Mit steigenden Fallzahlen lassen sich auch in Deutschland immer mehr Menschen gegen die Schweinegrippe impfen. Trotzdem sind die Unsicherheiten noch groß - das zeigen die vielen Fragen, die uns zu dem Thema erreicht haben. Hier präsentieren wir Ihnen eine erste Auswahl. Nutzen und mögliche Risiken der Impfung sollten Sie auf jeden Fall noch einmal mit Ihrem Arzt besprechen.
Ich hatte bereits die Schweinegrippe. Bin ich nun immun? (Franzi S. aus Koblenz)
Wer die Schweinegrippe hatte, ist gegen das Virus immun. "Das ist ähnlich wie bei den Masern", sagt stern.de-Grippe-Experte Reinhard Berner. Der Körper hat auf das Virus reagiert und Antikörper gebildet. Allerdings sollte man sich wirklich sicher sein, dass man die Schweinegrippe hatte, d.h. die H1N1-Viren müssen nachgewiesen worden sein.
Bringt die Impfung gegen die saisonale Grippe noch etwas, wo zurzeit nur die Schweinegrippe auftritt? (Michael aus Herford)
Werden jetzt Influenza-Viren nachgewiesen, so sind dies ausschließlich H1N1-Viren. Jeder Grippekranke hat demnach die Schweinegrippe, wie das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte. Dass momentan vor allem H1N1-Viren gefunden werden, ist nicht überraschend. Die saisonale Grippe kommt später. In den vergangenen Jahren gab es die meisten Erkrankten zwischen Januar und März. Wie sich die saisonale Grippe in diesem Jahr entwickelt, ist nicht vorherzusagen. Wem die Impfung gegen die saisonale Grippe empfohlen wird, der sollte sie also auch dieses Jahr wahrnehmen. Das RKI nennt als Zielgruppen: Menschen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens, medizinisches Personal sowie alle über 60-Jährigen.
Ich bin total verunsichert: Ich bin in der 23. Woche schwanger - ist die Impfung nötig? (Berisha)
Leider können wir Ihnen keinen eindeutigen Rat geben - denn schon die Aussagen der Ständigen Impfkommission (Stiko) sind für Schwangere widersprüchlich. Die Stiko empfiehlt, dass sich Schwangere impfen lassen, denn das Risiko von Komplikationen im Fall einer Grippeerkrankung ist bei ihnen höher. Auf der anderen Seite schreibt die Stiko aber klar, dass Schwangere mit einem Spaltimpfstoff ohne Wirkverstärker geimpft werden sollten, der in Deutschland bisher nicht am Markt ist. Der Impfstoff Pandemrix, der Wirkverstärker enthält, wurde nicht an Schwangeren getestet. Nach Information von Reinhard Berner vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Freiburg wird eventuell bis Ende November ein Extra-Impfstoff, der die Kritierien erfüllt, auch in Deutschland verfügbar sein.
Sie sollten mit ihrem Arzt genau abwägen, ob Sie sich impfen lassen oder lieber nicht - oder abwarten, bis bis ein besserer Impfstoff bereit steht. Denn es gibt natürlich immer persönliche Faktoren, die für oder gegen die Impfung sprechen. Ein Punkt ist etwa ihr eigenes Infektionsrisiko, das zum Beispiel höher sein kann, wenn sie in einer Kita arbeiten. Sinnvoll ist sicher, dass sich Ihr Partner impfen lässt - so verhindert er, dass er krank wird und sie ansteckt.
Warum bekommt die Bundesregierung einen anderen nicht-adjuvantierten Impfstoff? (Susi F. aus Bad Salzungen)
Tatsächlich bekommen Teile der Bundesregierung und die Bundeswehr einen anderen Impfstoff als die Bevölkerung, die mit "Pandemrix" von Glaxo-Smith-Kline geimpft wird. Dagegen werden Mitglieder der Bundesregierung, der Ministerien, Behörden und der Bundeswehr mit dem Impfstoff "Celvapan" des Herstellers Baxter immunisiert. Die Vorwürfe einer Zweiklassenmedizin hat die Bundesregierung allerdings zurückgewiesen. Der zweite Impfstoff sei nicht bestellt worden, da er weniger Nebenwirkungen hervorrufe, sondern wegen eines schon vor Aufkommen der Schweinegrippe geschlossenen Vertrags. Die Diskussion um eine Zweiklassengesellschaft hinsichtlich der Impfung ist auch tatsächlich unbegründet. Der Impfstoff "Celvapan" enthält zwar keine Wirkverstärker, ist aber in klinischen Studien nur unzureichend untersucht. Zudem handelt es sich dabei um einen Ganzvirus- und nicht um einen Spalt-Impfstoff. Er enthält also nicht nur Virus-Bruchstücke, sondern ganze, abgetötete Viren. Ganzvirus-Impfstoffe gelten als weniger verträglich.
Wie viel Zeit muss zwischen der normalen Grippeimpfung und der Impfung gegen Schweinegrippe liegen? (Bettina aus Bissendorf)
Die Impfungen sollten in einem Abstand von zwei bis drei Wochen erfolgen, da sonst das Immunsystem bei der zweiten Impfung möglicherweise schlechter anspricht. Im Prinzip wäre es am besten, jetzt schon gegen die jährliche Influenza geimpft zu sein. Wer dies nicht ist, sollte sich jetzt allerdings erst einmal gegen H1N1 immunisieren lassen, da die saisonale Grippe ihren Höhepunkt erst im Januar bis März hat. Prinzipiell ist es aber auch möglich, beide Impfungen - die gegen H1N1 und gegen die saisonale Grippe - gleichzeitig zu bekommen, wie stern.de-Grippe-Experte Reinhard Berner sagt.
Gibt es die Möglichkeit sich mit dem Impfstoff Celvapan impfen zu lassen? (Mechthild S. aus Quickborn)
Nein. Der Impfstoff Celvapan ist bis jetzt für Mitglieder der Bundesregierung, der Ministerien, Behörden und der Bundeswehr vorgesehen. Allerdings ist dieser Impfstoff auch keineswegs besser. Er ist zwar frei von Wirkverstärkern, ist aber ein Ganzvirus- und kein Spalt-Impfstoff. Er enthält also nicht nur Virus-Bruchstücke, sondern ganze, abgetötete Viren. Ganzvirus-Impfstoffe gelten als weniger verträglich. "Wie es momentan aussieht, sollte allerdings Ende November ein Impfstoff ohne Wirkverstärker auch in Deutschland vor allem für Schwangere und Kinder erhältlich sein", sagt Reinhard Berner vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Freiburg. Wahrscheinlich werde dieser Impfstoff aus Australien importiert.
Kann ich mich mit meiner Eiweißallergie trotzdem impfen lassen? (ein Leser aus Berlin)
Der Impfstoff Pandemrix ist auf Hühnereiern gezüchtet. Für Menschen mit Eiweißallergie ist er daher nicht geeignet, da das Risiko besteht, eine Schockreaktion (anaphylaktischer Schock) zu erleiden. Dabei kann es zu einem Kreislaufzusammenbruch kommen, der sofort von einem Arzt behandelt werden muss. Im Einzelfall rät Reinhard Berner vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Freiburg dazu, Risiko und Nutzen der Impfung unbedingt mit einem Arzt zu besprechen.