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Rückenschmerz und Kribbelbein

Die Beine kribbeln, das Kreuz tut weh: Menschen mit Spinalkanalstenose haben einen zu engen Wirbelkanal, er klemmt die Nerven ein. Die bedrängten Fasern melden sich vor allem beim Gehen und Stehen.

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Müde Beine nach dem Shoppen: Keine Sorge, das ist normal

Stadtbummel? Nein danke! Bloß nicht gehen oder stehen, sitzen fühlt sich besser an. So empfinden viele, denen das Kreuz oft schmerzt. Möglicherweise sind verspannte Muskeln schuld oder ein Bandscheibenproblem. Es kann aber auch sein, dass ein zu enger Wirbelkanal die Schmerzen auslöst.

Dieses Phänomen heißt in der Medizin Spinalkanalstenose. Durch die Wirbelsäule läuft das Rückenmark. In dem Kanal der Wirbelsäule ist normalerweise genug Platz für den dicken Nervenstrang. In manchen Fällen ist die Röhre jedoch zu eng: Wirbel, Bandscheiben oder Bänder haben sich breiter gemacht als sie sollten. Dann werden die Nerven zusammengedrückt. Werden sie gar eingeklemmt, schmerzt das heftig. Am häufigsten wird es in der Lendenwirbelsäule zu eng. Dann zieht die Pein in die Beine. Ein einfacher Spaziergang ist dann nur noch mit vielen Pausen zu schaffen.

Abgenutzte Bandscheiben sind meist der Auslöser

Der Wirbelkanal wird meist durch Verschleiß zu eng. Es beginnt damit, dass die Bandscheiben flacher werden - und infolgedessen auch breiter. Dann drücken die Bandscheiben gegen das hintere Längsband in der Wirbelsäule. Dieses Band liegt zwischen den Bandscheiben und dem Rückenmark. Die Folge: Die Nerven im Rückenmark geraten unter Druck.

Weil die Bandscheiben flacher werden, rücken allmählich die Wirbelkörper immer näher zusammen. Denn im Rückgrat liegt zwischen zwei Wirbeln immer eine Bandscheibe als Puffer. Wird der Puffer dünner, versucht der Körper, dennoch den Abstand zu wahren: Den Wirbeln wachsen knöcherne Höcker an den Seiten - leider ein Fehlversuch, der nicht zu größerem Abstand führt, sondern den Kanal für den Nervenstrang enger werden lässt.

Mit der Zeit können auch die Bänder der Wirbelsäule dicker und schlaffer werden. Ihre Aufgabe ist es, die Wirbelkörper an ihrem Platz zu halten. Sind die Bänder zu locker, fehlt den Wirbeln der Halt, sie können aus der Reihe tanzen, und die durchlaufenden Nervenfasern werden gezwungen, mit auszuscheren - das zerrt an ihnen und lässt Schmerz entstehen.

All dies sind Verschleißprozesse, die die Nerven im Rückgrat quälen können. Nur sehr wenige Menschen haben von Geburt an einen zu einen Wirbelkanal. Im Endeffekt ist es aber unerheblich, ob die Spinalkanalstenose angeboren oder altersbedingt ist: Es tut immer extrem weh, wenn Nerven so wenig Platz haben, dass sie eingequetscht werden.

Nicole Simon

Symptome

Jeder Weg wird zur Qual

Ihre Beine fühlen sich schwach an und Sie haben heftige Schmerzen, sobald Sie gehen? Das kann auf einen zu engen Wirbelkanal hinweisen. Die Beschwerden sind meist nicht von einem Tag auf den anderen da. Oft beginnt es mit einfachen Rückenschmerzen, die mit der Zeit schlimmer werden. Manche Menschen merken sogar nach Jahren noch nicht, dass ihr Wirbelkanal zu eng ist. Denn nicht jede Spinalkanalstenose tut weh.

Werden die Nerven im engen Wirbelkanal jedoch gequetscht, schmerzt Ihr Kreuz richtig. Oft strahlen die Schmerzen bis in die Beine aus. Eventuell kribbeln Ihre Beine auch, sie fühlen sich taub an, die Muskeln werden schwach. Lange Strecken zu gehen, fällt dann schwer, einigen Menschen ist es überhaupt nicht mehr möglich. Immer wieder müssen sie anhalten und Pausen einlegen.

Typisch für die Spinalkanalstenose ist es auch, dass die Schmerzen beim Sitzen oder Fahrradfahren nachlassen. Denn dann kippt der Rumpf nach vorne. Die Wirbelsäule wird gedehnt, der Wirbelkanal geweitet und der Druck auf die Nerven nimmt ab.

Wenn es ganz schlimm kommt, sind diejenigen Nerven eingeklemmt, die die Blase, den Mastdarm und die Geschlechtsorgane versorgen. Die Betroffenen verlieren dann die Kontrolle über das Wasserlassen und den Stuhlgang. Und sie können impotent werden. Dieses so genannte Kaudasyndrom ist aber glücklicherweise sehr selten.

Diagnose

Die Röhre macht die Enge sichtbar

Erzählen Sie Ihrem Arzt, wo es wehtut und wann es besonders schlimm ist. Er wird sich danach Ihren Rücken genauer ansehen. Normalerweise prüft er Form und Beweglichkeit der Wirbelsäule. Wenn Sie sich ohne Probleme nach vorne beugen können, aber Schmerzen bei der Rückbeuge haben, ist das ein erster Hinweis. Der Arzt testet außerdem einige Reflexe und tastet die Rückenmuskeln ab.

Eine Laboruntersuchung Ihres Blutes oder Ihrer Nervenflüssigkeit ist sinnvoll, wenn Ihre Ärztin bestimmte Nervenleiden, etwa durch Diabetes oder Borreliose verursacht, ausschließen möchte. Diese Krankheiten können ähnliche Symptome mit sich bringen.

Aufnahmen Ihrer Wirbelsäule sind erst dann angebracht, wenn die Schmerzen sehr stark sind oder wenn sie trotz Therapie nicht zurückgehen. Bilder Ihres Rückgrates erhält der Arzt durch

Grundsätzlich ist eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) besser als eine Röntgen-Aufnahme. Erstens fällt bei der MRT die Strahlenbelastung weg, und zweitens kann sie die Spinalkanalstenose direkt sichtbar machen, mitsamt den Weichteilen wie Bandscheiben oder Nervenwurzeln. Ein einfaches Röntgenbild hingegen zeigt nur Knochen.

Röntgen ist oft überflüssig

Meist reicht eine MRT völlig aus. Nur wenn Ihr Arzt eine Operation plant oder wenn er sich die knöchernen Wirbel noch genauer ansehen will, wird er wahrscheinlich noch eine Computer-Tomografie (CT) anordnen. Auch eine Myelografie kann vor einer Operation sinnvoll sein. Bei dieser Untersuchungsmethode spritzt Ihnen die Ärztin ein Kontrastmittel in das Rückgrat. Das ist nicht ganz ungefährlich, deshalb sollte wirklich ein Grund für diese Untersuchung vorliegen. Anschließend macht die Ärztin eine Röntgenaufnahme oder eine Computer-Tomografie.

Will Ihr Arzt sehen, ob die Wirbel gleiten oder versetzt sind, macht er womöglich zwei seitliche Röntgenaufnahmen: eine mit gebeugtem und eine mit gestrecktem Rücken. Oft jedoch machen die modernen Verfahren wie die Magnet-Resonanz-Tomografie oder die Myelografie das Röntgen überflüssig.

Doch Vorsicht: Sieht der Arzt einen engen Wirbelkanal auf den Bildern, heißt das nicht unbedingt, dass der Platzmangel auch der Grund für Ihre Schmerzen ist. Schließlich tut eine Spinalkanalstenose nicht grundsätzlich weh, sie kann auch völlig unbemerkt bleiben.

Therapie

Pillen oder Korsett

Gut ist, was hilft. Ob Tabletten, Gymnastik, Korsett oder Operation, das hängt von Ihren Beschwerden ab. Leiden Sie vor allem an einfachen Rückenschmerzen, sollten Sie mit Medikamenten und Bewegungstherapie beginnen. Das behebt zwar nicht die Ursache, den zu engen Wirbelkanal, aber es lindert die Schmerzen. Gehen die Qualen trotz Therapie nicht zurück, kann eine Operation vielleicht helfen.

Welche Behandlung tatsächlich die beste bei Spinalstenose ist, darüber streiten sich die Fachleute noch. Denn bislang gibt es zu wenig Studien, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Therapien abgewogen haben.

Zur so genannten konservativen Therapie zählen Krankengymnastik und Schmerzmittel. Krankengymnastik hilft Ihnen, Rücken- und Bauchmuskeln zu trainieren. Starke Muskeln stabilisieren den Rücken und sollen so die Lendenwirbelsäule entlasten. Die Medikamente betäuben nicht nur den Schmerz, sie verhindern auch, dass Sie sich verkrampfen. Ist die Qual sehr stark, spritzen einige Ärzte Betäubungsmittel mit entzündungshemmendem Kortison direkt in den Wirbelkanal.

Vielleicht wird Ihnen die Ärztin auch empfehlen, ein Korsett zu tragen. Es stellt die Lendenwirbelsäule ruhig und verhindert, dass sie sich nach hinten verbiegt und so den Wirbelkanal zusätzlich einengt. Einige Menschen fühlen sich auch nach ein paar Massagen oder Akupunktur-Behandlungen besser. Welcher von diesen nicht-konservativen Ansätzen am besten geeignet ist, wurde bislang noch nicht wissenschaftlich untersucht.

Das Skalpell kann Platz schaffen

Operationen sind kein Allheilmittel. Nur in bestimmten Fällen können sie möglicherweise helfen. Sie werden empfohlen, wenn

  • die Schmerzen trotz anderer Therapien nicht verschwinden,
  • die Gequälten nicht mehr richtig gehen oder arbeiten können,
  • Gliedmaßen gelähmt sind,
  • Probleme beim Stuhlgang oder Wasserlassen auftreten.

Bei einer Operation schneidet der Chirurg die Haut über den betroffenen Wirbeln auf und arbeitet sich mit dem Skalpell bis zur Wirbelsäule vor. Mit feinen Instrumenten wie Fräsen und kleinen Stanzen entfernt er Teile aus der Wirbelsäule, etwa Teile der Dornfortsätze, der Wirbelbögen, der Wirbelgelenke, der Bänder, oder Vorwölbungen der Bandscheiben. So verschafft er dem eingeklemmten Nerv wieder ausreichend Platz.

Manchmal entscheiden sich Operateure auch dafür, die Wirbel zu stabilisieren oder zu versteifen. Sie setzen Platzhalter zwischen die Wirbel oder fixieren die Wirbel mit kleinen Stäben. Auch für die Operation Ihrer Wirbelsäule gibt es keinen Gold-Standard. Auf welche Weise der Chirurg Sie operiert, hängt davon ab, wie weit die Krankheit voran geschritten ist und welche Beschwerden Sie haben.

Tipps

Rauf auf's Rad!

Setzen Sie sich ruhig hin, wenn Ihnen unterwegs das Kreuz schmerzt und die Beine müde werden. Beim Sitzen kippt das Becken nach vorne und der Wirbelkanal weitet sich. Deshalb lässt der Druck auf Ihre gequetschten Rückennerven nach - und der Schmerz auch.

Fällt Ihnen das Gehen schwer, nehmen Sie das Fahrrad! Wenn Sie auf dem Sattel sitzen, dehnt sich die Wirbelsäule. Das verschafft den Rückennerven wieder mehr Platz im Wirbelkanal. Und finden Sie sich nicht zu leicht damit ab, dass Sie keine langen Strecken mehr gehen können - auch wenn Sie älter sind. Es ist zwar normal, dass sich die Wirbelsäule mit den Jahren abnutzt. Das heißt aber nicht, dass Sie dauernd Schmerzen ertragen müssen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, was Sie tun können.

Gehen Sie auch zum Arzt, wenn Ihre Beine immer mal wieder kribbeln, vielleicht sogar taub werden. Vielleicht ist ein Rückennerv eingeklemmt. Wenn Sie nichts tun, kann er im schlimmsten Fall absterben.

Bleiben Sie aktiv. Wenn Sie aus Angst vor Schmerzen zum Bewegungsmuffel werden, bilden sich Ihre Muskeln zurück. Das ist fatal, denn die Bauch- und Rückenmuskulatur stützt und entlastet Ihre Wirbelsäule. Schwache Muskeln führen möglicherweise zu neuen Rückenschmerzen und Verspannungen, die mit Ihrem engen Wirbelkanal nichts zu tun haben.

Expertenrat

Martin Haag, ärztlicher Leiter der Orthopädie am Uniklinikum Freiburg, antwortet

Ich leide an einem zu engen Wirbelkanal, kann Bewegung mir helfen?
Solange die Schmerzen nicht zu groß werden, gibt es keinen Grund, auf Bewegung zu verzichten. Bewegung hilft, verspannte und schmerzende Muskeln zu lockern. Außerdem entlasten gut trainierte Rücken- und Bauchmuskeln Ihre angeschlagene Wirbelsäule. Allerdings haben sich bei der Spinalkanalstenose Wirbel, Gelenke und Bänder mit der Zeit verändert. Diese Entwicklung kann Sport nicht rückgängig machen.

Ich habe Spinalkanalstenose. Bis zu welchen Alter kann ich operiert werden?


Es gibt keine Altersgrenze für diese Operation. Viele der Patienten sind älter als 70 Jahre, wenn der Arzt ihre Stenose operiert. Die OP ist ein nicht allzu großer Eingriff, den die Patienten auch im Alter gut verkraften.

Kann es sein, dass die Spinalkanalstenose nach einer Operation wieder kommt?


Normalerweise passiert das nicht. Es kann jedoch sein, dass der Wirbelkanal mit der Zeit an einer anderen Stelle enger wird. Das ist allerdings keine Folge der Operation, sondern liegt einfach daran, dass sich auch andere Bereiche der Wirbelsäule abgenutzt haben.

Hier können Sie Ihre Fragen stellen. Unser Experten-Team wird Ihnen so schnell wie möglich antworten.

Nicole Simon

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