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Aller Anfang ist aufregend

Wenn Jugendliche das erste Mal Sex haben, gehen ihnen viele Fragen durch den Kopf. Viele fürchten sich vor Pannen - dabei sind die ganz normal. Was aber rechtzeitig besprochen werden muss: Verhütung.

  Wann die Zeit fürs erste Mal gekommen ist, muss jeder selbst ergründen

Wann die Zeit fürs erste Mal gekommen ist, muss jeder selbst ergründen

Das erste Mal mit dem Freund oder der Freundin zu schlafen, ist wahnsinnig aufregend. Tausend Fragen schwirren durch den Kopf: Wie muss ich mich verhalten? Was ist, wenn es ihr oder ihm nicht gefällt? Wird es wehtun? Keine Panik! Etwas Unsicherheit ist normal. Bei den ersten Schritten waren wir alle wackelig auf den Beinen. Und beim Sex ist es ähnlich: Jungen und Mädchen probieren etwas aus, dass sie noch nie zuvor getan haben. Es muss nicht gleich perfekt laufen. Viel wichtiger ist: Es geht darum, dass beide etwas sehr Intimes miteinander teilen. Und weil es so persönlich ist, sollten sie einander vertrauen und über alles reden können.

Das Alter spielt keine Rolle

Kleine Pannen bleiben beim ersten Sex nicht aus: Der Junge kommt vielleicht zu früh, und manche Mädchen verkrampfen sich vor lauter Aufregung. Unter Umständen klappt es nicht gleich, den Penis richtig in die Scheide einzuführen. Wenn es beide mit Humor nehmen und sich Zeit lassen, ist das alles halb so wild. Liebe machen ist kein Wettkampf, in dem es um eine tolle B-Note geht. Beim ersten Sex gibt es viel zu erkunden: wie der eigene Körper reagiert, was dem anderen gefällt. So kann die Premiere zum wundervollen Erlebnis werden - für beide.

Wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, muss jeder für sich ergründen. Einige schlafen mit 14 Jahren das erste Mal mit ihrem Partner, andere mit 19 oder auch erst mit 25. Das Alter spielt keine Rolle. Leider schlafen immer wieder Jungen und Mädchen nur mit dem Freund oder der Freundin, weil sie fürchten, den anderen sonst zu verlieren. Dabei sollte der erste Sex etwas Besonderes und Schönes sein. Das wird es jedoch nur, wenn beide wirklich wollen.

Falls die eigene Unsicherheit vor dem ersten Mal groß ist, hilft nur eins: mit dem Partner oder der Partnerin darüber sprechen. So können erst gar keine Missverständnisse entstehen. Vielleicht stellen beide im Gespräch fest, dass sie denken, es sei noch zu früh. Das ist dann auch gut so.

Es gibt keine peinlichen Fragen

Wenn beide wollen, kann das Abenteuer beginnen. Am Körper finden sich viele Stellen, an denen es besonders schön ist, gestreichelt, geküsst oder geleckt zu werden. Dazu zählen der Bauch, die Innenseite der Oberschenkel, der Hals oder die Brüste. Mädchen finden es oft besonders schön, am Kitzler gestreichelt zu werden. Den Jungen erregt es, wenn die Freundin oder der Freund seinen Penis anfasst, reibt oder leckt. Und: Fragen, ob es dem anderen gefällt, ist nicht peinlich, sondern genau der richtige Anfang. Es ist auch nach vielen Jahren und vielen Malen Sex noch wichtig, dass man über das spricht, was man gern hat und auch sagt, was weniger Spaß bringt.

Viele Pärchen schlafen beim ersten Mal in der Missionarsstellung miteinander. Dabei liegt der Junge auf dem Mädchen. Das ist allerdings kein Muss. Manche Mädchen möchten gerne auf dem Jungen liegen oder sitzen oder mögen eine ganz andere Stellung. In der Missionarsstellung kann ein Kissen unterm Po des Mädchens dem Jungen helfen, sein Glied auf den richtigen Weg zu bringen.

Schmerzen beim ersten Mal

Vielleicht läuft das erste Mal nicht perfekt. Viele Jungs kommen zu früh. Es kann auch passieren, dass der Penis im entscheidenden Moment wieder weich wird, oder das Hineingleiten in die Scheide nicht sofort klappen will. Das ist völlig normal und kommt bei sehr vielen Jugendlichen vor.

Dass das erste Mal immer weh tut, ist ein Mythos. Es gibt so viele unterschiedliche Erfahrungen wie es Menschen gibt, die miteinander schlafen. Aber es stimmt, dass es ein bisschen schmerzen kann. Meist liegt das am Jungfernhäutchen, das beim Sex reißt. Der dünne ring- oder halbmondförmige Hautlappen umgibt den Eingang der Scheide, verschließt ihn aber nicht. Eventuell blutet es etwas, wenn das Jungfernhäutchen reißt. Das ist kein Grund zur Beunruhigung. Für den Körper ist das lediglich eine kleine Wunde, wie eine Hautabschürfung, die schnell wieder heilt. Bei manchen Mädchen ist das Jungfernhäutchen schon gerissen, bevor sie mit einem Jungen geschlafen haben, das passiert zum Beispiel beim Sport.

Während sich ein Pärchen zärtlich streichelt und küsst, richtet sich der Penis des Jungen auf und wird dick und hart. Der Scheide des Mädchens wird feucht, und der Penis kann nun in sie hineingleiten. Wenn das Mädchen sehr ängstlich ist oder sich nicht bereit fühlt, verspannt sich vielleicht die Muskulatur in der Scheide. Und obwohl sie normalerweise sehr elastisch ist, kann es sich dann anfühlen, als wäre sie zu eng für den Penis. Vielleicht wird die Scheide auch nicht richtig feucht. Dann kann es beim Sex etwas wehtun, weil der Penis nicht so gut gleitet.

In dem Fall kann es besser sein, sich vielleicht nur zu streicheln, den Körper des anderen durch Küssen und Berühren kennenzulernen. Auch das kann wunderschön sein und schafft Vertrauen. Ist das Mädchen erregt, aber dennoch nicht richtig feucht, kann wasserlösliches Gleitmittel helfen, das Eindringen zu erleichtern.

Viele Mädchen bekommen vom Geschlechtsverkehr allein keinen Orgasmus, da die Klitoris - auch Kitzler genannt - dabei selten so stimuliert wird, dass die Erregung groß genug ist. Damit auch sie einen Höhepunkt erlebt, kann es helfen, den Kitzler zusätzlich zu streicheln.

  Auch beim ersten Mal ist Verhütung schon ein Thema

Auch beim ersten Mal ist Verhütung schon ein Thema

Verhütung muss sein

Viele Jungendliche gehen verantwortungsvoll mit dem Thema Verhütung um: Die Zahl der Jungen und Mädchen, die sich beim ersten Mal nicht schützen, hat sich zwischen 1980 und 2006 halbiert. Dennoch haben im Jahr 2008 etwa 5350 Mädchen unter 18 Jahren abgetrieben - und das sind nur die gemeldeten Fälle.

Der einzige Weg, sich vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen, ist die Verhütung bei jedem Sex, Betonung auf: jedem. Von Anfang an. Denn ein Vorurteil sei an dieser Stelle gleich mal ausgeräumt: Schwanger werden können Mädchen auch beim ersten Geschlechtsverkehr. Sogar beim Petting, also beim Streicheln und Reiben der intimen Zonen, verirren sich unter Umständen ein paar Spermien Richtung Eizelle, zum Beispiel, wenn er seinen Penis anfasst und anschließend ihre Scheide streichelt. Auch wenn es unromantisch oder peinlich erscheint: Früh genug über Verhütung zu sprechen, ist ein Muss.

Pille und Kondom

Einige Mädchen entscheiden sich gleich zu Beginn für die Antibabypille. Dafür ist ein rechzeitiger Termin beim Frauenarzt nötig, denn die Pille muss ab dem ersten Tag der Regelblutung eingenommen werden. Es kann am Anfang also mehrere Wochen dauern, ehe ein Mädchen mit dieser Verhütungsmethode starten kann. Die meisten Jugendlichen planen ihren großen Tag allerdings nicht so weit im Voraus. Ist ein Mädchen jünger als 16, möchte der Arzt eventuell mit den Eltern sprechen, ehe er ein Rezept ausstellt. Das geht allerdings nur mit dem Einverständnis der Jugendlichen. Andererseits kann der Mediziner sich auch weigern, das Rezept auszustellen, wenn ihm das Mädchen noch nicht reif genug dafür erscheint.

Das Kondom schützt als einziges Verhütungsmittel nicht nur vor einer Schwangerschaft, sondern auch vor HIV und anderen Geschlechtskrankheiten. Das gilt allerdings nur bei richtiger Anwendung. Vor dem Überstülpen streift der Junge - wenn er nicht beschnitten ist - die Vorhaut des Penis zurück. Dann setzt er das Kondom auf die Eichel, drückt die Luft aus dem kleinen oberen Zipfel und rollt das Kondom anschließend am gesamten Penisschaft herunter. Nach dem Samenerguss sollte der Junge sich bald aus der Scheide zurückziehen, damit das Kondom nicht im Körper des Mädchens vom erschlafften Glied abrutscht. Sonst können die Spermien entkommen und doch zur Eizelle gelangen. Das Überziehen des Kondoms muss nicht peinlich sein oder die lustvolle Atmosphäre zerstören. Es lässt sich gut ins Vorspiel einbauen.

Im Notfall: die "Pille danach"

Das sogenannte "Aufpassen" ist keine gute Idee. Es reicht nicht, wenn der Junge seinen Penis kurz vor dem Orgasmus aus der Scheide zieht. Ein paar Lusttropfen samt Spermien hat er längst in der Scheide zurück gelassen. Sie können ausreichen, um das Mädchen zu schwängern.

Keine Verhütung klappt hundertprozentig: Ein Kondom kann abrutschen, wenn es den Penis nicht richtig umschließt. Oder dem Mädchen fällt zu spät ein, dass es die Pille vergessen hat. Für solche Notfälle gibt es die Pille danach. Sie kann nach einer Verhütungspanne eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Das Mädchen sollte sie so früh wie möglich nehmen, allerspätestens 72 Stunden nach dem Sex. Die Pille danach muss von einem Arzt verschrieben werden.

Regeln und Gesetze

Kinder und Jungendliche sollen davor bewahrt werden, dass man sie ausnutzt oder zu etwas zwingt, was sie nicht möchten. Daher stehen sie vor dem Gesetz unter einem besonderen Schutz. Das bedeutet: Sex mit jemandem unter 14 ist immer verboten. Sex mit jemandem, der 14 oder 15 ist, ist im Prinzip in Ordnung, sofern das Ganze einvernehmlich ist. Wer älter als 21 ist, kann sich allerdings strafbar machen, falls zum Beispiel die Eltern eine Anzeige erstatten. In der Praxis kommt eine solche strafrechtliche Verfolgung aber selten vor.

Grundsätzlich verboten sind allerdings sexuelle Beziehungen von Jugendlichen unter 16 Jahren mit Erwachsenen, die für ihre Erziehung, ihre Ausbildung oder ihre Betreuung zuständig sind. Für Lehrkräfte gilt generell: Finger weg von Schülerinnen und Schülern, auch wenn die schon volljährig sind. Kommt die Sache raus, bekommt der Lehrer oder die Lehrerin Probleme und wird oft an eine andere Schule "strafversetzt".

Nicole Simon
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