Der Bauch stützt mit

Ein starker Rücken schmerzt nicht? Stimmt, aber nur, wenn der Bauch gut trainiert ist. Dessen Muskeln sind genau so wichtig für eine gute Haltung und reibungslose Bewegungen wie Rückenmuskeln.

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Ja, Sit-ups machen nicht immer Spaß. Aber ein Waschbrettbauch ist auch gut für den Rücken.©

Manche Menschen machen jeden Tag Hunderte von Sit-ups für das begehrte Sixpack aus stahlharten Bauchmuskeln. Tatsächlich ist uns die "Front-Muskulatur" eine gute Stütze und sorgt mit dafür, dass wir ohne Rückenbeschwerden durchs Leben schreiten können. Dieses Ziel lässt sich aber zum Glück auch mit erheblich leichteren Übungen erreichen. Denn entscheidend für Haltung und Bewegungsabläufe ist nicht etwa der hart antrainierte Waschbrettbauch, sondern ein ausgeglichenes Zusammenspiel von Rücken- und Bauchmuskulatur.

Die Rückenmuskulatur hält Sie aufrecht. Und wenn Sie Ihren Rumpf bewegen, kümmern sich vor allem die Rückenmuskeln darum, dass Bandscheiben und Gelenke reibungslos funktionieren. Es sei denn, Sie beugen sich nach vorn, dann sind besonders Ihre Bauchmuskeln gefragt, die auch eine wichtige Stützfunktion übernehmen, wenn Sie eine schwere Kiste anheben und tragen. Generell gilt: Sie bewegen sich gut, wenn Ihre Rücken- und Bauchmuskeln perfekt miteinander arbeiten.

Dieses Zusammenspiel gerät aber immer mal wieder aus den Fugen, etwa wenn Sie ständig mit krummem Rücken am Computer kauern und die Schultern nach vorne hängen lassen: Auf Dauer verkürzt sich dadurch der große Brustmuskel, gleichzeitig wird Ihre obere Rückenmuskulatur überdehnt. Es kommt zu einem Ungleichgewicht, Ärzte sprechen von muskulärer Dysbalance. In dem beschriebenen Fall führt sie zu einem sogenannten Rundrücken. Die ständig verspannte Nackenmuskulatur tut weh und verursacht oft Kopfschmerzen.

Hohlkreuz trifft Bierbauch

Gehören Sie zu den Leuten, die bei Sixpack eher an zischendes Pils denken als an straffe Muskeln? Haben Sie etwa bereits einen unübersehbaren Bierbauch entwickelt? Dann ist Ihre dortige Muskulatur vermutlich schon längst erschlafft. Und auf der anderen Seite ist wahrscheinlich bereits ein sogenanntes Hohlkreuz entstanden: Dabei zieht das Gewicht des Bauchs die Lendenwirbelsäule nach vorn, Kreuzbein und Beckenring geben nach, die gesamte Hüftpartie verschiebt sich nach hinten, die natürliche Krümmung der Lendenwirbelsäule nach vorn ist übermäßig stark ausgeprägt.

Ob Bierwampe oder nicht, schlappe Bauchmuskeln begünstigen nun mal das Hohlkreuz, im Fachjargon Hyperlordose. Auch viele Schwangere leiden unter dieser oft schmerzhaften Verlagerung des Körperschwerpunkts. Sie haben allerdings den Vorteil, dass der Babybauch von selbst wieder verschwindet, den Bierbauch hingegen müssen wir uns leider meist mühsam abtrainieren.

Hohlkreuz-Beschwerden entstehen meist durch Muskelverspannungen und Reizungen an den Sehnenansatzpunkten: Das Gewicht Ihres Bauchs zerrt an Bändern und Sehnen, die Rumpfmuskulatur versucht, die Wirbelsäule trotz der unnatürlichen Krümmung im Lendenbereich aufrecht zu halten, ist mit dieser Aufgabe überfordert und verspannt sich.

Werden Sie aktiv!

Aber warum geraten Ihre Rücken- und Bauchmuskulatur überhaupt aus der Balance? Vielleicht bewegen Sie sich zu wenig oder machen den falschen Sport. Oder Sie wiegen zu viel. Möglicherweise sitzen oder stehen Sie auch einfach falsch. Ungleichgewichte entstehen immer dann, wenn bestimmte Muskeln zu einseitig beansprucht und dadurch auf Dauer überfordert werden. Sie verhärten dann, und gleichzeitig verkümmern andere, ständig unterforderte Muskeln. Das Stützkorsett Ihrer Wirbelsäule wird so immer instabiler.

Auch bestimmte Sportarten wie Tennis und Squash belasten Muskulatur und Wirbelsäule sehr einseitig, hier empfiehlt sich ausgleichendes Training. Wenn Sie komplett untrainiert sind, sollten Sie langsam anfangen. Gestalten Sie zunächst Ihren Alltag beweglicher: Lassen Sie das Auto stehen und radeln Sie zur Arbeit. Nehmen Sie dort die Treppe statt den Fahrstuhl.

Auf Dauer stärken Sie Ihren Rücken aber nur, wenn Sie die Rücken- und Bauchmuskeln zusätzlich regelmäßig trainieren: Ärzte empfehlen mindestens dreimal die Woche 30 Minuten. Walken, Joggen, Schwimmen, Fitnesstraining – machen Sie, was Ihnen am besten gefällt. Sofern Sie über 35 sind, sollten Sie sich zur Sicherheit aber vor dem sportlichen Neustart von der Hausärztin durchchecken lassen.

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Katja Lüers
 
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