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21. Juni 2011, 19:18 Uhr

Regierung will mehr Patientenrechte

Falsche Diagnosen und Fehler im OP: Nie zuvor haben sich so viele Patienten beschwert wie im vergangenen Jahr. Die Dunkelziffer ist jedoch weiterhin hoch und der Weg zur Entschädigung weit. Jetzt sollen Patienten mehr Rechte bekommen.

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Pfusch im OP-Saal ist einer der häufigsten Gründe für Patientenbeschwerden. Davon gab es 2010 mehr als je zuvor.© Friso Gentsch/DPA

Immer mehr Patienten beschweren sich über Behandlungsfehler ihrer Ärzte. Nach Schätzungen beanstanden sie jährlich in rund 40.000 Fällen ihre Behandlung bei verschiedenen Stellen. 11.016 Anträge auf Schadensersatz gingen 2010 allein bei der Bundesärztekammer ein. Dies seien zehn Prozent mehr als noch vor zehn Jahren, teilte die Kammer am Dienstag in Berlin mit. In 30 Prozent der Fälle bekämen die Patienten Recht.

Angesichts dieser Zahlen will die Regierung nun die Opfer stärken: "Unser Ziel ist es, den Schlichtungsstellen mehr Kompetenzen zu geben und ihr Profil zu vereinheitlichen", sagte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU). Gegenwärtig würden manche Schlichtungsstellen nur Gutachten erstellen, während andere daraus auch gleich Konsequenzen für eine finanzielle Entschädigung an die Betroffenen zögen. Die Änderungen sollen in einem Patientenrechtegesetz verankert werden, das nach Angaben Zöllers spätestens Mitte 2012 in Kraft treten soll.

Verfahren dauern 15 Monate

Seit 1975 überprüfen unabhängige Experten bei Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen gebührenfrei, ob Patientenbeschwerden gerechtfertigt sind. In 90 Prozent der Fälle akzeptieren beide Seiten die Entscheidungen. Die Verfahren der Standesgremien dauern im Schnitt knapp 15 Monate - bei weiteren Schritten vor Gericht können Jahre bis zu einem Urteil vergehen.

Die offiziell festgestellten Fälle sind aus Sicht des Bremer Gesundheitsforschers Gerd Glaeske allerdings nur "die dramatische Spitze eines Eisbergs". Viele Patienten gingen nicht gegen ihre Ärzte vor, sagte er. "Im ambulanten Bereich haben wir keine funktionierende Fehlermeldekultur", sagte er. Unangemeldete Kontrollbesuche in den Praxen könnten helfen. Verantwortlich für die Fehler ist laut Experten vor allem der zunehmende Druck auf die Ärzte. "Der Patient muss in immer kürzeren Zeiträumen durchgeschleust werden - und da können Fehler passieren", sagte Andreas Crusius, der Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern. 120 Patienten pro Arzt und Tag seien nicht selten.

Falsch eingesetzte Prothesen

Der häufigste Grund sich an Gutachterstellen zu wenden, sei der Verdacht auf falsche Behandlungen von Knie- und Hüftarthrose, teilte die Bundesärztekammer mit. Echte oder vermeintliche Probleme bei der Behandlung von Brüchen und Bandscheibenschäden, Nervenschäden mit Gehbehinderungen, die nach dem Einsetzen künstlicher Gelenke eine erneute Operation nötig machen, zählten ebenso zu den unerwünschten Resultaten von Therapien, wie falsch eingesetzte Prothesen oder Prothesenteile. Bei bis zu 58 Prozent der beanstandeten Behandlungen von Brüchen bei Kindern erkannten die Gutachter einen Fehler an, bei Blinddarmentzündungen waren es mehr als 30 Prozent.

Bei einzelnen Krankheiten zeigt sich ein Rückgang der nachgewiesenen Fehler - so etwa beim Brustkrebs. In den vergangenen fünf Jahren habe sich deren Zahl auf 29 Fälle verringert und damit fast halbiert, teilte die Ärztekammer mit. Dies liege vermutlich daran, dass sich Ärzte hier häufiger als bisher bei Kollegen eine zweite Meinung einholten.

jup/DPA/Reuters
 
 
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