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Schmerztherapie mit Anziehungskraft

Die Magnetfeldtherapie soll helfen, Schmerzen zu lindern - ganz ohne Medikamente. Doch was bringen Magnete in Armbändern, Matratzen und Unterhosen wirklich?

Von Edzard Ernst

  Wer unter Schmerzen leidet, will nicht unbedingt gleich zu Medikamenten greifen

Wer unter Schmerzen leidet, will nicht unbedingt gleich zu Medikamenten greifen

Wenn wir unter Schmerzen leiden, ist die Lage oft nicht so bedrohlich, dass wir unbedingt zu Medikamenten greifen wollen. Vor diesem Hintergrund hat sich eine Milliardenindustrie etabliert, die verspricht, was sich viele wünschen: eine natürliche, äußerliche Behandlungsform, die nicht allzu viel kostet und garantiert keine Nebenwirkungen aufweist - die Magnetfeldtherapie.

Magnete werden zu therapeutischen Zwecken in allen erdenklichen Produkten angeboten: in Armbändern, Matratzen, Schuheinlagen und sogar in Unterhosen. Darin erzeugen sie ein konstantes, meist sehr schwaches Magnetfeld; der Experte spricht von "statischer Magnetfeldtherapie". Daneben gibt es Therapiegeräte, die pulsierende und andere nicht konstante Kraftfelder erzeugen, die gewöhnlich im niederfrequenten Bereich liegen. Sie sind nicht zur Selbstbehandlung gedacht und stehen zum Beispiel in Praxen von Physiotherapeuten und Orthopäden. Die Befürworter der Magnetbehandlung verweisen auf Untersuchungen, die im Tierversuch oder an Zellkulturen biologische Effekte nachgewiesen haben.

Die meisten Studien haben Schwächen

Jeder lebende Organismus zeigt eine Vielzahl elektromagnetischer Phänomene. Somit ist es kaum verwunderlich, dass Körperfunktionen durch Magnete beeinflusst werden können. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass deren Kraftfelder auch therapeutisch nutzbare Effekte erzielen. Die Frage ist also: Was leisten Magnete in der Behandlung kranker Menschen, speziell solcher, die an Schmerzen leiden?

Die aussagekräftigen Studien zu der Frage wurden von meiner Arbeitsgruppe unlängst evaluiert. Neun Untersuchungen fanden sich zu diesem Thema, die meisten davon hatten erhebliche methodische Schwächen. Nur wenige der gut gemachten Arbeiten kamen zu einem positiven Ergebnis. Unsere Schlussfolgerung war dementsprechend zurückhaltend: "Die Datenlage stützt nicht die Annahme, dass statische Magnete Schmerzen reduzieren; daher kann diese Therapie nicht als effektiv empfohlen werden."

Ernüchterndes Gesamturteil

Bei pulsierenden Magneten ist die Datenlage weniger eindeutig. Hier gibt es sowohl positive als auch negative Aussagen aus relativ gut angelegten Studien. Die jüngste dieser Untersuchungen wurde in diesem Jahr von australischen Forschern publiziert. Sie behandelten ein halbes Jahr lang 70 Patienten mit Kniegelenksbeschwerden entweder mit einer Scheintherapie oder pulsierenden Magnetfeldern. Die Ergebnisse zeigen keine Differenzen zwischen beiden Behandlungen bezüglich Schmerzen.

Es ergibt sich also ein ernüchterndes Gesamturteil. Im renommierten "British Medical Journal" drückten dies amerikanische Experten so aus: "Patienten sollte gesagt werden, dass Magnettherapie keinen nachgewiesenen Nutzen aufweist. Falls sie darauf bestehen, dennoch Magnete einzusetzen, sollten wir ihnen empfehlen, die billigste Variante zu kaufen - dies würde zumindest den Schmerz am Geldbeutel lindern."

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