Verhütung ohne Nebenwirkungen

Bei der "Natürlichen Familienplanung" beobachten Frauen die Veränderungen ihres Körpers während des Zyklus, um die fruchtbaren Tage zu bestimmen. Diese Form der Verhütung erfordert Selbstdisziplin.

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Bei NFP wird morgens vor dem Aufstehen die Temperatur gemessen©

Die "Natürliche Familienplanung", kurz NFP, kombiniert mehrere Methoden und ist daher als Verhütungsmethode sehr sicher: Der Pearl-Index liegt zwischen 0,4 und 1,8. Dass von Familienplanung statt von Verhütung gesprochen wird, ist sinnvoll: Denn Frauen können NFP ebenso gezielt nutzen, wenn sie schwanger werden möchten.

NFP-Anwenderinnen beobachten und notieren mehrere Körpersignale, die sich im Laufe des Zyklus verändern. Die Technik wird deshalb auch als "symptothermale Methode" bezeichnet. Ziel ist dabei, die empfängnisfähige Zeit einzugrenzen. Denn in jedem Zyklus, der im Durchschnitt 28 Tage dauert, ist eine Frau nur circa sechs Tage tatsächlich fruchtbar - und zwar maximal fünf Tage vor sowie bis zu 18 Stunden nach dem Eisprung. Durch NFP ermittelt die Frau also, an welchen Tagen sie unbeschwert Sex haben kann. Und an welchen sie entweder gezielt mit Kondom, Diaphragma oder einer anderen Barrieremethode verhüten sollte - oder lieber enthaltsam bleibt. Oder sie kann, wenn sie schwanger werden möchte, die fruchtbaren Tage für Zweisamkeit nutzen.

Das erste sich verändernde Körpersignal ist die Temperatur: Sie steigt nach dem Eisprung um mehrere Zehntelgrad an, um beim Einsetzen der Regelblutung wieder abzusinken. Gemessen wird morgens früh im Bett, am besten jeden Tag zur gleichen Uhrzeit. Als zweite Messgröße dient der so genannte Zervixschleim, dessen Struktur sich zum Eisprung hin verändert. Alternativ kann die Frau den Muttermund abtasten, der im Zyklusverlauf die Form ändert.

Es gibt verschiedene Bücher, mit denen sich NFP erlernen lässt. Zu empfehlen ist zusätzlich ein Kurs bei einem NFP-Berater. Die Kosten liegen zwischen 120 und 200 Euro. Viele Anwenderinnen diskutieren auch in Internetforen über die Methode, ihre Zyklen und verschiedene Fragen, die sich im Alltag ergeben.

Vor- und Nachteile der Methode

NFP hat keine Nebenwirkungen, ist günstig und relativ einfach durchzuführen. Zusätzlich lernt die Frau durch die Methode ihren Körper besser kennen. Das so erworbene Wissen mag mancher dabei helfen, sich später besser informiert für oder gegen eine andere Verhütungsmethode zu entscheiden.

Auch der Partner kommt nicht umhin, sich in gewissem Maß mit der Methode zu beschäftigen und sich an fruchtbaren Tagen mit um die Verhütung zu kümmern.

Aber es gibt auch Nachteile: Es dauert rund ein Vierteljahr, bis eine Frau nach einer Lernphase die Methode routiniert anwendet. Und: Während mit hormoneller Verhütung der Zyklus in ein festes und damit verlässliches Raster gepresst wird, muss die Frau bei dieser auf Beobachtung basierenden Methode mit Zyklusschwankungen leben. Zudem können Krankheiten und Stress, aber auch Schichtarbeit oder Fernreisen die Körpersignale beeinflussen und so die Auswertung erschweren.

Etwa sechs Prozent der Frauen in Deutschland nutzen nach Angabe der "Malteser Arbeitsgruppe NFP" diese Methode. Während in den 80er Jahren vor allem Frauen jenseits der 30 in festen Partnerschaften auf die natürliche Familienplanung setzten, ist heute die Mehrheit zwischen 20 und 30 Jahre alt. Zehn bis 20 Prozent der NFP-Anwenderinnen wollen mit der Methode die Chance einer Schwangerschaft erhöhen, indem sie gezielt an fruchtbaren Tagen mit ihrem Partner schlafen.

Pearl-Index Der Pearl-Index gibt an, wie sicher eine Verhütungsmethode ist. Dahinter verbirgt sich folgende Rechnung: Wie viele von 100 Frauen, die ein Jahr lang nach einer bestimmten Methode verhütet haben, sind trotzdem schwanger geworden? Je weniger Schwangerschaften, desto niedriger ist also der Pearl-Index. Und je niedriger der Pearl-Index, desto sicherer die Methode.

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