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Die Heilige und die Hure

"Dieses Wochenende hat mein Feuer angezündet." Petra B. (47) rief mich an, um von dem Seminar zu berichten, das ich ihr empfohlen hatte. Dort geht es um die Versöhnung der vermeintlich beiden Gegenpole der Frau.

Von Ulrich Clement

Ein paar Wochen zuvor war sie sehr reserviert gewesen, als ich ihr die Adresse der "Heiligen Hure" gab. Sie hatte meine sexualtherapeutische Sprechstunde aufgesucht, weil sie mit ihrer Sexualität chronisch unzufrieden war. Lange hatte sie es auf ihren Partner geschoben. Im Innern wusste sie aber, dass sie selbst es war, die die erotische Bremse angezogen ließ. Nicht dass sie keinen Spaß beim Sex empfand, auch einen Orgasmus konnte sie gelegentlich erleben. Aber sie fühlte sich nicht frei. Und sie hatte das Gefühl, hinter ihren erotischen Erlebnismöglichkeiten zurückzubleiben.

Das Heilige und das Sexuelle - beides gehört zusammen

Ich berichte ihr von den Seminaren, die Maggie Tapert anbietet. Die seit langem in der Schweiz lebende und praktizierende Amerikanerin hat ihr Frauenbild mit dem programmatischen Titel "Die Heilige Hure" überschrieben: Es geht ihr um die Verbindung zweier Seiten der weiblichen Sexualität. Zwei Seiten, die bei den meisten Frauen getrennt, unverbunden und oft unversöhnt nebeneinander leben: Das Heilige und das Sexuelle. Dass beides zusammen gehören soll, konnte sich Petra B. noch vorstellen. Theoretisch. Aber die Erkenntnis blieb bisher ohne Folgen für ihr körperliches Erleben.

Das Seminar wird als "Tempel" inszeniert. Und so wird der "heilige", also der geschützte, wertschätzende und besondere Rahmen für die sexuelle Selbsterfahrung der Teilnehmerinnen geschaffen. Im Dienst der Aphrodite, der griechischen Liebesgöttin. Esoterik? Symbolisch abgehoben? Manche Sätze auf der Website www.maggietapert.com haben esoterische Anflüge. Aber die praktische Arbeit im Seminar ist konkret, sinnlich, körperlich. Mit speziellen Übungen und Inszenierungen macht Tapert den weiblichen Körper zum Ort der Lust und des weiblichen Begehrens. Anders als in einer akademischen Sexualtherapie werden im "Tempel" Orgasmen erlebt, wird die Erregung gefeiert.

"Das sollten Sie aber nur Ihren mutigen Patientinnen empfehlen", meinte Frau B. am Ende unseres Telefonats. Stimmt.

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