Die Lust am Kleidertausch

Transvestiten fühlen sich in ihrem Körper zu Hause, genießen es aber, sich als Frau oder Mann zu verkleiden. Psychisch krank sind sie keinesfalls. Warun sie tun, was sie tun, ist schwer zu erklären.

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Rollenwechsel: Transvestiten sind vor allem Männer, die der Kleidertausch sexuell erregt©

Transvestiten lieben es, die Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen. Anders als Transsexuelle fühlen sie sich in ihrem Körper aber zu Hause und wünschen sich keine Geschlechtsumwandlung. Meistens sind es heterosexuelle Männer, die den unwiderstehlichen Drang verspüren, zeitweise in die Rolle einer Frau zu schlüpfen. Ihre Motive sind unterschiedlich: Manche genießen es einfach, ihre weibliche Seite auszuleben. Ein größerer Teil der Betroffenen erlebt den Kleiderwechsel aber auch als sexuell erregend. Rein medizinisch wird dieses Verhalten zwar zu den psychischen Störungen gezählt. Experten sind sich aber darüber einig, dass Transvestiten keine psychisch Kranken sind. Eine psychotherapeutische Behandlung ist nur dann sinnvoll, wenn im Zusammenhang mit der besonderen Neigung ein starker Leidensdruck besteht.

Keine gesellschaftlichen Außenseiter

Wenn sich Männer als Frauen verkleiden oder umgekehrt, wird das unter Insidern auch Cross-Dressing genannt. Vor allem die Betroffenen verwenden gerne diesen Begriff, weil die Bezeichnung Transvestit aus ihrer Sicht mit negativen Vorurteilen besetzt ist. Tatsächlich glauben noch immer viele Menschen, Transvestiten seien immer schwul oder pervers – schrille Vögel, die sich mit Federboa und Glitzerkleid gerne in der Öffentlichkeit präsentieren oder im Rotlichtmilieu zu Hause sind. Für die große Mehrheit der Cross-Dresser trifft das nicht zu. Transvestiten sind überwiegend heterosexuell. Sie gehen ihrer Neigung meistens nur in den eigenen vier Wänden nach und vermeiden es strikt, in der Öffentlichkeit aufzufallen. Im Alltag tragen sie allenfalls weibliche Unterwäsche oder Strumpfhosen unter gewöhnlicher Männerkleidung.

Cross-Dresser sind auch keine gesellschaftlichen Außenseiter, sondern haben bürgerliche Berufe, sind verheiratet und ganz normale Familienväter. Ihre Ehefrauen wissen in der Regel über die seltsame Vorliebe des Gatten Bescheid. Allerdings fällt es nicht allen leicht, sich damit abzufinden. Aus den wenigen Studien zu Transvestiten geht hervor, dass etwa ein Viertel der Verkleidungsfetischisten irgendwann einmal psychotherapeutische Hilfe sucht – meistens auf Drängen der Partnerinnen, da es Probleme in der Beziehung gibt. Oder die Betroffenen brauchen Rat bei der Frage, ob und wie sie sich ihren Kindern offenbaren sollen.

Transvestiten und Travestie

Warum sich vor allem Männer verkleiden müssen, ist letztlich nicht geklärt. Sexualforscher vermuten, dass die Ursache irgendwo in der frühen Kindheit liegt. Über weibliche Cross-Dresser ist den Wissenschaftlern noch weniger bekannt – vermutlich, weil Frauen in Männerkleidung in der Öffentlichkeit ohnehin zum normalen Bild gehören. Eine Ausnahme bilden nur die so genannten Drag Kings. Das sind meistens lesbische oder bisexuelle Frauen, die durch die überzogene Darstellung von Männlichkeit bewusst für Aufmerksamkeit und Verwirrung sorgen. Drag Kings tragen Nadelstreifenanzüge, kleben sich Schnurrbärte ins Gesicht und stopfen sich Socken in die Unterhosen. Sie haben Spaß daran, den coolen Macho zu parodieren.

Ihr männliche Gegenstück ist die Drag Queen. So nennen sich schwule oder bisexuelle Männer, die in übertrieben weiblicher Aufmachung, mit Perücken und hohen Stöckelschuhen die Blicke auf sich ziehen. Der Begriff Drag kommt aus dem Englischen und steht für "Dressed as a guy" oder "Dressed as a girl". Drag Kings und Queens präsentieren sich meistens nur zu bestimmten Anlässen: auf Szene-Partys, bei schwul-lesbischen Umzügen oder als Künstler auf der Bühne.

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