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Sexualität im Wandel

Die Wechseljahre sind wie eine zweite Pubertät. Das Leben ist im Umbruch, der Hormonspiegel schwankt. Wie sich die Wechseljahre auf Körper und Seele auswirken und wie Frauen damit am besten umgehen.

  Viele Frauen erleben in den Wechseljahren ein Gefühl der Befreiung

Viele Frauen erleben in den Wechseljahren ein Gefühl der Befreiung

In und nach den Wechseljahren verlieren Frauen ihre Lust am Sex nicht, wie eine repräsentative Studie belegt. Zwischen 50 und 60 wünschen sie sich sogar durchschnittlich mehrmals im Monat Sex. Sie sehnen sich nach erotischen Abenteuern, doch gleichzeitig fühlen sie sich oft nicht mehr begehrenswert.

Auch wenn der Wunsch nach einem erfüllenden Sexleben groß ist, hat ein Viertel der 50- bis 55-Jährigen Frauen hat keinen Sex mehr, bei den 65- bis 70-Jährigen ist nur noch jede dritte Frau sexuell aktiv.

Die Wechseljahre sind eine natürliche Umbruchphase

Der Begriff Wechseljahre oder Klimakterium bezeichnet den gesamten Umstellungsprozess im Hormonhaushalt vor und nach der Menopause, dem Zeitpunkt der letzten Menstruation. Wann die Regel zum letzten Mal kommt, ist von Frau zu Frau verschieden. Im Durchschnitt haben Frauen ihre letzte Blutung, wenn sie 52 Jahre alt sind.

Etwa zehn Jahre dauert die körperliche und seelische Umstellung in den Wechseljahren. Währenddessen sinkt der Östrogenspiegel im Körper beständig, bis er sich schließlich auf ein Minimum einpendelt. Ihre Figur verändert sich, der Körper altert sichtbar. Ihre Lust auf Sex beeinträchtigen die abnehmenden Östrogene allerdings nicht. Wenn Sie trotzdem die Lust verlieren, sind zumeist seelische Faktoren verantwortlich. Zukunftsängste oder Stress zum Beispiel. Auch die Dauer und Qualität Ihrer Beziehung spielt eine Rolle.

Japanerinnen leiden seltener unter Wechseljahrsbeschwerden

Es ist nicht einfach, in einer Gesellschaft älter zu werden, die lediglich jungen Frauen Attraktivität und sexuelle Lust zugesteht, während ältere Frauen nicht zu zählen scheinen. In anderen Gesellschaften ist das anders. Japanerinnen beispielsweise gewinnen an Ansehen, wenn sie die Phase der Fruchtbarkeit hinter sich gelassen haben. Ob das der Grund ist, warum sie seltener über Wechseljahrsymptome klagen? Jedenfalls spielen die Gesellschaft, Ihre Einstellung zum Leben, Ihre Lebenssituation und auch Ihre Erwartungen eine Rolle, wie Sie Ihre Wechseljahre erleben.

Körperliche Veränderungen

Während der Wechseljahre produzieren die Eierstöcke unregelmäßig Hormone. Phasen des Östrogenmangels wechseln mit Phasen, in denen zuviel Östrogen abgegeben wird. In den Eierstöcken und auch in der Nebennierenrinde wird außerdem das männliche Sexualhormon Testosteron gebildet. Östrogen und Testosteron bedingen einander, Östrogen bildet sich erst durch chemische Umwandlung aus Testosteron. Wenn Ihr Östrogenspiegel sinkt, bekommt Testosteron mehr Einfluss.

Wie und ob sich die Schwankungen im Östrogenspiegel auf die Sexualität auswirken, ist bei jeder Frau anders. Am Ende der Wechseljahre stellen die Eierstöcke ihre Produktion ein. Die Östrogenproduktion pendelt sich auf ein Minimum ein. Testosteron bildet sich weiterhin in der Nebenniere.

Auf Ihre Fähigkeit, Erregung und Lust zu erleben, hat Östrogen keinen Einfluss. Wenn Ihnen die Lust auf Sex fehlt, gefällt Ihnen vielleicht nur nicht, wie Sie ihn mit Ihrem Partner erleben und sind die Kompromisse satt. Vielleicht schmerzt der Verkehr nun auch, da die Vaginalschleimhaut trocken ist.

Auch ohne Hormone können Sie wie früher Lust erleben und feucht werden. Sie werden es feststellen, wenn Sie sich allein auf eine erotische Phantasiereise begeben und selbst entdecken, was Sie erregt. Oder wenn Sie sich neu verlieben. Die Angst zu versagen, kann allerdings jede Lust blockieren.

An den Schleimhäuten spüren Sie den Östrogenmangel oft schmerzhaft

Wenn Ihr Körper weniger Östrogen produziert, speichert Ihre Haut nicht mehr so viel Wasser und erzeugt weniger Kollagen und Elastin. Das sind Eiweißstoffe, die das Stützgerüst der Haut bilden. Werden sie weniger, wird ihre Haut schlaffer und trockener, und eine durchtanzte Nacht ist am nächsten Morgen unübersehbar.

Auch Ihre Schleimhäute werden trockener und dünner. Sie verlieren an Elastizität und sind weniger durchblutet. Ihre Scheide, die Vagina, dehnt sich nicht mehr so gut. Ohne Zärtlichkeit wird Ihre Scheide nicht mehr feucht. Wenn der Penis trotzdem eindringen will, tut es nicht nur weh, die Gefahr, dass Ihre empfindliche Schleimhaut verletzt wird und sich entzündet, ist groß.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie Lust auf Sex haben und erregt sind. Denn das regt die Drüsen an, für ausreichend Flüssigkeit zu sorgen. Vielleicht brauchen Sie dafür mehr Zeit als früher, vielleicht erregt Sie heute etwas anderes. Ihre Brüste und Schamlippen fühlen sich weniger prall an, weil das Bindegewebe schwächer wird. Die Vorhaut der Klitoris zieht sich etwas zurück. Aber all das schließt weder Lustgefühle aus, noch das Anschwellen von Schamlippen und Klitoris, die äußeren Anzeichen Ihrer sexuellen Erregung.

Die Bedeutung der Hormone für die Lustlosigkeit ist umstritten

Die Ursache für den Mangel an Libido bei Frauen in und nach den Wechseljahren ist bisher wenig erforscht. Die Medizin beschreibt sie als neue Sexualstörung: HSDD "Hypoactive Sexual Desire Disorder" (Verminderter Sexueller Antrieb) und stellt den Hormonmangel in den Vordergrund. Seelische Faktoren berücksichtigen viele Ärzte nicht.

Seelische Veränderungen

Ein schräger Blick kann Sie aus der Bahn werfen, ein begehrlicher Blick für den Moment in den siebten Himmel tragen. Sie haben Lust zu flirten, aber die Angst, sich lächerlich zu machen, ist groß. Sie wollen erfüllten Sex, aber gleichzeitig bohrt in Ihnen das Gefühl, nicht attraktiv zu sein. Die Lieblingsjeans passt nicht mehr, das Top mit den Spaghettiträgern trägt inzwischen die Tochter, und überall signalisieren junge makellose Körper Glück und sexuelle Attraktivität. Plötzlich ist Ihre Lust verschwunden. Eine große italienische Studie belegt, dass jede fünfte Frau über 40 unter ihrer Lustlosigkeit leidet.

Seelische Probleme, ein wenig ausgeprägtes Selbstbewusstsein, Zukunftsängste und Stress beeinträchtigen die Lust am Sex. Auch spielen Dauer und Qualität einer Beziehung eine Rolle. Wenn ein Paar früher schon Probleme mit dem Sex hatte, verschärfen sich oft die Konflikte. Wenn es Sex jedoch als lustvoll und befriedigend erlebt hat, ist die Chance für ein reiches Liebesleben in und nach den Wechseljahren groß.

Die eigene Sexualität neu entdecken

Viele Frauen erleben in den Wechseljahren jedoch auch ein Gefühl der Befreiung. Sie haben Lust, neue Erfahrungen zu sammeln, die eigene Sexualität neu zu entdecken und andere Spielarten kennenzulernen. Wer sich schon früher selbstbewusst und aktiv für ein erfülltes Liebesleben einsetzte, hat es da oft einfacher.

Sex mit einem lang vertrauten Partner verändert sich. Vergessen Sie den so genannten richtigen Orgasmus. Sie sollten nicht auf die sexuelle Aufruhr warten, die Sie damals erlebten, als Sie beide frisch verliebt waren. Inszenieren Sie Ihre intime Begegnung und gönnen Sie sich Zeit, sich gegenseitig zu entdecken.

Barbara Mannitz

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