Pannenhilfe für den Notfall

Das kommt vor: Das Kondom reißt, Sie haben vergessen zu verhüten oder die Pille einzunehmen und hatten ungeschützten Sex. Doch wer schnell handelt, kann eine ungewollte Schwangerschaft noch abwenden.

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Nach einer Verhütungspanne können Frauen die "Pille danach" verwenden©

Wenn es mit der Verhütung aus irgendeinem Grund nicht geklappt hat, haben Sie drei Möglichkeiten:
1. Sie hoffen, dass nichts passiert ist und sind beim nächsten Mal vorsichtiger.
2. Sie greifen zur so genannten "Pille danach", oder
3. Sie lassen sich die Kupferspirale einsetzen.

Nachverhütung: Die "Pille danach"

Die meisten Menschen kennen sie, zum Einsatz kommt sie aber eher selten: Laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hatten 94 Prozent der Befragten von der "Pille danach" gehört, zwölf Prozent hatten sie ein- oder mehrmals genutzt.

Heutige Mittel enthalten in der Regel das Hormon Levonorgestrel - ein Gestagen, das den Eisprung verzögern oder unterdrücken kann und auch verhindern soll, dass sich die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter einnistet. Nach neueren Studien erscheint allerdings ungeklärt, ob die "Pille danach" letzteres auch tatsächlich leisten kann. Generell unterscheidet sie sich ganz klar von der Abtreibungspille: Sie beendet eine Schwangerschaft nicht. Sie verhindert in erster Linie den Eisprung und somit indirekt die Befruchtung der Eizelle. Besteht eine ältere Schwangerschaft oder hat sich die befruchtete Eizelle schon eingenistet, ist das Mittel unwirksam.

Die nötige Dosis ist je nach Präparat auf ein bis zwei Tabletten verteilt. Je früher sie eingenommen wird, desto besser: Bei einer Einnahme innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Sex kann sie neun von zehn möglichen Schwangerschaften abwenden. Länger als 72 Stunden sollten Sie nicht warten. Zwar kann das Mittel danach noch wirksam sein. Die Datenlage hierfür ist aber dünn.

Nicht ohne Nebenwirkungen: Übelkeit und Schwindel

Die nächste Monatsblutung kann sich verschieben oder stärker ausfallen als sonst, wenn Sie die "Pille danach" genommen haben. Auch Zwischenblutungen sind möglich. Bleibt die Periode ganz aus, sollten Sie zu Ihrem Frauenarzt gehen und einen Schwangerschaftstest machen lassen. Umgekehrt heißt es, dass Sie wahrscheinlich nicht schwanger sind, wenn Ihre Regel eintritt. Eine Blutung schließt allerdings eine Schwangerschaft nicht ganz aus. Um sicherzugehen, sollten Sie einen Test machen - drei Wochen nach dem "Missgeschick" ist dieser aussagekräftig.

Die "Pille danach" ist nur für den Notfall, nicht für den regelmäßigen Gebrauch gedacht. Auch wenn sie inzwischen besser verträglich und wirksamer ist als Östrogen-Gestagen-Kombinationen, die noch vor zehn Jahren verschrieben wurden, stört sie den Zyklus und kann Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erbrechen, Kopfschmerzen und Schwindel auslösen. Außerdem nimmt ihre Wirkung ab, wenn sie zu häufig eingenommen wird.

Anders als in vielen anderen Ländern brauchen Sie in Deutschland für das Medikament ein Rezept. Sie erhalten es vom Frauenarzt, von einer Pro-Familia-Ärztin oder am Wochenende in der Notfallambulanz eines Krankenhauses. Die Kosten liegen bei 16 bis 18 Euro. Sind Sie 20 Jahre alt oder jünger, zahlt die Krankenkasse.

Falls Sie mit der Pille verhüten, können Sie diese weiter einnehmen. Allerdings brauchen Sie in dem Monat noch zusätzlichen Schutz, etwa ein Kondom.

Nach Ablauf der drei Tage: die "Spirale danach"

Weniger bekannt ist, dass auch die Kupferspirale - nicht die Hormonspirale - als Notfallverhütung in Frage kommt, etwa wenn es zu spät ist für die "Pille danach". Innerhalb von fünf Tagen nach dem Missgeschick kann der Arzt die Spirale in die Gebärmutter setzen, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. Auch sie verhindert sehr effektiv, besser noch als die "Pille danach", dass sich die befruchtete Eizelle einnistet. Außerdem hat sie den Vorteil, dass sie in der Gebärmutter bleiben kann, wenn Sie weiter damit verhüten wollen. Ansonsten entfernt der Arzt sie bei der nächsten Regel.

Der Aufwand und der Eingriff in den Körper sind jedoch größer als bei der "Pille danach". Diese Lösung eignet sich daher vor allem für jene Frauen, die mit der Spirale weiterverhüten wollen. Nebenwirkungen können auch hier auftreten, etwa krampfartige Schmerzen, Schmierblutungen oder eine insgesamt stärkere Menstruation.

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