Wegschaben, verkochen, absaugen

Operationen helfen bei Rückenschmerzen selten. Abwarten ist meist die bessere Alternative. Nur, wenn Blase oder Darm den Dienst versagen, sollten Sie sich für einen chirurgischen Eingriff entscheiden.

0 Bewertungen
operationen bei rückenschmerzen, skalpell, laser, bandscheiben-OP, Versteifung der Wirbelsäule, Kyphoplastik, Diskotomie, Spondylodese

Manch eine OP schadet mehr als sie nützt©

Chirurgen und Orthopäden greifen gern und häufig zum Skalpell. Konservative Rückenärzte dagegen warten bei Kreuzschmerzen lieber ab. Die Statistik gibt den Zögernden recht: In achtzig Prozent der Fälle verschwindet die Qual innerhalb von zwei Monaten. Es gibt allerdings Fälle, in denen eine Operation sinnvoll ist: zum Beispiel, wenn Sie vom Pferd gefallen sind und Ihre Beine nicht mehr spüren oder wenn Sie schon lange Zeit Schmerzen haben und keine andere Behandlung geholfen hat.

Eine OP ist auch ratsam, wenn Darm und Blase ihren Dienst versagen, wenn wichtige Muskeln gelähmt sind oder wenn die Schmerzen anders nicht mehr einzudämmen sind. Doch Wunder kann eine Operation nicht vollbringen. Eine Untersuchung in sechs Ländern hat gezeigt, dass es Rücken-Operierten auf Dauer nicht besser geht als denen, die herkömmlich behandelt werden. Einzig in Schweden ist das anders: Denn schwedische Ärzte greifen nur in den seltensten Fällen zum Messer – dann, wenn es wirklich nötig ist.

Eine OP darf keine Verlegenheitslösung sein

Bevor Sie sich für einen chirurgischen Eingriff entscheiden, sollten Sie sich drei Fragen stellen:

  • Ist die OP die beste Lösung?
  • Hat sie wirklich ein positives Ziel?
  • Oder ist sie am Ende nur die letzte Möglichkeit?

Ein Eingriff in Ihren Körper sollte nie nur eine Verlegenheitslösung sein. Entscheidend für einen guten Ausgang ist nämlich, dass Ihre Ärztin den Grund für genau diese Operation an genau dieser Stelle klar benennen kann und dass sie die Hinweise auf die Schmerzursache richtig einordnen kann; Fachleute sprechen von strenger Indikation und klaren Indizien. Je besser die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung und die Bilder aus der Röntgenklinik zusammen passen, umso erfolgreicher verspricht die Operation zu werden. Bei so genannten unspezifischen Rückenschmerzen, also solchen ohne erkennbare Ursache, nutzt Operieren gar nichts.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Orthopäde Ihnen die Operation zu Recht empfiehlt, können Sie sich in einem Rückenzentrum eine weitere ärztliche Meinung einholen. Den Wunsch nach einer Zweitmeinung müssen Sie im übrigen nicht rechtfertigen, Sie brauchen auch kein schlechtes Gewissen deswegen haben.

Eine Operation kann vor dem Pflegebett bewahren

Am häufigsten operieren Chirurgen Rückengeplagte wegen Bandscheiben-Vorfällen im Bereich der Lendenwirbelsäule und wegen Wirbelkanal-Verengungen. Beide Rückenleiden machen sich vor allem bemerkbar durch Taubheitsgefühle auf der Haut, durch unangenehmes Kribbeln in den Beinen oder sogar durch Lähmungen, alles begleitet von heftigen Schmerzen.

Bei einer Wirbelkanal-Verengung sollten Sie mit einer Operation nicht lange zögern. Die altersbedingte Krankheit entwickelt sich zwar sehr langsam, aber auch sehr unerfreulich: Es beginnt mit leichtem Hinken, geht über in zunehmende Schmerzen beim Gehen oder Stehen und endet häufig in Bewegungsunfähigkeit. Das wäre dann der Pflegefall.

 
 
MEHR ZUM THEMA