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Orgasmus - der Sekundenrausch

Mal ist er der Gipfel der Ekstase, mal ein unspektakuläres Zucken im Becken, mal kommt er gar nicht: Entspannen Sie sich lieber und genießen Sie den Sex auch ohne Höhepunkt. Dann klappt's vielleicht.

  Wie das ekstatische Gefühl genau entsteht, ist noch weitgehend unerforscht

Wie das ekstatische Gefühl genau entsteht, ist noch weitgehend unerforscht

Können Sie einen Orgasmus beschreiben? Die meisten spüren, dass die Muskeln im unteren Becken rhythmisch zucken. Viele erleben dabei ein ekstatisches Glücksgefühl, das über das Rückenmark aufsteigt und sich im ganzen Körper ausbreitet. Andere berichten von einem pulsierenden Beben, das in Wellen kommt. Der Orgasmus kann intensiv und flach sein, Liebende erleben ihn anders als Selbstversorger, Männer öfter beim Geschlechtsverkehr als Frauen. Beschreiben können ihn die wenigsten.

Was da biologisch passiert, haben die Sexualforscher William Masters und Virginia Johnson einst als Phasen beobachtet: Erregung, anhaltende starke Erregung, Orgasmus, Entspannung. Klingt einfach, ist aber störungsanfällig und verläuft mitunter auch anders - besonders bei Frauen. Sicher ist, dass sich bei Erregung die Blutgefäße weiten und vermehrt Blut in die Schwellkörper strömt. Der Penis wird steif, die Brustwarzen stellen sich auf, die Scheide wird feucht und die Klitoris schwillt an. Das alles kann blitzschnell gehen.

Wird die Erregung durch nichts gestört, fangen wir an, schneller zu atmen. Bei Männern schwellen jetzt auch die Hoden, bei Frauen füllt sich das untere Drittel der Vaginawand mit noch mehr Blut und bildet die sogenannte orgastische Manschette. Die Muskeln im Becken spannen sich bei beiden immer stärker an, die Nerven melden die Erregung ans Gehirn. Es nähert sich der Moment, in dem es kein Zurück mehr gibt.

Die Muskeln der Liebe

Beim Höhepunkt signalisiert das Gehirn dann über die Nerven: alles entspannen. Das passiert ganz plötzlich. Beim Mann zucken die Muskeln des Penis, der Samenblase, des Samenleiters, der Prostata, der Harnröhre, außerdem der Analschließmuskel. Dabei wird Samenflüssigkeit herausgeschleudert. Bei Frauen ziehen sich fast zeitgleich die Muskeln in der unteren Vagina und die Gebärmutter rhythmisch zusammen, und der Schließmuskel zuckt.

Bei Männern wie Frauen wiederholen sich diese Zuckungen oder Kontraktionen im Abstand von weniger als einer Sekunde. Vor allem Frauen erleben den Gipfel der Lust sehr unterschiedlich: Ein eher schwacher Höhepunkt ist schon nach drei bis fünf Zuckungen vorbei. Manche Frauen nehmen ihn gar nicht als Orgasmus wahr. Beim ekstatischen Orgasmus ist die Sache klar: Die Muskeln ziehen sich bis zu 15 Mal zusammen, der gesamte Körper bebt, Arme, Beine, Nacken - die Entspannungswellen durchfluten jeden Muskel. Und das Schönste ist: Eine Frau kann gleich den nächsten Höhepunkt erleben und noch einen und noch einen. Männer dagegen müssen erst mal eine Pause einlegen. Das gute Stück spielt nun für eine Weile nicht mehr mit.

Dass wir ein paar Muskelkontraktionen als höchste Lust erleben - dafür sorgt unser Gehirn. Es sendet und empfängt beim Sex pausenlos Signale. Wie das ekstatische Gefühl genau entsteht, ist noch weitgehend unerforscht. Ebenso, warum das Bewusstsein abschaltet und wir das Gespür für Raum und Zeit verlieren. Experimente haben aber gezeigt, dass die Musik offenbar in der rechten Gehirnhälfte spielt.

Während des Orgasmus werden dort die sogenannten Alphawellen, die normalerweise tätig werden, wenn wir wach sind, von Thetawellen abgelöst. Die sind eigentlich für den Übergang vom Wachen zum Schlafen zuständig, können aber auch besondere Entzückung signalisieren. Andere Experimente ergaben, dass während des Orgasmus der präfrontale Cortex, das ist jener Teil unserer Großhirnrinde, der Sinneseindrücke bewertet und weiterleitet, weitgehend ausgeschaltet ist. Wir nehmen also die Außenwelt kaum noch wahr.

Klitoral oder vaginal?

Es war schon ein schäbiger Einfall von Sigmund Freud, Frauen einen klitoralen und einen vaginalen Orgasmus anzudichten: Der selbstgemachte, klitorale Orgasmus sei unreif, befand der Vater der Psychoanalyse, und erst wenn ein Penis in die Vagina eindringt, sei ein reifer Höhepunkt möglich. Diese Behauptung hat jahrzehntelang die weibliche Hälfte der Menschheit verunsichert. Viele fürchteten, sie seien keine richtige Frau, womöglich sogar frigide, wenn sie keinen vaginalen Orgasmus erleben.

Damit haben die Sexualforscher zum Glück schon Ende der Sechzigerjahre aufgeräumt. Die körperlichen und nervlichen Reaktionen sind nämlich immer dieselben - egal, ob Frauen nun klitoral oder vaginal den Gipfel stürmen. Der Weg zum Ziel ist damit vor allem eine Frage der persönlichen Vorliebe. Manche Frauen erleben nur dann einen ungestörten Höhepunkt, wenn sie sich selbst befriedigen. Andere kommen nur, wenn beim Sex die Klitoris direkt gerieben wird, von wem auch immer. Wieder andere finden Erfüllung nur mit einer ausgefüllten Vagina, also durch Penetration. Und dann gibt es wenige Frauen, denen mitunter schon eine Fantasie reicht, um auf Touren zu kommen: Ihr Körper erregt sich allein durch Bilder im Kopf so stark, dass er einen Orgasmus auslöst.

Die Klitoris spielt immer mit

Seit Ende der Neunzigerjahre ist klar: Die Klitoris, auch Kitzler genannte, ist keineswegs nur eine Lust spendende Perle. Ihre Schwellkörper reichen bis zu zehn Zentimeter in den Körper, ihre hochempfindlichen Nervenenden ebenfalls. Damit hat sich der vorgebliche anatomische Unterschied zwischen klitoralem und vaginalem Orgasmus erledigt: Die Klitoris ist immer im Spiel.

Die meisten Frauen unterscheiden trotzdem zwischen beiden Varianten des Höhepunkts. Klitoral ist er, wenn Finger oder Zunge den Kitzler bis zum Orgasmus reizen. Vaginal ist er, wenn die Bewegungen des Glieds den entscheidenden Moment auslösen. Den klitoralen Gipfel empfinden viele Frauen als intensiver. Das heißt aber nicht unbedingt, dass sie ihn mehr genießen. Sexuell zufriedener sind sie in angeregter Zweisamkeit, also wenn sie beim Geschlechtsverkehr zum Höhepunkt kommen - mit und ohne Streicheln der Lust-Perle.

Selbstbefriedigung

Männer haben es einfach. Sie müssen nicht viel über ihren Körper wissen, um ihr Geschlechtsteil zu erkennen. Und wie man am besten selbst Hand anlegt, haben sie schon als Jungs schnell raus: Ihren ersten Orgasmus haben die Pubertierenden fast immer mit sich allein. Und ist das Vergnügen erst mal entdeckt, dann geht es munter weiter. Fast alle tun es. Zur Stimulation probieren sie aus, was es so gibt: Bilder im Kopf, Fotos von nackten Frauen, Pornoheftchen, Pornofilme, gern auch im Internet.

Bei Mädchen ist das etwas anders. Vielleicht haben sie schon früh entdeckt, wo es sich gut anfühlt. Aber noch immer lernen sie aus Biologiebüchern, dass es da ein kleines Zipfelchen gibt, das den ulkigen Namen Kitzler trägt. Das soll die Lust machen. Dass sich die Schwellkörper der Klitoris weit in die Vagina ausdehnen, dass auch die Harnröhrenschwellkörper an der Erregung beteiligt sind oder wo der G-Punkt ist - das wissen sie erst mal nicht. Auch nicht, welche Signale ihr Körper bei Erregung sendet. Das ist fatal. Denn wer nicht weiß, dass sich zum Beispiel die Schwellkörper mit Blut füllen, nimmt es auch kaum wahr. Jungs brauchen nur hinzugucken.

Der leichte Weg zum Gipfel

Kein Wunder, dass sich viele Frauen erst später im Leben selbst befriedigen. Zwar haben sich, so ergab eine Studie, etwa die Hälfte aller 15-Jährigen schon eigenhändig einen Orgasmus beschert. Andere Befragungen zeichnen da aber ein pessimistischeres Bild. Egal, wann sie beginnt: Die Selbsterkundung tut gut. Frauen entdecken ihren Körper, werden sexuell selbstbewusster und empfindsamer für die Feinheiten der Stimulation.

Masturbation oder Selbstbefriedigung ist deshalb so lustvoll, weil niemand dabei stört: Kein Stress, gemeinsam kommen zu müssen, keine Angst, das Falsche zu tun. Und die Fantasie darf tun und lassen, was sie will. Die meisten Frauen haben denn auch beim Solosex nur selten Orgasmusprobleme. Selbstbefriedigung ist der leichteste Weg zum Gipfel.

Früher klebte an der Masturbation vielfach der Makel der Ersatzbefriedigung, ja sogar der Sünde. Das ist, zumindest in westlichen, religiös liberalen Gesellschaften, zum Glück vorbei. Die meisten Männer und Frauen erleben das lustvolle Solo als eigenständige Spielart der Sexualität - oft mit sehr intensiven Orgasmen. Das genießen sie. Selbstbefriedigung kann auch den Sex zu zweit beflügeln: Wer seine sexuellen Wünsche kennt und äußert, kommt öfter.

Orgasmusprobleme

Wenn Sie ständig prüfen, wie erregt Sie sind, und lauern, ob der Orgasmus bald kommt, dann bleibt er vermutlich weg. Selbstbeobachtung und Leistungsdruck sind die Hauptfeinde des Höhepunkts. Vor allem heterosexuelle Männer finden es zwar oft nützlich, ihre Erregung zu kontrollieren, um den Genuss zu verlängern und der Liebsten mehr Zeit zu lassen. Doch wenn sie es sich zur Pflichtübung machen, die Frau mit allen Mitteln der Liebeskunst zum Höhepunkt zu bringen, kann das schnell in Leistungssport ausarten - und gründlich schief gehen. Die spürbare Anspannung bewirkt genau das Gegenteil dessen, was beabsichtig war. Sie kann im entscheidenden Moment nicht loslassen und fühlt sich mies, er fühlt sich als Versager und handelt sich womöglich Erektionsprobleme ein.

Fast jede Frau hat schon einmal einen Orgasmus vorgetäuscht. Regelmäßig ziehen aber nur wenige diesen Trick durch. Meist tun sie es ihrem Gegenüber zuliebe. Damit die liebste Person sich bestätigt fühlt, schneller kommt oder einfach nur deshalb, weil sie meinen, eine entsprechende "Show" schuldig zu sein. Das Theater kann böse Folgen haben, einige Frauen trauen sich später überhaupt nicht mehr, mit der Wahrheit herauszurücken.

Orgasmus ist kein Muss

Machen Sie sich klar: Ein Orgasmus ist kein Muss. Ein gleichzeitiger erst recht nicht. Sie können ihre Intimität auch ohne Höhepunkt genießen. Es hilft Paaren, wenn sie einfach auf den Gipfel pfeifen. Dann lenken sie ihren Blick endlich weg von diesem vermeintlichen Dauerproblem, hin zu entspannter körperlichen Nähe, zur Zärtlichkeit, zum Spaß am Liebesspiel. Und siehe da: Oft klappt es dann ganz unverhofft.

Bei Orgasmusproblemen funkt nämlich meist die Psyche dazwischen. Frauen wie Männer gehen oft viel zu gestresst an die angeblich schönste Sache der Welt heran. Hinter den Schwierigkeiten kann aber auch die Angst stecken, sich einem anderen Menschen hinzugeben und dabei die Kontrolle zu verlieren. Wenn der nicht erreichte Höhepunkt immer wieder ein Thema für Sie ist und wenn Sie oder Ihre Beziehung darunter leiden, dann kann eine Sexualberatung oder Sexualtherapie helfen.

Eher selten bleibt der Orgasmus aus rein körperlicher Ursache aus. Das passiert vor allem, wenn die Nerven geschädigt sind. Das Signal für Erregung kommt nicht im Gehirn an, und das Gehirn kann nicht den Startschuss für den Orgasmus geben.

Wenn Frauen sehr schnell kommen, ist das meist kein Problem, sie können den Gipfel ja mehrfach erreichen. Schwierig wird es, wenn Männer oft unfreiwillig zu früh fertig sind. Zögern Sie nicht, bei regelmäßigem vorzeitigen Orgasmus fachkundige Hilfe zu suchen.

Gerlinde Geffers

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