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Mit Kraut und Nadeln

Bei manchen Kopfschmerzformen kann Komplementärmedizin so gut helfen wie herkömmliche Arzneien. Ein Überblick über die vielversprechendsten Methoden.

Von Edzard Ernst

Wenn Migräne-Patienten außer ihren Kopfschmerzen eine legitime zweite Beschwerde haben, dann, dass die Ärzte ihnen nicht zuhören", schrieb Oliver Sacks im Jahr 1972. "Man untersucht sie, führt Tests durch, verschreibt ihnen Medikamente und stellt Rechnungen, aber man hört ihnen nicht zu." Diese Beobachtung des amerikanischen Neurologen spricht vielen Kopfschmerzpatienten aus dem Herzen. Wen wundert es da, dass zahlreiche dieser leidgeplagten Personen sich nach Alternativen umschauen?

Bei Spannungskopfschmerzen wird häufig Akupunktur empfohlen. Die Ergebnisse klinischer Studien fallen jedoch sehr unterschiedlich aus: Etwa die Hälfte von ihnen deutet darauf hin, dass Schmerzintensität und -häufigkeit mit dieser Therapieform reduziert werden können. In der anderen Hälfte konnten keine derartigen Effekte belegt werden. Die wegen ihrer Methode aussagekräftigeren Studien sprechen in der Mehrzahl gegen eine Wirksamkeit der Akupunktur bei Spannungskopfschmerzen.

Bei Migräne ist die Datenlage dagegen deutlich positiver. Hier existieren etwa 30 Studien, und die meisten der qualitativ hochstehenden Untersuchungen sprechen recht eindeutig dafür, dass Akupunktur die Frequenz der Migräne- Attacken verringert - wenn sie regelmäßig durchgeführt wird.

Spannungskopfschmerz spricht gut an auf autogenes Training. Dies zeigen zumindest die wenigen Daten, die hierzu zur Verfügung stehen. Diese Methode der Selbsthypnose ist zudem kostengünstig und hat wohltuende Nebeneffekte, zum Beispiel wirkt sie entspannend und fördert einen guten Schlaf.

Mit

Biofeedback

lässt sich eine Entspannung sowohl der Muskeln als auch der Psyche leicht und zuverlässig erreichen (siehe Seite 78). Diese Effekte wirken sich bei Spannungskopfschmerzen und bei Migräne positiv aus, wie eine außerordentlich große Zahl von Studien belegt. Biofeedback beugt Kopfschmerzen gemäß diesen Daten etwa ebenso gut vor wie Medikamente.

Wirbelsäulenmanipulationen, wie sie

Manualtherapeuten, Chiropraktiker

oder

Osteopathen

anwenden, wirken bei Migräne präventiv. Ob sie auch Spannungskopfschmerzen vorbeugen können, ist derzeit noch unklar. Manipulationen der Halswirbelsäule sind allerdings nicht ganz ungefährlich: In einigen Hundert gut dokumentierten Fällen hat die Behandlung zu einer Verletzung der Vertebralarterie Vertebralarterie geführt, was zum Schlaganfall und sogar zum Tod führen kann.

Die Behandlung mit pflanzlichen Arzneistoffen hat einiges zu bieten:

Pfefferminzöl

, auf die Schläfen aufgetragen, ist gemäß einer Studie bei Spannungskopfschmerzen so effektiv wie herkömmliche Schmerzmittel. Zur Prävention der Migräne eignen sich

Pestwurz

(Petasites hybridus) und auch

Mutterkraut

(Tanacetum parthenium). Die

Homöopathie

versagt dagegen gemäß der aussagekräftigsten Studien bei Migräne wie auch bei Spannungskopfschmerzen.

Im Bereich der Nahrungsergänzungsstoffe sollte das

Co-Enzym Q10

erwähnt werden. Derzeit stehen hierzu leider nur wenige Untersuchungen zur Verfügung. Aber die Daten, die vorliegen, sprechen recht eindeutig dafür, dass die Einnahme dieses körpereigenen Stoffes die Frequenz von Migräne-Attacken deutlich reduziert. Da dabei kaum mit Nebenwirkungen zu rechnen ist, könnte diese Art der Migräne-Vorbeugung durchaus einen Versuch wert sein.

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