Angriff auf die Intimzone

Sexualforscher zögern heute, erotische Vorlieben als abweichend oder gar gestört zu bezeichnen. Doch es gilt immer noch: Die sexuelle Freiheit endet, wo die des anderen beginnt. Und Kinder sind tabu!

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Schätzungen zufolge hat einer von 100 Männern pädophile Neigungen©

Angepasst oder abweichend, gesund oder krank? Die Sexualforschung verzichtet heute auf solche Schubladen. In den vergangenen 50 Jahren haben alle Zweige der Sexualforschung ihre Bewertung von Sexualverhalten stark verändert. Das gilt sowohl für die psychologische und soziologische als die psychiatrische und medizinische Perspektive. Viele erotischen Vorlieben und Verhaltensweisen, die früher als pervers betrachtet wurden, gelten heute als normal.

Mit Begriffen wie pervers oder abartig ist in der Vergangenheit viel Unheil angerichtet worden. Lange Zeit galt so ziemlich jede sexuelle Aktion als falsch, die nicht zwischen Mann und Frau stattfand und auf kürzestem Weg zu Zeugung und Empfängnis führte. Wer seine Sexualität anders auslebte, wurde oft verfolgt und schwer bestraft.

Die Privatsphäre anderer Menschen ist tabu

Was wir als abweichend oder "krankhaft" wahrnehmen, hängt davon ab, was in unserer Kultur als normal oder moralisch empfunden wird. Das war zu allen Zeiten so. Die Maßstäbe unterscheiden sich von Kultur zu Kultur. Eindeutige medizinische Kriterien sind dagegen zweitrangig. Mittlerweile gehen die meisten Sexualforscher davon aus, dass wir alle irgendwie ein bisschen pervers sind. Manche phantasieren vielleicht von wilden Orgien oder Sex mit Winnetou, andere sammeln Haarlocken oder Höschen geliebter Menschen, und so manche völlig in sich ruhende Person findet plötzlich eine Schaufensterpuppe scharf.

Das bedeutet aber keinesfalls, dass damit sämtliche Normen und Maßstäbe verschwunden sind. Nach wie vor ist klar, dass bestimmte sexuelle Neigungen bedenklich sind, weil sie anderen Menschen schaden können. Folgen den Phantasien dann Taten, sind sie in vielen Fällen strafbar. Experten sprechen heute meist nicht mehr von Perversion, sondern von "Störungen der Sexualpräferenz", Abweichung oder Paraphilie. Zu den problematischen Paraphilien gehören: Pädophilie, Voyeurismus, Exhibitionismus, Frotteurismus und, in geringerem Maße, die Zoophilie.

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