Auch Deutschland empfiehlt, Billig-Brustimplantate zu entfernen

6. Januar 2012, 18:38 Uhr

Im Skandal um Billig-Brustimplantate aus Frankreich rät nun auch Deutschland, die Silikonkissen herausnehmen zu lassen.

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PIP-Silikonkissen: Auch deutsche Behörden empfehlen nun, die Brustimplantate vorsorglich entfernen zu lassen©

Im Skandal um Billig-Brustimplantate aus Frankreich rät nun auch Deutschland, die Silikonkissen herausnehmen zu lassen. "Die Mitteilungen von Ärzten, Fachgesellschaften und Kliniken zeigen, dass mögliche Gesundheitsrisiken durch vermehrt ausgetretenes Silikon auch dann entstehen können, wenn keine Rissbildung vorliegt", teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am Freitagabend mit. Frankreich und Tschechien hatten bereits geraten, die Implantate zu entfernen. Die britische Regierung sah dagegen am Freitag keinen Anlass, den mehr als 40.000 Frauen, die Prothesen der französischen Firma PIP tragen, generell die Operation zu empfehlen.

Das BfArM empfiehlt, dass die betroffenen Implantate als Vorsichtsmaßnahme entfernt werden sollten. Wie viele Frauen in Deutschland betroffen sind, ist nach Angaben des Bundesinstitus unklar. Die Daten würden derzeit von den Ländern gesammelt, sagte ein Sprecher. Weltweit sollen zwischen 400.000 und 500.000 Frauen minderwertige Silikonkissen der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) erhalten haben.

Implantate könnten Schadstoffe "ausschwitzen"

Bereits vor der offiziellen Empfehlung des BfArM hatten Fachverbände von Gynäkologen, plastischen und ästhetischen Chirurgen sowie Experten für Brustkrankheiten in einer gemeinsamen Erklärung darauf verwiesen, dass die PIP-Kissen beispielsweise bei Röntgenaufnahmen falsche Bilder erzeugen könnten. Außerdem müssten die Patientinnen, die die Einlagen behielten, mit dem Risiko eines erneuten komplizierten Eingriffs leben.

Nach Angaben des Berufsverbandes der Plastischen und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) gibt es auch Hinweise darauf, dass die Billig-Prothesen verstärkt "ausschwitzen" und damit Silikon durch die Hülle hindurch in den Körper abgeben. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, wäre "die Indikation zur Entfernung noch stärker gegeben", erklärte DGPRÄC-Präsident Peter Vogt.

PIP-Gründer: Gezielte Täuschung "schon Routine"

PIP-Gründer Jean-Claude Mas gab in einem Polizeiverhör zu, drei Viertel seiner Prothesen mit einem Billig-Gel gefüllt zu haben, das er mit einem für die Industrie bestimmten Silikon des deutschen Chemiegroßhändlers Brenntag zusammenmixte. Nur ein Viertel der Kissen habe das siebenmal teurere US-Produkt Nusil enthalten, das Mas auch gegenüber dem Tüv Rheinland angab. Der 72-Jährige räumte ein, den Tüv, der seine Kontrollen zehn Tage vorher ankündigte, gezielt getäuscht zu haben.

"Es war schon Routine, dass ich die Anweisung gab, alle Unterlagen zu verstecken, die einen Bezug zu dem nicht zugelassenen PIP-Gel hatten", sagte Mas, der seine Firma 2010 auflösen musste, laut dem von der Nachrichtenagentur AFP veröffentlichten Protokoll. Seine Angestellten hätten sogar ganze Container verschwinden lassen. PIP hatte weltweit hunderttausende Brustimplantate verkauft. Die Billigkissen reißen verstärkt und rufen Entzündungen hervor.

dho/AFP/DPA
 
 
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