Gegensätze ziehen sich an

Es ist eine alte Geschichte und bleibt doch immer neu: Junge trifft Mädchen, und es knistert. Aus Exotik wird Erotik. So will es die Natur. Oder nur die Kultur?

Aus Exotik wird Erotik

Als vielversprechend gilt die Exotic-Becomes-Erotic-These: Aus Exotik wird Erotik. Für Jungs, die lieber mit Jungs spielen, bleiben Mädchen aufregend exotisch - und sind, sobald sich die Lust regt, entsprechend interessant. Während Jungs, die lieber mit Mädchen spielen, andere Jungs erst exotisch und später vielleicht erotisch finden. Bei Frauen läuft's entsprechend: Mädchen, die lieber mit Mädchen spielen, finden Knaben erst komisch, dann womöglich spannend. Mädchen, die mit Jungs toben, fühlen sich später eventuell zu Girls hingezogen.

Die Frage, was genau passieren muss, damit aus "nervigen Zicken" oder "doofen Nixmerkern" im Laufe der Pubertät wechselweise Objekte der Begierde werden - oder eben nicht -, beschäftigt viele Wissenschaftler. Das gilt keineswegs nur für die eher organisch denkenden Sexualmediziner, sondern auch die Sozialpsychologen. Eine US-Studie deutet darauf hin, dass es einen nachvollziehbaren Weg zur bevorzugten Spielart geben könnte: vom so genannten Genotyp, dem gesamten Erbgut eines Menschen, über untypisches Verhalten in der Kindheit bis hin zur späteren sexuellen Orientierung. Dieser Weg führt aber nicht direkt vom Genotyp zur sexuellen Orientierung! Dazwischen muss noch anderes passieren.

Alles eine Laune der Natur?

Und damit finden sich alle Experten in ein und derselben Gesellschaft wieder, egal, von welcher Seite sie sich den Launen unserer Libido nähern. Denn im Einzelfall werden wir davon beeinflusst, wie autoritär eine Kultur verlangt, dass Mädchen mit Puppen spielen und Frauen auf Männer fliegen; dass Jungs erst Fußball spielen und sich dann in Frauen verlieben. Unter diesem Einfluss neigen wir dazu, es sicherheitshalber genauso wie die meisten zu machen. Und uns nicht zu fragen, ob wir damit ans Ziel unserer sexuellen Sehnsüchte kommen.

Frauen und Männer erleben ihre Liebeslust nicht im luftleeren Raum, sondern in einer ganz bestimmten kulturellen und sozialen Situation, die sich ständig wandelt. Selten war das Spiel so offen wie heute. Heterosexualität ist inzwischen keine kulturelle Selbstverständlichkeit mehr, ebenso wenig wie die Institution der Ehe. Manche Forscher vermuten gar, dass die Monosexualität, also die eindeutige Vorliebe für Männer, für Frauen oder für beide, als erotische Orientierung langsam, aber sicher an Bedeutung verliert. Ganz verschwinden wird die Lust aufs andere Geschlecht aber sicher nicht.

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