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Auf diese Alarmsignale des Körpers sollten Sie achten

Kurzfristiger Stress trimmt uns zu Höchstleistungen. Reißt der Druck jedoch nicht mehr ab, rebelliert der Körper irgendwann. Dann gilt es, auf die Warnzeichen zu achten - um Schlimmeres zu verhindern.

Ilona Kriesl

  Die Gedanken kreisen und kommen nicht zur Ruhe: Wer nicht mehr richtig entspannen kann, steckt womöglich schon in einer Stress-Spirale.

Die Gedanken kreisen und kommen nicht zur Ruhe: Wer nicht mehr richtig entspannen kann, steckt womöglich schon in einer Stress-Spirale.

Das Summen im Ohr setzt ohne Vorwarnung ein. Von einer Sekunde auf die andere ist es da. Ein Tinnitus wird von Betroffenen meist unterschiedlich wahrgenommen: Einige berichten über ein Klingeln oder Pfeifen im Ohr, während andere das Geräusch mehr als Pochen oder Knacken wahrnehmen - so, als würde jemand neben ihnen sitzen und mit den Fingern knacken. Jeder dritte Erwachsene plagt sich im Laufe seines Lebens mindestens einmal mit dem Ohrgeräusch. Bei einigen fiept es nur wenige Tage, andere hören das Piepen wochenlang. Doch gemein ist ihnen: Wer einen Tinnitus entwickelt, hatte vorher meist mit Stress zu kämpfen.

Ein Tinnitus ist ein Symptom aus einer ganzen Reihe an Problemen, die durch andauernde Überbelastung hervorgerufen werden können. Dabei ist Stress nicht gleich Stress. Er schadet nicht immer, sondern kann sogar ziemlich nützlich sein - vor Prüfungen etwa. In solchen Situationen schüttet der Körper die Botenstoffe Adrenalin und Cortisol aus. Das hilft, die Kraftreserven des Körpers zu mobilisieren und macht leistungsfähiger. Dauert der Stress nur kurz an, stecken ihn gesunde Menschen daher meist gut weg. Problematisch wird es nur, wenn der Druck über einen längeren Zeitraum nicht mehr abreißt - sich Prüfung an Prüfung reiht, der Haussegen seit Wochen schiefhängt oder täglich Überstunden geschoben werden. Dann kann Stress chronisch werden und Körper und Seele belasten - vor allem, wenn er uns sinnlos erscheint, wir uns machtlos fühlen und das Gefühl haben, alles alleine bewältigen zu müssen.

Auch ein Tinnitus kann sich anheften wie eine Klette, mitunter ist er schwer wieder loszubekommen. Was genau das Geräusch im Ohr hervorruft, ist noch nicht endgültig geklärt. Mediziner vermuten, dass unter Stress das Innenohr weniger durchblutet wird, was die Versorgung mit Sauerstoff herabsetzt und so zu dem Geräusch führen könnte. Ist der Tinnitus akut, erhalten Betroffene meist Infusionen gegen das lästige Pfeifen. Sie steigern die Flüssigkeitsmenge des Blutes, erweitern die Gefäße und sollen so die Durchblutung des Innenohrs verbessern. Findet der Arzt keine organische Ursache für das Geräusch, lautet die weitere Therapie: Stressreduktion.

Am Anfang steht die Erschöpfung

Ein Tinnitus ist wohl das unangenehmste aller möglichen Stresssymptome. Doch Stress äußert sich auch subtiler, die Symptome schleichen sich nach und nach in den Alltag ein. Die meisten Betroffenen kämpfen zunächst mit einsetzender Erschöpfung. Hinzu kommen Schlafstörungen: Wer schlecht schläft, in der Nacht aufwacht und über Probleme im Alltag grübelt, sollte irgendwann die Notbremse ziehen. Zudem kann sich das Essverhalten verändern: Stressgeplagte essen mehr als ihnen gut tut - oder kaum noch. Sie flüchten sich häufig in vermeintliche Entspannungsmittel wie Alkohol oder Zigaretten, vernachlässigen aber alles, was tatsächlich Erholung brächte: Sport etwa, oder Spieleabende mit Freunden.

Mit der Zeit treten vermehrt körperliche Symptomen auf. Betroffene fangen sich schneller Erkältungen ein als üblich, sie entwickeln einen hohen Blutdruck, Herzrhythmusstörungen oder Ohrenpfeifen. Viele verlieren das Interesse an Sex, haben Stimmungsschwankungen, und sind nicht mehr so leistungsfähig wie früher. Spätestens jetzt sollten Maßnahmen ergriffen werden, um das Stresslevel zu senken - sonst droht ein Zusammenbruch oder Burnout. Ein Arzt hilft dabei, körperliche Symptome einzuordnen und etwaige Krankheiten auszuschließen. Er kann auch Tipps geben, wie Erholung wieder zu einem festen Bestandteil des Alltags wird.

Die Stress-Spirale durchbrechen

In jedem Fall ist es wichtig, das Stresslevel herunterzufahren. Gespräche mit Vorgesetzten können hilfreich sein, um den Berufsalltag angenehmer zu gestalten. Auch Bewegung hat sich als bewährtes Mittel gegen zu viel Anspannung erwiesen. Als ideal gelten leichte Ausdauersportarten, wie Schwimmen, Joggen, aber auch Yoga. Wer nicht gerne alleine Sport treibt, kann sich in Vereinen anmelden. Der Kontakt zu anderen Menschen schafft zusätzliche Ablenkung von Gedanken, die sich nur um Probleme oder den Beruf drehen. Gemeinsame Ausflüge mit dem Partner oder Freunden helfen dabei, mehr Abwechslung in den Alltag zu bringen und sorgen für Erholung.

Gut möglich, dass die Stress-Symptome dann auch wieder von ganz alleine verschwinden - so, wie sie gekommen sind: schnell und ohne Vorwarnung.