Startseite

Das bewirkt Alkohol im Körper des Embryos

Wer in der Schwangerschaft trinkt, schadet nicht nur sich selbst: Jedes Jahr kommen tausende Babys mit alkoholbedingten Geburtsfehlern auf die Welt. Was bewirkt die Droge im Körper des Embryos?

Von Lydia Klöckner

  Ein Glas Wein ist in der Schwangerschaft schon zu viel.

Ein Glas Wein ist in der Schwangerschaft schon zu viel.

Ein "Gläschen" Sekt für die gute Stimmung, das "gesunde Viertel" Rotwein zum Entspannen und ein "kleiner Absacker" für die Verdauung: Hin und wieder ein "Schlückchen" kann doch wohl nicht schaden, oder? Alkoholgenuss wird gerne verharmlost. Laut dem Drogenbericht tendieren gerade wir Deutschen dazu, die vermeintlich "weiche" Droge zu unterschätzen: Beinahe 10 Millionen Deutsche konsumieren laut Drogenbericht deutlich mehr Alkohol als ihnen guttut.

Einige von ihnen setzen dabei nicht nur ihre eigene Gesundheit aufs Spiel: Jedes Jahr trinken mehr als 10.000 Frauen in der Schwangerschaft so viel, dass ihre Kinder mit sogenannten Fetalen Alkoholeffekten (FAE) auf die Welt kommen - also mit dauerhaften körperlichen und geistigen Schäden, die auf Alkohol zurückzuführen sind. Sind die Defizite besonders stark ausgeprägt, spricht man vom Fetalen Alkoholsyndrom (FAS), unter dem jährlich rund 2000 Neugeborene leiden.

Erkennen kann man FAS häufig schon an der Erscheinung der Babies: Im Vergleich zu Gleichaltrigen sind sie oft sehr klein und zierlich. Einigen fehlt die Rinne zwischen Nase und Oberlippe, viele haben eine ungewöhnlich schmale Oberlippe. Schlimmer als die äußeren Anzeichen sind aber die gesundheitlichen Beeinträchtigungen: FAS-Kinder leiden oft unter Herzfehlern, Organschäden und Sprechstörungen. Viele haben Probleme mit der Sprache, können sich Dinge schlechter merken und ihre Gefühle schlechter kontrollieren.

Schon geringe Mengen sind riskant

"Selbst der Konsum geringer Mengen Alkohol kann das Gehirn und die Organe des ungeborenen Kindes schädigen", warnt Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Sie nahm den heutigen Tag des alkoholgeschädigten Kindes zum Anlass, auf das Problem aufmerksam zu machen und werdende Mütter zum "konsequenten Alkoholverzicht" aufzurufen. "Viele Frauen unterschätzen die schädliche Wirkung von Alkohol auf das Ungeborene. Nach wie vor trinken etwa 14 Prozent der Schwangeren zumindest gelegentlich Alkohol", kritisiert Pott.

Doch warum ist Alkohol für Ungeborene so gefährlich? Und wie kommt es, dass ihnen bereits Mengen schaden, von denen ein Erwachsener noch nicht einmal angeheitert wäre?

Eine Erklärung ist, dass die Leber des Ungeborenen noch unvollständig entwickelt ist und Alkohol bei weitem nicht so gut abbauen kann wie die seiner Mutter. Dadurch bleibt der Alkohol länger im Körper und hat somit mehr Zeit, Schaden anzurichten. Anders als Erwachsene sind Föten dem Gift also schutzlos ausgeliefert. Wo auch immer es im Körper hingelangt, tötet es Zellen ab. Je nachdem, welche Zellen sterben, kann die weitere Entwicklung darunter leiden.

"Besonders verheerend ist Alkohol für die Entwicklung der Gehirnzellen", erklärt die Kinder- und Jugendärztin Mirjam Landgraf von der Universität München. "Sie werden unter Umständen daran gehindert, sich zu vermehren, an die richtige Stelle zu wandern und Verknüpfungen miteinander auszubilden."

Auch Muskel- und Knochen sind in Gefahr, wenn die Mutter trinkt. Deshalb sind Kinder mit FAS meist recht klein und schmächtig. "Resistenter" seien hingegen die inneren Organe des Embryos. "Doch vor allem bei starken Konsum können auch Herz, Niere und Leber beeinträchtigt werden", sagt Landgraf. Auch sie rät Müttern deshalb, überhaupt keinen Alkohol zu trinken. "Leider gibt es immer noch Gynäkologen, die sagen 'hin und wieder ein Glas Rotwein' sei in Ordnung", kritisiert sie. "Das ist gefährlich."

Im Idealfall verzichten Väter auch

Im besten Fall bleiben beide Elternteile abstinent. Wenn der Vater trinkt, hat das zwar keine biologischen Auswirkungen auf das Kind. Indem er ebenfalls verzichtet, kann er der werdenden Mutter aber als psychische Stütze dienen. Die BZgA empfiehlt Eltern ohnehin, sich schon vor der Geburt zu überlegen, welche Botschaft sie ihren Kindern zum Thema Alkohol übermitteln wollten. Denn schließlich entscheidet der Umgang mit Alkohol im Elternhaus letztlich auch darüber, welches Verhältnis das Kind später zu der Droge entwickelt.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools