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Zappelbeine im Bett

Wenn nachts die Beine kribbeln, schmerzen oder zucken, ist an Schlaf nicht zu denken. Das ist mehr als unangenehm, das laugt aus. Doch meist reichen einfache Hausmittel, um das Problem zu beheben.

  Festhalten nützt nichts: Die Waden zucken beim Einschlafen trotzdem

Festhalten nützt nichts: Die Waden zucken beim Einschlafen trotzdem

Kurz vor dem Einschlafen geht es los: In den Waden rumort es, ein fast schmerzhaftes Gefühl des Bewegenwollens macht sich breit. Ein dumpfer Drang erfüllt die Unterschenkel, als ob sie die Muskeln auffordern wollten, etwas zu tun. Das Gefühl ist sehr unangenehm, manche beschreiben es als Kribbeln, andere eher als Zucken, einige sogar als Schmerz. Die Folge ist bei allen dieselbe: Sie sind müde, können aber nicht einschlafen. Gelegentlich wachen die Betroffenen von dem Bewegungszwang sogar wieder auf.

Dieses Phänomen nennen Ärzte Restless-legs-Syndrom, kurz RLS. Die ruhelosen Beine - so die Übersetzung - fühlen sich wieder gut an, sobald sie sich bewegen dürfen. Eine Behandlung ist nur in wenigen Fällen nötig, bei höchstens ein bis drei Prozent der Bevölkerung. Frauen leiden doppelt so häufig wie Männer unter den Zappelbeinen, ältere Menschen sind häufiger betroffen als jüngere. Doch sogar Kinder kennen die Qual.

Das Kribbeln ist Ärzten noch immer ein Rätsel

Warum die Beine abends keine Ruhe geben, ist bislang weitgehend unbekannt. Vermutlich spielt die Veranlagung eine Rolle. Manche Forscher vermuten, dass bestimmte Nervensignale vom Gehirn nicht richtig in die Beine übertragen werden. Möglicherweise ist bei den Betroffenen der Hirnstoffwechsel durcheinander geraten, der für Bewegungsmuster zuständig ist und der hauptsächlich durch den Botenstoff Dopamin reguliert wird. Denn Medikamente mit Dopamin beruhigen die Beine.

Allerdings können auch andere Gründe die Beine zappeln lassen: Dazu zählen Eisenmangel und bestimmte Medikamente. Einige Frauen kennen das Phänomen auch aus ihrer Zeit während der Schwangerschaft. Nach der Geburt verbesserten sich die Beschwerden oder verschwanden sogar wieder.

Symptome und Diagnose

Das klassische Anzeichen des Restless-Legs-Syndroms sind Beine, die sich anfühlen, als ob sie zappeln wollten. Die komischen Gefühle in den Beinen beginnen oder verschlechtern sich, wenn Sie sitzen oder liegen. Die Beschwerden treten vor allem abends und nachts auf und stören Ihren Schlaf. Sie haben das Bedürfnis, sich zu bewegen, um das unangenehme Gefühl in den Beinen los zu werden. Ihre Beschwerden verbessern sich oder verschwinden, sobald Sie sich bewegen. Nur wenn diese vier Symptome auftreten, leiden Sie unter dem Restless-legs-Syndrom.

Termin beim Neurologen

Das Restless-legs-Syndrom ist ein Nervenproblem, deshalb ist der richtige Ansprechpartner ein Neurologe. Ins Schlaflabor müssen Sie für die Diagnose nicht.

Die Nervenärztin wird Sie bitten, Ihre Beschwerden zu beschreiben. Stellt sie fest, dass Sie alle vier typischen Symptome haben, wird sie die Diagnose Restless-legs-Syndrom stellen. Zuvor sollte sie jedoch andere Ursachen ausschließen: Eisenmangel, Diabetes oder schwere Nierenkrankheiten können die Beine ebenso zum Zappeln bringen.

Zudem können bestimmte Medikamente etwas auslösen, das dem Restless-legs-Syndroms sehr ähnelt. Dazu gehören zum Beispiel Mittel gegen Depressionen und Psychosen - so genannte Neuroleptika -, Medikamente gegen die Parkinson-Krankheit, Mittel, die helfen sollen, das Rauchen aufzugeben, oder Medikamente gegen Übelkeit.

Therapie und Forschung

Versuchen Sie es erst mal mit einfachen Mitteln: Oft reicht es schon, wenn Sie auf Kaffee und Alkohol verzichten. Vielleicht hilft Ihnen ein kaltes Fußbad vor dem Zubettgehen oder ein Spaziergang am Abend. Auch Dehnübungen können die Beine beruhigen. Magnesium-Tabletten verringern das unangenehme Gefühl.

Sind Ihre Beine sehr unruhig, kann Ihnen der Arzt Medikamente verschreiben. Sie heilen aber nicht, sondern dämpfen die Symptome nur. Solche Mittel enthalten meist Substanzen, die dem körpereigenen Botenstoff Dopamin ähneln. Sie werden auch gegen die Parkinson-Krankheit eingesetzt, einer auch als Schüttellähmung bekannten Erkrankung des Nervensystems.

Schweres Chemie-Geschütz: Opiate und Epilepsie-Mittel

Inzwischen sind drei Medikamente ausdrücklich für die Behandlung des Restless-legs-Syndroms zugelassen. Diese Mittel haben aber zahlreiche ernste Nebenwirkungen. Beispielsweise leidet jeder Dritte bis Fünfte unter Übelkeit. Außerdem können die Substanzen die Symptome sogar verschlimmern.

Helfen Ihnen diese Medikamente nicht oder können Sie sie nicht vertragen, kann Ihnen die Neurologin auch Opium-ähnliche Substanzen oder Epilepsie-Mittel verschreiben. Diese Chemiekeulen haben starke Nebenwirkungen. Deshalb sollte so schweres Geschütz nur aufgefahren werden, wenn Sie sehr stark leiden und alle andere Methoden versagt haben.

Gene für Zappelbeine entdeck

Unruhige Beine können vererbt werden: Menschen mit bestimmten genetischen Veränderungen haben ein erhöhtes Risiko, am Restless-legs-Syndrom zu leiden. Forscher konnten kürzlich einige Gene identifizieren, die wahrscheinlich eine Rolle beim Restless-legs-Syndrom spielen.

Eines dieser Gene legt fest, wieviel Dopamin der Körper herstellt. Dieser Botenstoff bestimmt, ob wir uns gut und flüssig bewegen können. So mangelt es zum Beispiel Parkinson-Kranken an diesem Neurotransmitter. Offenbar leiden auch Menschen mit dem Restless-legs-Syndrom unter einem Mangel an Dopamin. Die konkreten Entstehungsmechanismen der Störung sind allerdings noch immer unbekannt.

Eva-Maria Schnurr

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