Manchmal bleibt die Lust auf der Strecke

Sie haben zwar Lust auf Sex, aber Ihr Körper will nicht so richtig? Oder die Erregung steigt, aber der Orgasmus bleibt aus? Nur nicht verzweifeln. Das lässt sich ändern - wenn auch nicht erzwingen.

Sexualtherapie

Stehen psychische Faktoren im Vordergrund, wird der Arzt Ihnen empfehlen, eine Therapie zu machen, am besten zusammen mit Ihrem Partner. Voraussetzung ist, dass beide daran interessiert und bereit sind, die Beziehung fortzuführen.

Grundsätzlich haben Sexualtherapien das Ziel, das Sexleben eines Paares in neue Bahnen zu lenken und neu zu gestalten. In einem sogenannten Sensualitätstraining geht es zunächst darum, Ängste abzubauen und den Teufelskreis zu unterbrechen. Beide verzichten in der ersten Zeit darauf, miteinander zu schlafen. Stattdessen versuchen Sie, sich in kleinen Schritten sexuell wieder anzunähern, anfangs nur durch Streicheln. Später steigert sich das, indem Sie sich gegenseitig stimulieren, wobei anfangs einer von beiden passiv ist und der andere die Hand des Partners führt. Wenn Sie beide bereit sind, dürfen Sie schließlich wieder miteinander schlafen.

Diese Erfahrungen sollen Ihnen helfen, neu auf sexuelle Reize zu reagieren und Empfindungen zuzulassen, die Sie vorher vielleicht abgewehrt haben. Angst vor Sex oder Erregung, Scham- oder mögliche Minderwertigkeitsgefühle werden ebenfalls bearbeitet. Viele Frauen mit Erregungsstörungen waren bislang eher um die Bedürfnisse des Mannes bemüht als um die eigenen. Daher lernen sie in einer Therapie, sich auf sich selbst zu konzentrieren, Wünsche zu entwickeln, zu äußern und Grenzen zu setzen. Es geht darum, mehr Kontrolle über das Geschehen zu erlangen, sich weniger ausgeliefert zu fühlen.

Weniger Kontrolle, mehr Genuss

Stehen Orgasmusprobleme im Vordergrund, ist es eher umgekehrt. Hier würden Sie daran arbeiten, die Angst vor Kontrollverlust und die fast zwanghafte Selbstbeobachtung abzulegen. Stattdessen üben Sie sich in Hingabe, das heißt, Sie widmen sich Ihrem eigenen Körper und Ihrem Empfinden, etwa mit Masturbationsübungen, und arbeiten daran, negative Gedankenmuster zu verändern. Vielen Frauen helfen diese Erfahrungen und sie spüren eine deutliche Verbesserung. Das heißt, es fällt ihnen leichter, Erregung zuzulassen, und einige können endlich regelmäßig zum Höhepunkt kommen.

Manchmal ist es auch nötig, in einer Paartherapie grundsätzliche Konflikte zu lösen, bevor eine Sexualtherapie beginnen kann. Und wenn Sie persönliche Ängste, Konflikte oder Traumata zu verarbeiten haben, sollten Sie sich zunächst darum kümmern. Von einer Beratung oder Therapie profitieren die meisten Paare - aber eben nicht alle. Manche entscheiden danach auch, dass es besser ist, sich zu trennen.

Schlechte Durchblutung und verletzte Nerven

Einige Krankheiten kommen in Frage, unter anderem Diabetes, Multiple Sklerose oder Arteriosklerose, weil dabei die weiblichen Schwellkörper schlechter durchblutet werden. Daneben kommt es vor, dass bei einer Operation oder Geburt Nerven im Genitalbereich verletzt oder gequetscht wurden, so dass die Vulva weniger sensibel geworden ist. Selbst ausgiebiges Radfahren beziehungsweise das lange Sitzen auf dem normalen Sattel kann Nerven- und Blutgefäßstränge, die zur Klitoris führen, quetschen.

Auch wenn Sie bestimmte Medikamente einnehmen, kann sich das auf Ihre Erregung und Ihren Orgasmus auswirken, insbesondere Antidepressiva und Beruhigungsmittel sowie blutdrucksenkende Mittel, so genannte Beta-Blocker. In diesem Zusammenhang wird der Arzt auch an Depression denken: Sie beeinträchtigt zwar in erster Linie die Libido, kann aber auch dafür sorgen, dass Sie schwerer erregt werden. Oft empfinden depressive Frauen beim Sex auch weniger als gesunde Frauen.

Ist das Gewebe schlecht durchblutet, kann das bei manchen Frauen eine Folge des Östrogenspiegels sein, der in den Wechseljahren sinkt. In dieser Zeit verändert sich auch der Körper der Frau: Die Scheide wird kleiner und trockener, das Gewebe schrumpft und ist weniger elastisch.

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