Das Schmerz-Gedächtnis löschen

Chronische Schmerzen haben oft auch seelische Ursachen. Psychotherapien helfen dann, das so genannte Schmerzgedächtnis zu löschen.

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Bei der Psychotherapeutin lernen Sie, wie Sie Ihre Schmerzen wieder verlernen©

Schmerzen sind nicht nur quälend, sie sind auch kompliziert. Vor allem dann, wenn sie einfach nicht verschwinden wollen. Chronische Rückenprobleme können nämlich körperliche, seelische und soziale Gründe haben - und meist kommen sogar alle drei Ursachen zusammen.

Das kann zum Beispiel bedeuten, dass der Schmerz im Kreuz mit einem kleinen Sturz oder einem leichten Bandscheibenvorfall beginnt, also einen körperlichen Auslöser hat. Dann kommt die Angst vor einer womöglich ernsten Verletzung hinzu und verstärkt die Qual - aus seelischen Gründen. Wenn man dann in seiner Angst noch durch Rücken-Horrorgeschichten der engsten Freunde bestätigt wird, spielt auch das soziale Umfeld eine unrühmliche Rolle. Summieren sich mehrere dieser Faktoren, steigt das Risiko, dass ein akuter Rückenschmerz über Wochen und Monate chronisch wird, obwohl der ursprüngliche körperliche Auslöser gar nicht mehr vorhanden ist.

Denn Schmerzforscher gehen heute davon aus, dass unser Nervensystem über ein so genanntes Schmerzgedächtnis verfügt: Entzündete oder durchtrennte Nervenfasern können dauerhaft Schmerzimpulse senden. Dadurch geraten auch benachbarte Nerven oder Fasern im Rückenmark in einen Alarmzustand. Sie werden empfindlicher für ankommende Reize, auch wenn die normalerweise gar keine Beschwerden mehr verursachen würden.

Daher lässt sich das Reißen im Rücken oft nicht allein durch Tabletten oder Spritzen lindern. Es muss umfassender und vor allem unter Berücksichtigung unserer Psyche angegangen werden. Wie bei anderen Schmerzerkrankungen kommen daher auch bei Rückenleiden oft Methoden aus der Psychotherapie zum Einsatz. Ihr Ziel: das Schmerzgedächtnis weitgehend löschen. So können Betroffene den Schmerz, den ihr Nervensystem sich gemerkt hat teilweise, vielleicht sogar komplett wieder verlernen.

Geeignet bei chronischen Schmerzen

Unter den vielen Formen der Psychotherapie unterscheidet man grundsätzlich psychodynamische Verfahren wie Psychoanalyse oder Tiefenpsychologie von der so genannten Verhaltenstherapie. Die psychodynamischen Behandlungen berücksichtigen stärker die Vergangenheit der Geplagten. Chronische Schmerzen werden zum Beispiel auf seelische Verletzungen in der Kindheit zurückgeführt.

Bei der Verhaltenstherapie, speziell der Kognitiven Verhaltenstherapie, geht es dagegen eher darum, negative Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster aufzuspüren, die den Schmerz aufrechterhalten oder sogar verschlimmern. Diese werden dann gezielt verändert: Betroffene sollen bei den Sitzungen lernen, was ihrem Rücken gut tut, und dieses neue Verhalten später ganz bewusst üben.

Um dieses Ziel zu erreichen, können Sie Einzel- oder Gruppengespräche unter Anleitung von Psychotherapeuten führen. Es gibt aber auch verschiedene Entspannungs- und Bewegungstrainings. Dabei geht es zum Beispiel darum, dass Sie sich von Ihren Schmerzen ablenken oder dass Sie Ihre Angst vor Bewegungen, die weh tun könnten, überwinden.

Wirksamkeit zum Teil durch Studien belegt

Der Nutzen der psychodynamischen Therapien bei chronischen Rückenleiden ist nicht besonders gut belegt. Besser sieht es bei den verschiedenen Methoden der Verhaltenstherapie aus: Gerade die Kognitive Verhaltenstherapie scheint in der Lage zu sein, Schmerzen zu lindern. Außerdem erhöht die Behandlung die Chance, dass Sie danach wieder arbeiten können - auch wenn Ihr Arzt Sie wegen der Schmerzen bereits krankgeschrieben hatte.

Bei den Studien werden unterschiedliche Formen der Verhaltenstherapie verglichen. Allerdings ist die Beschreibung des jeweiligen Verfahrens oft nicht sehr detailliert, daher wissen Experten immer noch nicht genau, welche Behandlung wie wirkt.

Risiken und Nebenwirkungen

Psychologische Verfahren haben keine direkten körperlichen Nebenwirkungen. Die Therapie ist aber anstrengend und oft langwierig. Es ist zwar möglich, dass Sie schon nach wenigen Sitzungen aus dem Teufelskreis von Schmerz und Angst vor dem Schmerz herausfinden. Es kann aber genauso gut sein, dass Sie länger dafür brauchen. In jedem Fall brauchen Sie Motivation und Disziplin, um das, was Sie in der Therapie gelernt haben, immer wieder im Alltag zu üben.

Das bringt es langfristig

Verhaltenstherapie in Kombination mit Entspannungs- oder Bewegungstrainings hilft langfristig offenbar gut gegen chronische Schmerzen. Und vielleicht nehmen Sie nach einem solchen Trainingsprogramm ja sogar Ihren Lieblingssport wieder auf, den Sie wegen Ihrer Rückenprobleme schon an den Nagel gehängt hatten.

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