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Stern Logo Ratgeber Schlaf - Geheimnis Schlaf

Nachtarbeit im Bett

Ein Drittel unseres Lebens verschlafen wir einfach. Warum das so ist, wissen Forscher bis heute nicht. Sicher ist nur: Schlaf hält das Gedächtnis fit, repariert den Körper und erhält die Potenz.

  Schlaf ist keine Zeitverschwendung - er ist lebensnotwendig

Schlaf ist keine Zeitverschwendung - er ist lebensnotwendig

Mussten Sie schon einmal lange Zeit wach bleiben? Wahrscheinlich hatten sie nur noch einen Wunsch: schlafen. Ewig wach bleiben - das klappt einfach nicht. Denn Schlafenwollen ist ein Trieb, ähnlich wie Hunger oder Sex. Der einzige Unterschied: Der Drang zum Schlummer ist stärker als jeder andere Trieb. Ratten, die Forscher vom Schlafen abhielten, starben sogar nach einiger Zeit jämmerlich.

Schlaf ist deshalb keine Zeitverschwendung, sondern lebensnotwendig. Zu wenig Schlaf macht krank, dick und dumm - das ist wissenschaftlich belegt. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere - von der Fruchtfliege bis zum Elefanten. Doch warum Tier und Mensch schlummern müssen, wissen Forscher bis heute nicht genau. Derzeit diskutieren sie vier Erklärungen für das Geheimnis Schlaf. Es ist gut möglich, dass alle vier richtig sind und der Schlaf gleich mehrere Funktionen erfüllt:

  • Im Schlaf erholen sich Körper und Gehirn: Sie reparieren sich während dieser Zeit selbst.
  • Im Schlaf speichert das Gehirn, was es am Tag erlebt, gelernt und geübt hat. Daher formt sich das Hirn im Schlaf um oder es wachsen neue Nervenbindungen.
  • Schlaf stärkt das Immunsystem. Tagsüber sind die Abwehrkräfte im Dauereinsatz. Nachts bringt der Körper das Immunsystem wieder auf Touren.
  • Schlaf hält den Stoffwechsel im Takt. Bei zu wenig Schlaf gerät er durcheinander. Dann steigt das Risiko, übergewichtig zu werden oder an Diabetes zu erkranken.

Möglicherweise hat der Schlaf aber noch eine weitere Funktion. So vermutet der amerikanische Schlafforscher Jerome Siegel von der University of California in Los Angeles, dass der Schlaf Tiere wie Menschen daran hindere, zu gefährlichen Zeiten - nämlich nachts - unterwegs zu sein.

Schlaf repariert Hirn und Haut

Der tägliche Jungbrunnen

Schlaf ist kein Stand-By-Modus, in dem nicht viel passiert: Körper und Gehirn sind nachts sehr aktiv - allerdings ganz anders als am Tag. Denn während des Schlafs repariert sich der Körper selbst. Dafür nutzt er die Zeit, in der wir weniger Energie verbrauchen als am Tag.

Im Schlaf sinkt die Körpertemperatur um etwa ein halbes Grad Celsius. Die Muskeln werden kaum noch bewegt, zeitweise sind sie total entspannt. Deshalb arbeitet der Stoffwechsel nachts deutlich langsamer. Möglicherweise dient diese Zeit dazu, um freie Radikale unschädlich zu machen. Diese aggressiven sauerstoffhaltigen Moleküle entstehen bei normalen Stoffwechselprozessen, zum Beispiel wenn Muskeln tagsüber Energie verbrennen. Freie Radikale können Zellwände angreifen und sogar die Erbsubstanz in der Zelle schädigen. Dagegen hilft sich der Körper selbst, indem er die Schädlinge mit Eiweißen umhüllt. Das passiert vermutlich vermehrt, während wir schlafen. Versuche mit Ratten zeigen, dass Schäden an den Hirnzellen entstehen, wenn Schlaf fehlt.

Schlaf macht tatsächlich schön

Im Schlaf schüttet der Körper einige Hormone vermehrt aus, darunter auch Wachstumshormone. Sie sorgen dafür, dass sich Zellen erneuern und dass Kinder wachsen. Deshalb brauchen Babys und Kleinkinder besonders viel Schlaf. Dank der Wachstumshormone entstehen auch neue Hautzellen: Sie lassen Wunden heilen und regenerieren die Haut.

Im Knochenmark bildet sich frisches Blut. Nachts wachsen Muskeln und Gewebe, der Körper produziert neue Eiweiße. Weil sich nachts die Zellen erneuern, ist es nicht falsch, von Schönheitsschlaf zu sprechen. Denn wer zu wenig schläft, sieht schnell alt aus.

Schlummer erhält die Potenz

Schlafen Sie zu wenig, bilden sich neue Nervenzellen langsamer. Das zeigen Untersuchungen. Daraus folgern Forscher, dass Schlaf wichtig ist für unser Denkorgan. Nur so können sich bis ins hohe Alter neue Nervenzellen bilden, nur so kann ein Hirn Neues lernen und es mit altem Wissen verknüpfen.

Männern schwillt während des Schlafs der Penis an, bei Frauen füllt sich die Klitoris mit Blut. Anders als der Volksmund behauptet, hat das aber nichts mit einer vollen Blase zu tun. Warum nachts Penis und Klitoris steif werden, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Eine mögliche Erklärung: Die Schwellköper werden nachts mit besonders viel Blut und Sauerstoff versorgt, damit ihre Funktion erhalten bleibt.

Ohne Schlaf kein Gedächtnis

Lernen im Schlaf - kein Traum

Schlaf ist nicht gleich Schlaf: Wie von einem unsichtbaren Dirigenten geleitet, durchläuft der Mensch nachts verschiedene Schlafstadien. Dabei wechseln sich mehrmals verschiedene Phasen ab: der Tiefschlaf, der leichte Schlaf und der Traumschlaf. Wissenschaftler vermuten, das Gehirn bearbeite während des Tiefschlafs und des REM-Schlafs alles, was der Mensch während des Tages erlebt hat. Nur so können sich Erinnerungen für immer im Gedächtnis verankern.

Studien zeigen: Während des REM-Schlafs verbessert sich das so genannte prozedurale Gedächtnis. Dieser Erinnerungsspeicher steuert unbewusste Abläufe und Fähigkeiten wie Fahrrad fahren oder Walzer tanzen. Solche Dinge können wir unbewusst: Wir müssen uns über die Tretbewegungen, die Balance oder die Schrittfolgen keine Gedanken machen, wenn wir die Sache einmal gelernt haben.

Tanzen trainieren im Traumschlaf

Dass wir im Traumschlaf weitertrainieren, konnten Forscher nachweisen: Sie ließen Versuchspersonen auf einer Computertastatur eine Fingerübung lernen. Nach einer Nacht Schlaf beherrschten die Testpersonen die Aufgabe besser als nach einer ähnlich langen Pause am Tag. Je mehr Traumschlafanteile den Testpersonen vergönnt war, um so besser bewältigten sie die Aufgabe. Was während der Traumphase passiert, können Bilder vom Gehirn zeigen. So kann ein Positronen-Emissions-Tomograph (PET) verbildlichen, welcher Hirnteil besonders aktiv ist. Während des Traumschlafs sind dieselben Nervenzellen aktiv, die auch bei der Lernübung am Tag strapaziert wurden. Offenbar geht das Gehirn das Gelernte im REM-Schlaf noch einmal durch: Das Gelernte festigt sich, Erinnerungen entstehen.

Vokabeln brauchen Tiefschlaf

Tanzen lernen braucht also den Traumschlaf. Fremdsprachen lernen hat jedoch nichts mit dieser Schlafphase zu tun. Dafür brauchen wir den Tiefschlaf. Französische Vokabeln, das Rechnen im Dreisatz oder die Erinnerung an den ersten Kuss lagert das Hirn nicht im unbewussten, prozeduralen Gedächtnis, sondern im so genannten deklarativen Gedächtnis. Diese Inhalte sind uns bewusst. Schließlich erinnern wir uns genau, wann wir den ersten Kuss bekamen - und von wem. Dieser Teil des Gedächtnisses festigt sich besonders im Tiefschlaf.

Versuchspersonen, die zusammenhanglose Wortpaare lernen mussten, beherrschten das Gelernte besser, wenn sie ein paar Stunden Tiefschlaf anhängten. Einige Stunden REM-Schlaf dagegen nützten nichts. Besonders der Tiefschlaf zu Beginn der Nacht ist für bewusste Erinnerungen besonders wichtig.

Ältere Menschen schlafen weniger tief - und vergessen mehr

Noch ist der Zusammenhang zwischen Schlaf und Gedächtnis nicht bis ins letzte Detail geklärt. Die Wissenschaftler rätseln zum Beispiel noch, warum bestimmte Medikamente wie Antidepressiva zwar den REM-Schlaf unterdrücken, aber trotzdem das Gedächtnis nicht verschlechtern.

Sicher ist hingegen, dass Schlaf die Erinnerungen stärkt. Verschiedene Schlafphasen scheinen unterschiedliche Gedächtnis-Inhalte zu festigen: Ältere Menschen haben zum Beispiel weniger Tiefschlaf-Anteile. Gleichzeitig sind sie vergesslicher, wenn es um neue Namen oder neue, bewusst gelernte Fakten geht. Fahrrad fahren hingegen verlernen sie nicht.

Wer pauken muss, sollte lange genug schlafen

Grundsätzlich gilt: Wer lernen will, muss genug schlafen. Sechs Stunden sind absolutes Minimum. Wer mehr schläft, lernt vermutlich auch besser. Haben Sie tagsüber Klavier geübt, Fahrstunden genommen oder Skifahren trainiert? Dann sollten Sie ausreichend Nachtruhe einplanen: Für das unbewusste Gedächtnis, das solche Bewegungsabläufe speichert, sind die ersten 24 Stunden nach dem Lernen entscheidend. Stellen Sie den Wecker nicht auf eine zu frühe Stunde ein - motorische Fähigkeiten werden vor allem im REM-Schlaf gefestigt - der überwiegt erst in der zweiten Nachthälfte.

Wenn Sie Vokabeln pauken oder die Präsentation für den nächsten Tag vorbereiten wollen, dann versuchen Sie, den Stoff am Vormittag ein erstes Mal durchzugehen und ihn am Abend noch einmal zu wiederholen - allerdings nicht zu spät, sonst schlafen Sie schlecht ein. Verzichten Sie auf Alkohol, denn schon kleine Mengen stören den Tiefschlaf, besonders zu Beginn der Nacht. Aber genau diese Phase stärkt solche Gedächtnisinhalte.

Der Schlummer bringt den Geistesblitz

Mit Duft nachhelfen: Schnuppern Sie beim Lernen an einem Duft, zum Beispiel an Rosenöl oder an Ihrem Lieblingsparfum. Sprühen Sie den gleichen Duft abends ins Kopfkissen - das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich Ihr Gehirn noch einmal mit dem Gelernten beschäftigt.

Eine Nacht drüber schlafen: Wenn Sie mit einem Problem, zum Beispiel einer schwierigen Denkaufgabe, nicht weiterkommen, könnte Schlummer tatsächlich helfen. In einer Studie ließen Lübecker Wissenschaftler Versuchspersonen komplizierte Zahlenreihen berechnen - ohne ihnen zu sagen, das es dafür auch eine ganz einfache Lösung gab. Nach einer durchschlafenen Nacht hatten zwei Drittel der Probanden einen Geistesblitz und kamen auf die einfache Lösung. In der Vergleichsgruppe, die morgens und abends rechnete, fiel der Groschen dagegen nur bei einem Fünftel der Teilnehmer.

Schlaf stärkt die Körperabwehr

Schlummern ist gut fürs Herz

Sie haben sich am Wochenende die Nacht um die Ohren geschlagen, prompt kratzt am Montag der Hals. Eine Erkältung kündigt sich an. Das ist kein Zufall, denn zu wenig Schlaf nimmt das Immunsystem übel. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen.

Ein Beispiel: Forscher impften freiwillige Testpersonen gegen Hepatitis. Einige durften danach normal schlafen, andere mussten eine Nacht wach bleiben. Nach vier Wochen hatten die Schläfer deutlich mehr Abwehrstoffe gegen Hepatitis gebildet als die Testpersonen, die wach geblieben waren. Wahrscheinlich nutzt das Immunsystem die Nachtruhe, um sich gegen Krankheitserreger zu wappnen und neue Abwehrkörper zu bilden. Wer zu wenig schläft, muss sich nicht wundern, wenn sein Immunsystem keine Höchstleistung bringt. Es könnte sogar so sein, dass zu wenig Schlaf direkt schadet. Denn schon bei mildem Schlafmangel schüttet der Körper vermehrt Entzündungsbotenstoffe aus. Für Menschen, die dauerhaft schlecht oder zu wenig schlafen, ist das ein Risiko. Sie könnten zum Beispiel an einer Herz-Kreislauf-Krankheit oder an Gelenkproblemen erkranken. Beides gehen oft auf chronische Entzündungen im Körper zurück.

Schlaf macht schlank

Müde Menschen essen mehr

Der Körper braucht einen regelmäßigen Rhythmus aus Schlaf- und Wachzeiten, sonst gerät der Stoffwechsel durcheinander. Gesteuert wird er durch verschiedene Hormone und Enzyme. Alle diese Substanzen stellt der Körper selbst her, nach einem ihm eigenen Takt, genauer: nach dem Takt der inneren biologischen Uhr.

Nach dieser biologischen Uhr richtigen sich beispielsweise bestimmte Verdauungs-Enzyme. Das sind Eiweiße, die helfen, die Nahrungsbestandteile Fett, Stärke und Zucker zu spalten. Je nach biologischer Uhr finden sich viele oder nur wenige der Enzyme in Magen und Darm.

Das Gleiche gilt für die Botenstoffe, die Hunger und Sättigung regulieren. Auch sie gehorchen dem inneren Takt des Körpers. Bei Schlafmangel kommt der Organismus aus dem Rhythmus und produziert zu viel oder zu wenig Botenstoffe. Wer zu wenig schläft, bildet weniger Leptin: Das ist der Botenstoff, der den Appetit zügelt. Dafür schüttet er mehr Ghrelin aus. Diese Substanz lässt hungrig werden. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die dauerhaft weniger als sieben Stunden schlafen, mehr Gewicht auf die Waage bringen als Längerschläfer.

Sechs Stunden Schlaf müssen mindestens sein

Zu wenig Schlaf verändert auch den Zuckerstoffwechsel. Dann werden die Körperzellen unempfindlicher für das Stoffwechsel-Hormon Insulin. Auf Dauer kann Schlafmangel daher sogar zu Diabetes führen.

Als Faustregel gilt: Wer weniger schläft als sechs Stunden, lebt wahrscheinlich ungesund. Je weniger Sie schlafen, desto höher ist das Risiko, übergewichtig oder zuckerkrank zu werden. Allerdings: Wer zu viel schläft, lebt nicht automatisch gesünder. Die Statistik sagt: Auch extreme Langschläfer sterben eher als Normalschläfer.

Eva-Maria Schnurr

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