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Was tun, wenn die Lust fehlt?

Unter Libidoverlust leiden Männer wie Frauen. Welche Ursachen kann die Lustlosigkeit haben? Und was hilft gegen die Flaute im Bett - von Pillen einmal abgesehen?

  Lustlosigkeit kann ebenso körperliche wie psychische Ursachen haben

Lustlosigkeit kann ebenso körperliche wie psychische Ursachen haben

Dass Menschen Lust auf Liebe haben, wird erst mal vorausgesetzt. Fast die gesamte Unterhaltungsindustrie fußt auf dem Reiz intimer Zweisamkeit, egal, ob in Romanen, Kinofilmen oder Pop-Songs. Sex scheint eindeutig das Ziel aller Wünsche, das Höchste der Gefühle, die schönste Sache der Welt. Gleichzeitig vermelden Sexualwissenschaftler und Paartherapeuten, dass eine stetig wachsende Zahl von Frauen und neuerdings auch Männern einfach keine Lust haben.

Bei Frauen, die wegen erotischer Probleme fachkundigen Rat suchen, steht die sexuelle Appetenzstörung oder auch Libidostörung, wie Lustlosigkeit im Fachjargon heißt, inzwischen an erster Stelle. Bei Männern, die den Weg zum Therapeuten finden, zählt sexuelles Desinteresse mittlerweile ebenfalls zu den häufigsten Beschwerden.

Das Ende der Frigidität

Falls Sie den vertrauten Begriff Frigidität vermissen sollten - den können Sie tatsächlich vergessen. Er ist verstaubt und sexistisch. Das Wort stammt aus der schlechten alten Zeit, als die Sexualität der - wie es hieß - "anständigen" Frau ins heimische Ehebett verbannt und gesellschaftlich streng reglementiert wurde. Kein Wunder, dass dabei so mancher die Lust verging. Woraufhin die Wissenschaft in einem kühnen Umkehrschluss annahm, dass die meisten Frauen ohnehin unfähig zu "geschlechtlicher Hingabe" seien. Weibliche Frigidität oder "Gefühlskälte" wurde lange Zeit quasi als naturgegeben unterstellt - bis hinein in die 1970er Jahre.

Danach waren dann alle für alles offen, theoretisch jedenfalls. In der Praxis gab's neue Probleme, gerade für die Frauen. Denn die waren ja, wie man - und Mann - nun wusste, durchaus orgasmusfähig, sogar multipel. Und hatten gefälligst auch orgastisch zu reagieren. Das waren sie nicht nur dem liebsten Menschen, sondern auch sich selbst schuldig. Nach dem Motto: Keine Lust gibt's nicht! In den gerade befreiten Betten stieg der Leistungsdruck. Und plötzlich suchten auch Männer Rat beim Therapeuten - nicht etwa, weil ihr bestes Stück nicht ordnungsgemäß funktionierte. Sondern weil sie sich nur mühsam aufraffen konnten, es einzusetzen.

Keine Zeit für Sinnlichkeit

Je mehr wir uns stressen, sorgen und streiten, desto schwerer tun wir uns offenbar mit der Sinnlichkeit. Schlechte Zeiten für die Liebe? Viele Forscher sind davon überzeugt. Für immer mehr Menschen läuft der Alltag mittlerweile nach dem Motto: schnell, schneller, am schnellsten, und dann noch rasch zum Sport und anschließend einkaufen. Oder die Konferenz morgen vorbereiten. Noch mal die Emails checken. Früh aufstehen und die Kinder zur Schule bringen. Funktionieren müssen, tagein, tagaus. Da bleibt die Lust auf der Strecke, oft bei beiden. Man würde das Problem gern lösen, aber woher bitte die Zeit für eine ausführliche Therapie hernehmen, wenn schon der gemeinsame Urlaub so schwierig zu organisieren ist?

Tatsächlich beobachten Psychologen immer mehr jüngere Paare, die zwar öfter Lust auf Liebemachen hätten, aber für realistische Lösungsansätze oder entspannte Zweisamkeit keinen Platz im Leben haben. Und schließen daraus, dass Sex angesichts des Überangebots an Erotika aller Art in sämtlichen Medien offenbar nicht mehr so interessant oder dranghaft ist. Es fehlt, möglicherweise, der Reiz des Verbotenen oder wenigstens Besonderen, der das Verlangen schüren könnte.

Ohne Sex glücklich

Keiner muss immer Lust haben. Wie oft oder wie selten normal ist, weiß ohnehin niemand so genau. Seit Martin Luthers berühmter Faustregel "In der Woche zwier, schadet weder ihm noch ihr" hat sich bei den Kriterien des erotischen Wettbewerbs nicht viel getan. Zahlen und Fakten helfen nicht wirklich weiter, sie geben nur Auskunft über die Spannbreite dessen, was menschlich ist: von niemals bis mehrmals täglich. Hinzu kommt: Die Menge macht's nicht, öfter heißt nicht besser und schon gar nicht zufriedener. Nicht jeder, der Liebe macht, hat auch gerade Lust. Manchmal kommt der Appetit beim Essen, manchmal wurschteln die Liebenden sich halt so durch; der Statistik ist's egal. Experten weisen zudem darauf hin, dass statistische Normalität im Einzelfall nur selten weiterbringt.

Mangelnde Lust ist nur dann eine Störung, wenn die Betroffenen darunter leiden. Und es besteht ein Unterschied zwischen Leiden und der Angabe bei Befragungen, man habe manchmal oder auch häufiger als früher kein Interesse am Sex. So gaben bei einer großangelegten Telefonbefragung des US-Soziologen Edward Laumann mehr als 33 Prozent der Frauen und knapp 16 Prozent der Männer an, sie hätten in den vergangenen zwölf Monaten wenig Lust gehabt. Das sind plakative Zahlen, die auch in den Medien immer wieder zitiert werden.

Eine neuere Hamburger Studie relativiert die Sachlage. Sie berücksichtigt den Unterschied zwischen Jammern und Leiden. Zwar klagten auch hier 51 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer darüber, dass sie zu selten Lust auf Sex hatten. Doch die Forscher erkundigten sich auch danach, ob die Befragten, allesamt in festen Beziehungen lebend, Probleme mit ihrer Lustlosigkeit hätten. Nur zehn Prozent gaben an, stark oder sehr stark darunter zu leiden. Interessanterweise verschwand dabei das auch in der amerikanischen Studie so beeindruckende Gefälle zwischen den Geschlechtern. Woraus man womöglich schließen kann, dass Männer seltener über Lustlosigkeit klagen, die Flaute im Bett ihnen aber ebenso viel oder ebenso wenig zu schaffen macht wie Frauen.

Asexualität als sexuelle Orientierung

Generell gilt: Wer selten oder nie Lust auf Sex hat und dabei ein erfülltes, zufriedenes Leben führt, hat kein Problem und schon gar keine Störung. Enthaltsamkeit führt auch nicht zu körperlichen Mangelzuständen, ergaben neuere Untersuchungen bei Frauen. Ein natürliches Auf und Ab des Verlangens im Laufe einer langjährigen Zweisamkeit ist ebenfalls völlig normal, meist allerdings geht es wohl abwärts. Die Vertrautheit wächst mit der Zeit, die Leidenschaft leider eher nicht. Studien zeigen jedenfalls, dass zumindest bis in die mittleren Jahre der Lustverlust von der Dauer einer Beziehung bestimmt wird. Nicht aber so sehr vom Lebensalter.

Wenn alle Beteiligten sich darauf einigen, keinen Sex haben zu wollen, ist Lustlosigkeit in der Beziehung kein Thema. Das gilt auch für Menschen, die freiwillig und glücklich enthaltsam leben, weil sie niemals erotisches Verlangen spüren. Sie sind dabei nicht unbedingt einsam, sie haben schlicht kein Bedürfnis nach sexueller Zweisamkeit. Sie fühlen sich wohl damit und haben an anderen Dingen ihren Spaß - durchaus auch zu zweit. Sex ist schließlich keine Voraussetzung für Liebe, Zuneigung und Nähe. Wer keine Schokolade mag, dem fehlt sie auch nicht!

Die sogenannte Asexualität wird von Experten inzwischen als sexuelle Orientierung anerkannt, sie gilt nicht als Funktionsstörung. Ein neues Phänomen ist sie nicht: Ein prominenter Asexueller war etwa der dänische Dichter Hans Christian Andersen, der sich Ende des 19. Jahrhunderts öffentlich zu seiner Trieblosigkeit bekannte: "Es ist ein Widerwillen gegen diese Dinge in mir, gegen die sich meine Seele so sträubt." Wie viele Menschen asexuell leben, weiß keiner so genau. Es gibt keine guten statistischen Erhebungen dazu und auch keine offiziellen Schubladen. Laut Definition des Asexuellen-Netzwerks Aven ist jeder asexuell, der sich selbst so empfindet.

Ursachen für Lustlosigkeit

Verminderte sexuelle Appetenz wurde als eigenständige Diagnose erst Ende der 1970er Jahre offiziell definiert. Man versteht darunter, dass jemand keine oder subjektiv zu wenig Lust auf erotische Aktivitäten hat und es dadurch zu persönlichen oder zwischenmenschlichen Problemen kommt. Hinter dem Begriff stecken verschiedene, schwer zu greifende Facetten: Lust, Wunsch, Fantasie, Interesse, Erregung, Trieb, Motivation, Begehren. Und ganz offensichtlich gibt es bei Betroffenen ein Gefälle zwischen den eigenen Vorstellungen von dem, was im Großen und Ganzen normal ist, und dem, was sie selbst im Alltag erleben und treiben. Dieses Gefälle empfinden sie als Mangel.

Bis heute sind sich die Wissenschaftler nicht einig, wie Appetenzmangel als sexuelle Funktionsstörung diagnostisch genau zu fassen ist. Bei der Ursachenforschung und Behandlung gibt es unterschiedliche Ansätze. Seit gut zehn Jahren forscht auch die Pharmaindustrie eifrig an neuen Wundermitteln. Es gibt einen großen Markt für schnelle Lösungen, die Lust machen. Zwar scheiden sich am Schwinden des erotischen Appetits die Geister der Experten. In einem aber gibt's keine zwei Meinungen: Lustlosigkeit gilt als sehr schwer zu behandelnde psychosexuelle Störung.

Das fängt damit an, dass die Gelehrten über den Ursprung streiten. Psychologen gehen davon aus, dass fast alle sexuellen Störungen einen seelischen und/oder sozialen Hintergrund haben. Biologisch-körperbezogene Sexualmediziner vermuten in vielen Fällen organische oder zumindest auch psychische Ursachen - eine biopsychosoziale Schnittmenge sozusagen.

Das Verlangen im Kopf

Lust ist etwas Unspezifisches, sie funktioniert im Prinzip immer gleich. Egal, ob es um Essen, Trinken oder um Sex geht: Sensoren in der Haut leiten bei Berührung Impulse an die Großhirnrinde weiter. Die wiederum mobilisiert das limbische System, also das Emotions- und Belohnungszentrum im Gehirn. Doch wie entsteht die Lust speziell auf Sex? Wo beginnt die Begierde, wo die Erregung? Und wie beeinflusst das eine das andere? Die Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang vom "zerebralen Sex-Regulationssystem" - und räumen ein, über die äußeren Faktoren, die unser Verlangen beeinflussen, noch recht wenig zu wissen.

Wenn die Lust schwindet, kann das auch schlicht körperliche Ursachen haben, zum Beispiel hormonelle Störungen wie Androgenmangel oder auch Östrogenmangel bei Frauen um die Menopause herum. Nebenwirkungen von Medikamenten, etwa Antidepressiva können auch eine Rolle spielen, aber auch Depressionen, Stress- und Erschöpfungszustände, Alkoholabhängigkeit, schwere körperliche Leiden. Von Fall zu Fall müssen diese möglichen Auslöser abgetrennt werden vom psychosozialen Umfeld, also von der familiären, beruflichen und seelischen Befindlichkeit.

Therapien: Sex-Hausaufgaben und Beziehungsarbeit

Hilfe bei einem Sexualtherapeuten suchen überwiegend Menschen, die in einer festen Beziehung leben. Oft ist die Lustlosigkeit ein Zeichen dafür, dass es tiefer gehende emotionale Konflikte mit dem Partner oder der Partnerin gibt. Fast immer ist Appetenzstörung erworben, wie Therapeuten das nennen. Das bedeutet, der Sex hat früher Spaß gemacht, das körperliche Verlangen war vorhanden. Viele Sexualtherapeuten sehen das Problem daher als Paarsache an, auch wenn nur eine Person direkt betroffen ist. Sie behandeln also im Grunde die Beziehung.

In der klassischen Verhaltenstherapie erhalten die Betroffenen sexuelle "Hausaufgaben" und lernen auf diese Weise erotischen Appetit zu entwickeln. Bei der psychodynamischen Annäherung spielt die Analyse früher kindlicher Erlebnisse eine wichtige Rolle. Bei den sogenannten systemischen Ansätzen wird weniger auf Lust geschaut als auf Kommunikationsstörungen, also auf das, was im zwischenmenschlichen Bereich im Argen liegt. Manche Therapeuten kombinieren die verschiedenen Ansätze, wie in dem seit vielen Jahren bewährten Hamburger Modell.

Mitunter hilft es schon, wenn beide sich innerhalb der Zweisamkeit wieder etwas fremder und damit interessanter werden. Oder wenn die jeweils eigenen sexuellen Wünsche und Fantasien mehr in den Mittelpunkt des erotischen Geschehens rücken. Denn eine im Laufe des gemeinsamen Lebens und Liebens entstandene Lustlosigkeit ist oft einfach Langeweile im Bett, Bequemlichkeit, Unaufmerksamkeit, Gewohnheit. Ein Quickie am Strand, nach all den Jahren, oder eine bewusst inszenierte Verführung können den Motor wieder anwerfen - aber wohl nur, wenn die Beziehung im Grunde in Ordnung ist.

Ira Panic

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