Hilfe von Kernspintomographen sichtbar zu machen. Ihre ersten, noch vorläufigen Ergebnisse lassen Stimmungsschwankungen und Gefühlsausbrüche in einem neuen Licht erscheinen. Das Gehirn von Pubertierenden, so haben die Wissenschaftler erkannt, befindet sich in einer gewaltigen Aus- und Umbauphase. Es ist eine Baustelle - und darum nicht komplett einsatzfähig. Teenager wissen womöglich tatsächlich nicht immer, was sie tun.

»Die Pubertät fängt im Kopf an«, sagt die Kieler Endokrinologin Sabine Heger. Ein Hormon namens GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon) gibt den Anstoß für die Wandlungen im Körper. Es entsteht plötzlich in größeren Mengen in einer bestimmten Hirnregion, dem Hypothalamus, und regt - wie beim Staffellauf - die benachbarte Hirnanhangdrüse an, zwei weitere Botenstoffe mit den

Kürzeln LH und FSH zu bilden. Die wiederum wirken auf Hoden und Eierstöcke, wo die eigentlichen Geschlechtshormone produziert werden: Testosteron und Östrogene schwärmen aus und stellen in allen erdenklichen Körperteilen Zellfunktionen auf den Kopf, lassen Schamhaare sprießen, die Stimme brechen, Menstruationsblut fließen.

Aber wie wirken sich die Hormone tatsächlich auf das Seelenleben der Teens aus? Sind Saufgelage, S-Bahn-Surfen oder bewaffnete Raubüberfälle junger Männer wirklich die Auswirkungen einer Überdosis Testosteron? Lassen sich die Stimmungsschwankungen von Mädchen einfach auf die weiblichen Botenstoffe zurückführen? Gemessen daran, wie fest diese Ideen im kollektiven Bewusstsein verankert sind, erscheint die Beweislage erstaunlich dürftig. »Der früher mit der Pubertät assoziierte Aufruhr der Hormone wurde übertrieben«, stellen die US-Psychologen Laurence Steinberg und Amanda Sheffield Morris fest.

Viel entscheidender sind die äußerlichen Wirkungen der Hormone

Ohnehin widmen sich nur wenige Forscher dem Zusammenhang von Botenstoffen und Verhalten - und wenn, dann meist in Tierversuchen, die wenig Erkenntnisse über das Treiben realer Jugendlicher liefern. »Am lebenden Menschen ist die Rolle der Hormone eben schwer zu erforschen«, sagt die Endokrinologin Annette Grüters von der Berliner Humboldt-Universität.

Zu widersprüchlichen Ergebnissen kommen etwa Untersuchungen, die nach den Effekten von Testosteron fahnden. Zwar verhalten sich Männer ohne das Sexualhormon im Blut erstaunlich zivilisiert. Doch mehr Testosteron bedeute nicht unbedingt mehr Aggressivität, sagt der amerikanische Neuroendokrinologe Robert Sapolsky. Innerhalb des Bereichs, in dem die Hormonwerte gesunder Männer normalerweise schwanken, erlaube der Testosteronspiegel keine Rückschlüsse auf das Verhalten. Wenn überhaupt, scheint Testosteron die Stärke aggressiver Gefühle zu beeinflussen, nicht aber ihre Häufigkeit.

Noch weniger Konkretes weiß die Wissenschaft über die Wirkung der Östrogene auf das weibliche Gemüt. Sicher ist, dass viele Frauen kurz vor oder während der Menstruation unter schlechter Laune und Niedergeschlagenheit leiden. Es scheinen jedoch eher die plötzlichen Schwankungen des Hormonspiegels zu sein als die Botenstoffe an sich, die Frauen und Mädchen die Stimmung verhageln.

Viel entscheidender für die Seelenlage Heranwachsender ist offenbar die Wirkung, die Geschlechtshormone auf dem Umweg über Äußerlichkeiten entfalten. Wenn Mädchen Brüste wachsen und die Regelblutung einsetzt, wenn Pickel das Gesicht sprenkeln und die Körperproportionen auf einmal nicht mehr stimmen, knickt das Selbstbewusstsein ein. Nach der aktuellen Jugendstudie des Landes Nordrhein-Westfalen geht das Einverständnis junger Menschen mit sich selbst ab dem Alter von zehn Jahren zurück, erreicht mit 13 seinen Tiefpunkt und steigt dann allmählich wieder. Beide Geschlechter erleben diesen Einbruch, Jungen allerdings weniger ausgeprägt als Mädchen.

Pubertät fängt heutzutage früher an als 1970

Die US-Soziologin Karin Martin von der University of Michigan interviewte Heranwachsende über ihre sexuelle Entwicklung und erfuhr, wie viel zwiespältiger Mädchen gerade die körperlichen Veränderungen der Pubertät empfinden als Jungen. Schon früh, so Martin, lernten heranwachsende Frauen ihren Körper kritisch zu betrachten, als Objekt, das es zu verbessern gilt. Nach persönlichen Erfolgen befragt, gaben nicht wenige Mädchen zu Protokoll, dass sie ihren Teint oder ihre Frisur als ihre größte Leistung betrachteten. In Deutschland dürfte der Druck, gut auszusehen, etwas weniger auf Jugendlichen lasten als in den USA; doch auch hierzulande, meldete der Verband der Schönheitschirurgen unlängst, wollten sich immer mehr Mädchen unters Messer legen.

Mediziner führen einen Gutteil des pubertären Stimmungstiefs auf die Angst zurück, sich nicht normgerecht zu entwickeln. »Jugendliche vergleichen sich ständig mit Altersgenossen«, sagt der Kieler Hormonspezialist Wolfgang Sippell, »und das beeinflusst ihr psychisches Befinden wesentlich.« Elend fühlen sich insbesondere Teens, die früher oder später als ihre Altersgenossen heranreifen - ein Problem, das dadurch verschärft wird, dass immer jüngere Mädchen bereits wie Frauen aussehen können, obwohl sie innerlich noch Kinder sind. Vor wenigen Jahren erregte eine Studie Aufmerksamkeit, nach der Mädchen in den USA heute ein bis eineinhalb Jahre früher als 1970 in die Pubertät kommen. Vor allem unter farbigen Kindern sind Siebenjährige, die einen BH tragen, längst keine Ausnahme mehr. Aus Deutschland liegen keine vergleichbaren Daten vor, aber auch hierzulande treffen Fachärzte immer häufiger auf Mädchen, die mit ihrer vorzeitigen körperlichen Entwicklung nicht fertig werden. Weshalb die Pubertät immer früher einsetzt, weiß niemand genau. Unter Verdacht stehen die unterschiedlichsten Faktoren, vom guten Ernährungszustand der Kinder über Umweltchemikalien und Stress in der Familie bis hin zur Allgegenwart sexueller Reize.

»Es ist wie mit Michelangelos David«

Da Wissenschaftler sich heute darüber im Klaren sind, dass Östrogen, Testosteron & Co. keine hinreichende Erklärung für all die Wirrungen der Teen-Jahre bieten, kommt den Arbeiten der Hirnforscher umso größere Bedeutung zu. Ein Pionier der Erforschung pubertierender Hirne ist der US-Psychiater Jay Giedd vom National Institute of Mental Health (NIMH) in Maryland. In den vergangenen zehn Jahren hat sein Team mit Hilfe der Kernspintomographie mehr als 3000 Kinderköpfe durchleuchtet, viele Versuchspersonen kamen während ihrer Jugend immer wieder ins Labor.

Bis vor kurzem glaubte man, das Gehirn sei im Alter von etwa sechs Jahren ausgewachsen. Danach ändere sich an seiner Architektur nichts Wesentliches mehr - so wie beim Rohbau eines Hauses der Schnitt der Räume und die Lage der Türen feststehen. Giedd jedoch zeigte, dass in Teilen der Großhirnrinde während der Pubertät noch heftig an- und umgebaut wird: »Wie ein Baum neue Äste und Wurzeln treibt, bilden die Hirnzellen zusätzliche Verbindungen aus.« Vor allem im Bereich direkt hinter der Stirn schwellen die grauen Zellen kräftig an. Ihr Volumen erreicht seinen Höhepunkt bei Mädchen etwa im Alter von elf Jahren, bei Jungen mit zwölf - also unmittelbar vor Einsetzen der Pubertät. Danach schrumpfen die Nervenzellen wieder, wie bei einem Obstbaum werden schwächere Zweige zurückgestutzt. Dieser Vorgang ist aus Sicht der Neurobiologen für die reifende Persönlichkeit entscheidender als der Wachstumsschub zuvor. »Es ist wie mit Michelangelos David«, sagt Giedd, »man fängt mit einem großen Steinblock an, und das Kunstwerk entsteht, indem man Teile des Materials wegnimmt. Genauso modelliert das Gehirn im Laufe der Pubertät sich selbst.«

»Ein ruhiges Wort reicht, und sie zickt herum«

Das Stirnhirn, in dem Giedd die stärksten Umbauaktivitäten beobachtete, kommt immer dann zum Zuge, wenn das Gehirn anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen hat. Es ist zuständig für zielgerichtetes, vorausschauendes Handeln, seine moralische Bewertung, für das Arbeitsgedächtnis, für die Kontrolle von Emotionen - alles Leistungen, bei denen Jugendliche nicht unbedingt immer glänzen.

So erzählt die Mutter der 13-jährigen Yvonne, dass das eigentlich umgängliche Mädchen beim gemeinsamen Lernen manchmal ausflippt und aus dem Zimmer rennt: »Ein ruhiges Wort reicht, und sie zickt herum.« Der 14-jährige Max stellt seiner Mutter binnen weniger Minuten dreimal dieselbe Frage und vergisst die Antwort augenblicklich. Die 13-jährige Geraldine klagt: »Ich habe oft Stimmungsschwankungen und denke viel über den Tod nach.« Die Vermutung liegt nahe, dass Irrungen und Wirrungen Heranwachsender die Folge eines noch nicht voll einsatzfähigen Stirnhirns sein könnten. »Die emotionale Labilität von Teenagern geht wahrscheinlich darauf zurück, dass das Stirnhirn noch nicht in der Lage ist, diejenigen Teile des Zwischenhirns zu beaufsichtigen, in denen die Gefühle entstehen«, sagt der Neurowissenschaftler Charles Nelson von der University of Minnesota.

Manche Forscher warnen vor vorschnellen Schlüssen. Viel zu wenig wisse man bislang darüber, wie sich die fraglichen Hirnstrukturen auf komplexe Verhaltensweisen auswirkten. Ein Experiment der Psychologin Deborah Yurgelun-Todd vom McLean-Hospital im US-Bundesstaat Massachusetts legt jedoch nahe, dass Teenager die im Umbau befindlichen Teile ihrer Hirne tatsächlich nicht zuschalten, wenn es um den Umgang mit Gefühlen geht. Die Wissenschaftlerin zeigte Jugendlichen und Erwachsenen Bilder eines furchtverzerrten Gesichts, während der Kopf der Probanden im Tomographen steckte. Alle Erwachsenen identifizierten die dargestellte Regung als das, was sie war: Angst. Unter den Jugendlichen gelang das nur jedem Zweiten. Die anderen tippten auf Trauer, Verwirrung oder Ärger, manche mussten sogar ganz passen. Die jugendlichen Hirne funktionierten im Versuch nicht bloß schlechter, sondern auch anders: Beim Anblick der furchtsamen Miene sprang fast ausschließlich die Amygdala an, ein Teil des »Gefühlsapparats« tief im Zwischenhirn, der sehr früh im Laufe der Evolution entstanden ist. Die Erwachsenen hingegen nutzten auch ausgiebig ihr Stirnhirn, die Kontrollstation im Kopf.

Erst allmählich werden die Nervenstränge im Hirn mit Myelin verpackt

Ein gerade veröffentlichtes Experiment des Psychologen Robert McGivern von der San Diego State University weist in dieselbe Richtung. Er ließ seine Versuchsteilnehmer Bilder von glücklichen, traurigen und ärgerlichen Gesichtern identifizieren - und stellte fest, dass Elf- bis Zwölfjährige deutlich langsamer reagierten als jüngere Kinder.

»Das Gehirn von Teenagern verarbeitet Reize aus der Außenwelt anders«, sagt Yurgelun-Todd, »vor allem bei emotionalen Informationen scheint es eher «aus dem Bauch heraus» zu reagieren.« Für Eltern bedeutet das: Möglicherweise kapiert der bockige Sprössling einfach nicht, was mit Vater und Mutter los ist. Eine sorgenvolle Miene könnte er als wütend missverstehen und seinerseits mit Aggression reagieren. Stirnrunzeln und hochgezogene Augenbraue scheinen jedenfalls, folgt man Yurgelun-Todd, kein geeignetes Mittel der Kommunikation mit pubertierenden Kindern zu sein.

Ein weiteres Ausbauprojekt im Schädel mag dazu beitragen, dass Teenager

zu Kurzschlüssen neigen: Erst allmählich werden die Nervenstränge im Hirn des Heranwachsenden mit Myelin verpackt. Das ist eine fettreiche Substanz, die als

Isolierung wirkt und dazu führt, dass der Nerv die elektrischen Signale schneller und zuverlässiger weiterleitet. Kleinkinder bewegen sich tapsig, weil die Zellen in ihrem Hirn, die Arme und Beine steuern, noch blank liegen; bei Patienten mit Multipler Sklerose, die allmählich die Kontrolle über ihre Gliedmaßen verlieren, löst sich die Myelinhülle der Nervenfasern auf.

Analog ließen sich gewisse Verhaltensweisen Jugendlicher als eine Art emotionaler Tapsigkeit erklären: Die wutentbrannte Reaktion des Gefühlsapparats im Kopf (Türe zuknallen und rauslaufen) kommt der diplomatischen Reaktion aus dem Stirnhirn zuvor (»Ich verstehe deinen Standpunkt, aber?«), weil die Information über das Ärgernis zu langsam oder gar nicht nach vorne weitergeleitet wurde.

»Wir haben früher geklaut wie die Raben«

Dass die Nervenfasern sich erst so spät in ihre Myelinhüllen wickeln, ist sinnvoll: Eingepackt werden nur jene Verbindungen, die das Hirn regelmäßig nutzt. So zementiert das Myelin gelernte und bewährte Verhaltensweisen - ein Vorgang, der bis Ende 20 dauert und in späteren Lebensphasen wieder einsetzt. Gerade während der Pubertät tritt der Mensch in eine entscheidende Phase des Lernens ein. Während sich ein Kleinkind Basisfertigkeiten wie Laufen oder Sprechen aneignen muss (was mit fieberhaften Bauarbeiten im Gehirn einhergeht), steht für Teenager ein fortgeschrittenes Kapitel auf dem Lehrplan: der Umgang mit anderen Menschen - und den eigenen Gefühlen. Die vorangehende Wachstumsphase im Stirnhirn liefert sozusagen die Notizblöcke, auf denen die neuen Erfahrungen und Erkenntnisse festgehalten werden können.

Doch wie ein Baby alles in den Mund steckt, was es greifen kann, probieren auch Jugendliche in der Phase des Hirnumbaus und der Selbstfindung Dinge aus, die ihnen nicht immer gut bekommen. Das kann harmlos sein wie der heimliche Verzehr von Mon-Chéri-Pralinen, den Yvonne ihrer Mutter gestanden hat (»eklig, ess ich nie wieder«), aber mitunter durchaus riskant. »Ich bin regelmäßig nachts von der Disco nach Hause getrampt und war überzeugt, mir könnte nichts passieren«, beichtet die brav wirkende Mittdreißigerin. Und ein erfolgreicher, bürgerlicher Altersgenosse gesteht: »Wir haben früher geklaut wie die Raben.«

Psychologen raten Eltern, bei kriminellem und sonstwie gefährlichem Verhalten klare Grenzen zu setzen - aber nicht den Kopf zu verlieren. Gelassenheit ist das A und O, auch im Umgang mit den körperlichen Wandlungen während der Pubertät. Spötteleien oder verklemmtes Gehabe verstärken das Unwohlsein im noch fremden Körper. Vor allem bei Mädchen können sie das ohnehin schwächelnde Selbstwertgefühl auf Jahre zerstören.

»Eigentlich sind Eltern doch für solche Fragen da«

Immerhin genießen Mädchen den Vorzug, dass Mütter ihnen aus eigener Erfahrung Rat geben können. Jungen sind da auf ihre Väter angewiesen, die aber drücken sich oft um intime Gespräche mit den Sprösslingen. »Ich mag meinen Vater sehr«, sagt Yvonne, »aber wenn ich den was frage, über Pubertät zum Beispiel, veräppelt der mich oft.« Missbilligend fügt sie hinzu: »Eigentlich sind Eltern doch für solche Fragen da.«

Ein Satz, den Hirnforscher Jay Giedd unterschreiben würde: »Je technisierter und fortgeschrittener die Wissenschaft wird, desto mehr führt sie uns zu

den ganz simplen Einsichten zurück: Dass es wichtig ist, liebevoll mit Kindern umzugehen und sich Zeit für sie zu nehmen.» Und, könnte man hinzufügen, dass Eltern aus der Pubertät kein Drama machen sollten. Denn sie geht vorbei - und hat so gut wie immer ein Happy End.

Von Alexandra Rigos und Olaf Blecker (Fotos)

Mitarbeit: Karolin Leyendecker

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