Laufsteg im Behandlungszimmer

Ein Profi kann schon am Gang erkennen, was im Rücken nicht stimmt. Eine solche Hauruck-Diagnose ist allerdings nicht seriös. Deshalb wird der Orthopäde Sie ausführlich untersuchen.

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Rollen Sie mit Ihren Füßen richtig ab? Ein geschulter Orthopäde sieht das sofort©

In dem Moment, wo Sie das Sprechzimmer betreten, kann ein geschulter Arzt schon sehen, wo es weh tut. Denn bestimmte Beschwerden führen zu typischen Schonhaltungen: Vielleicht gehen Sie krumm und leicht nach vorn gebeugt oder Sie bewegen sich, als ob Ihnen ein Brett in den Rücken genäht wurde. Allerdings wird der Orthopäde Sie noch ausführlich untersuchen - eine Ein-Blick-Diagnose reicht nicht aus.

Zunächst wird der Arzt Sie bitten, sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen. Dann kann er sich Ihre Körperhaltung genau anschauen und sehen, ob vielleicht Muskeln im Rücken verspannt sind. Er erkennt auch, ob Ihre Wirbelsäule die richtige Form hat. Von der Seite betrachtet sollte sie in einer S-Form verlaufen, von hinten gesehen sollten die Wirbel schnurgerade aufgereiht sein, keiner darf aus der Reihe tanzen. Der Orthopäde sieht auch nach, ob das Becken gerade steht und die Schultern seitengleich sind.

Einmal quer durch's Zimmer, bitte!

Die Orthopädin wird Sie zudem bitten, durch das Behandlungszimmer zu gehen. Dabei kann sie Ihren Körper genau beobachten: Bewegen Sie sich harmonisch und rollen Sie die Füße ordentlich ab? Ist eine bestimmte Muskelgruppe so schwach, dass Sie mit einem Fuß schlurfen? Bewegt sich das linke Bein anders als das rechte?

Anschließend dürfen Sie sich auf der Liege ausstrecken. Die Ärztin wird Ihre Gliedmaßen bewegen, sie hebt zum Beispiel Ihre ausgestreckten Beine nacheinander im Liegen an. Schreien Sie dann vor Schmerz, weiß sie, dass Ihr Ischiasnerv sehr gereizt ist - und Sie auch. Auf der Liege kann sie auch gut testen, wie beweglich Ihr Körper noch ist: Die Orthopädin wird etwa Ihre beiden Knie Richtung Oberbauch drücken, bis Sie ächzen.

Reflextests: Haben Sie noch alle Nerven beisammen?

Möglicherweise haben Sie Schmerzen, weil etwas auf Ihre Nerven drückt. Werden Nervenbahnen gequetscht, kann das etliche Symptome nach sich ziehen: Vielleicht sind Gliedmaßen wie gelähmt oder bestimmte Muskeln scheinen nicht mehr zu funktionieren. Manche Reflexe können schwächer ausfallen, möglicherweise fühlen sich manche Hautpartien auch wie taub an.

Der Orthopäde prüft die wichtigsten Reflexe mit einem kleinen Hämmerchen: Er haut damit knapp unter die Kniescheibe - dann sollte Ihr Unterschenkel nach vorne wippen - oder er schlägt die Achillessehne an, dann sollte sich Ihr Fuß strecken. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihr Körper nicht ganz lehrbuchhaft reagiert; jeder Mensch ist individuell. Bedenklich wird es, wenn es auf der einen Seite viel besser funktioniert als auf der anderen - das deutet auf geschädigte Nerven hin. Deshalb wird der Arzt die Reflexe immer an der linken und der rechten Körperseite testen.

Der Streichel-Test: Sagen Sie, was Sie fühlen

Zum Schluss wird der Arzt Ihnen sacht mit der flachen Hand über Beine und Arme streichen. Vielleicht kribbelt Ihre Haut dabei oder sie fühlt sich taub an. Sagen Sie das Ihrem Arzt und beschreiben Sie, was Sie fühlen. Dadurch kann er Rückschlüsse ziehen, welche Nerven in Mitleidenschaft gezogen sind.

Nach dieser körperlichen Untersuchung wird der Arzt meist schon wissen, was Sie quält. Ist er sich nicht sicher, kann er Ihre Muskelkraft messen, Ihre körperlichen Möglichkeiten testen, Ihr Inneres mit Nadeln abhorchen oder Knochen und Nerven sichtbar machen.

Katja Lüers
 
 
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