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Europas gar nicht lustiges Pferdekarussell

Der Pferdefleischskandal ist nicht nur eine Geschichte über dubiose Geschäftsleute, sondern auch über blindes Vertrauen und abstruse Handelsstrukturen. Kurz: eine Story zum Gruseln.

Von Thomas Schmoll

  Eine Probe wird im Landeslabor Berlin-Brandenburg untersucht. Auch bei Aldi-Nord wurde in zwei Produkten Pferdefleisch entdeckt.

Eine Probe wird im Landeslabor Berlin-Brandenburg untersucht. Auch bei Aldi-Nord wurde in zwei Produkten Pferdefleisch entdeckt.

  • Thomas Schmoll

Rumänien. Osteuropa. Betrüger. Das klingt für viele nach einer plausiblen Kausalkette. Der angebliche Hort der Fleischpanscher stand deshalb schnell fest: Rumänien. Zumal auch ein mutmaßliches Motiv für Überschuss an Pferdefleisch existiert: Schließlich hat das Land vor sechs Jahren den Gebrauch von Pferdekutschen im öffentlichen Verkehr verboten. Das macht manchen wackeren Gaul überflüssig. Die britische Presse spricht von einer "rumänischen Pferdemafia". So verwundert es nicht, dass Präsident Traian Basescu längst zittert, die Glaubwürdigkeit seines Landes könnte "auf Jahre beschädigt sein". Doch bisher gibt es maximal Indizien, jedoch keinen einzigen Beweis dafür, dass Rumänen hinter dem Betrug stecken. Alles deutet daraufhin, dass die Hintermänner - in jedem Fall aber Komplizen - in Westeuropa sitzen. Wer genau - da wiederum tappen die Ermittler noch im Dunkeln. Sie müssen sich durch ein Dickicht aus abstrusen Handelsstrukturen wühlen, die Betrug eher erleichtern als erschweren.

Hinter den Machenschaften muss noch nicht einmal straff organisierte Kriminalität stecken, wie Politiker vor allem in Großbritannien vermuten. Das System ist leicht zu überlisten. Gemessen an der Menge des Pferdefleisches, das letztendlich in Fertiggerichten auf den Markt kam, ist der Skandal eher klein. Zugleich scheinen die bisherigen Daten aber auch nur die Spitze eines Eisbergs sichtbar zu machen: Funde von Pferdefleisch in Dönern sind Hinweise dafür, dass das Ganze Methode hat. Ermittlungen laufen in Großbritannien, Irland, Frankreich, Spanien und Deutschland. In Asien ist die Affäre nun auch angekommen. Eine Supermarktkette in Hongkong nahm eine Tiefkühllasagne aus den Regalen, weil sie "mit Pferdefleisch versetzt worden sein könnte, das keinen Tests auf Medikamente unterzogen wurde".

750 Tonnen Fleisch sind eine Marginalie

Der Unterschied zwischen unbelastetem Pferde- und Rindfleisch ist nicht so gravierend, dass bei Umdeklarierungen schnelle Millionengewinne winken, wie immer wieder kolportiert wird. Erst die Masse macht's. Ein Nachfragemarkt für Pferdefleisch existiert faktisch nicht. Dennoch ist die Zahl der Pferdeschlachtungen in vielen europäischen Staaten deutlich gestiegen. Manch Spanier oder Ire musste seinen geliebten Gaul der Eurokrise opfern. Auf der grünen Insel, wo der Skandal aufgedeckt wurde, endete dem Landwirtschaftsministerium in Dublin zufolge 2012 für 24.000 Pferde das Leben im Schlachthof. Drei Jahre zuvor waren es 3000 Tiere. In Großbritannien stieg die Zahl im selben Zeitraum von 3000 auf 9000 Pferde. In Spanien wurden vergangenes Jahr für fast 80.000 Pferde geschlachtet, ebenfalls eine Verdreifung im Vergleich zu 2009. Das Fleisch wird nach Russland, Frankreich und vor allem Italien exportiert, wo Pferd als Deliktatesse gilt. In Deutschland besteht schlicht keine Nachfrage. Die wenigen Liebhaber des Produktes achten auf Qualität. Und die kostet. "Wir können uns nicht vorstellen, dass Pferdefleisch zu einem Bruchteil des Preises für Rind legal gehandelt wird", sagt ein Sprecher des Deutschen Fleischerverbands.

Die Menge des Pferdefleisches, das als Rind verhökert worden ist, ist - gemessen am Fleischverbrauch in Europa - eine Marginalie. 750 Tonnen Pferdefleisch wurden seit August 2012 aus Rumänien nach Frankreich geliefert. Allein in Deutschland wurden laut Statistischem Bundesamt vergangenes Jahr acht Millionen Tonnen Fleisch erzeugt. Ein etwa 700 Kilo schweres Pferd bringt es auf etwas mehr als 400 Kilo Schlachtgewicht, bei einem Ackergaul oder einem Mastpferd können es durchaus 900 Kilo sein. Für 750 Tonnen Pferdefleisch müssen also gerade einmal 800 bis 1900 Exemplare geschlachtet werden. 2012 wurden in Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge 11.499 Pferde zum Metzger geführt. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr kamen 3.654.794 Rinder und 58.349.687 Schweine auf die Schlachtbank. "Die Gesamtmenge wird wahsninnig überschätzt", heißt es denn auch beim Bundesverband für Fleischwirtschaft zum aktuellen Fall.

Wie beim Waschen von Schwarzgeld

Für die Verbraucher ist entscheidend, dass sie sich im doppelten Sinne betrogen fühlen. Sie erwerben ein Gericht mit Rindfleisch, bekommen für ihr Geld billigen Ackergaul serviert und sind obendrein Opfer einer langen Betrugskette. Wie gesagt: Die Masse macht's. Werden 750 Tonnen Pferdefleisch billig erworben und - umdeklariert zu Rind - teuer weiterverkauft, geht der Gewinn in die Millionen. Der eigentliche Skandal - so wird es von Tag zu Tag offenkundiger - sind die Strukturen, die den Betrug ermöglichen. Ein einziges schwarzes Schaf unter den Händlern oder Herstellern kann das fragile Netz aus privatunternehmerischer Selbstkontrolle und staatlichen Stichproben ausnutzen, um Etikettenschwindel zu betreiben.

Bei Schwarzgeld gilt seit Jahrzehnten: Man schiebt es über Landesgrenzen so oft hin und her, bis es reingewaschen ist. Viel anders ist das nicht in der Fleischindustrie. Die Ware wird quer durch Europa geordert und transportiert, so dass erst in mühevoller Detektivarbeit herausgefunden werden muss, wer wen beliefert hat, wo die Bestellung gelandet und was daraus hergestellt worden ist. Gaunern bietet sich damit ein Tummelplatz für krumme Geschäfte. In den aktuellen Skandal sind europaweit zig Unternehmen verwickelt, fast täglich kommt ein weiteres hinzu. In welcher Supermarktkette auch immer in eine Lasagne oder andere Fertiggerichte gepiekst worden ist, es fanden sich Spuren von Pferdefleisch. Keiner will es gewesen sein, jeder Beteiligte übt sich in Schuldzuweisungen. Wer im strafrechtlichen Sinne mitmischte, wird noch ermittelt.

Selbst die Jungferninseln hängen mit drin

Der Skandal steht exemplarisch für dieses abstruse System. Wer Lebensmittel in einen EU-Staat importiert, muss für deren Qualität gerade stehen. Er muss prüfen, ob die Lieferung einwandfrei oder verseucht ist. Wird Fleisch zu Hack, ist die Überwachung schwierig. Bei Fertiggerichten scheinen die Überwachungslücken am größten zu sein. "Dass die Handelskonzerne bei Produkten, die in ihrer eigenen Verpackung, mit ihrem eigenen Namen als Hersteller ausgeliefert wurden, sechs Monate lang nichts von dem Betrug bemerkt haben wollen, lässt eigentlich nur zwei Schlussfolgerungen zu: Entweder sie sagen nicht ganz die Wahrheit oder es ist ihnen schlicht egal, was sie verkaufen, solange die Verbraucher nichts bemerken und solange sie sich sicher sein können, nicht juristisch dafür belangt zu werden", schimpft Matthias Wolfschmidt von Foodwatch.

"Ich kaufte rumänisches Pferdefleisch, das ist wahr"

Die staatlichen Kontrolleure führen Stichproben im Fleischhandel durch, was zur Folge hat, dass die Aufdeckung von dubiosen Deals auch vom Zufall abhängt. Irische Prüfer brachten den Pferdefleischskandal ins Rollen, als sie Mitte Januar verunreinigte Hamburger entdeckten. Wochenlang dauerte es, bis die Ermittler den Weg der Ware und deren Verarbeitung aufdecken konnten. "Das kann man nur sehr schwer feststellen", räumt der Leiter der luxemburgischen Veterinärinspektion, Felix Wildschütz, ein.

Der Weg der Rind-Pferdefleisch-Lasagne in Supermärkte ging über mehrere Länder unter indirekter Beteiligung der britischen Junferninseln. Das luxemburgische Unternehmen Tavola, das dem französischen Tiefkühlwarenhersteller Comigel gehört, bestellt Tonnen von Rinderhack bei der französischen Firma Spanghero. Die wiederum ordert Fleisch bei Draap Trading auf Zypern. Draap - umgekehrt gelesen heißt es auf Holländisch Pferd (paard) - ist im Besitz einer Gesellschaft auf den British Virgin Islands und wird von Belgien aus von dem Niederländer Jan Fasen geführt, der Anfang 2012 in erster Instanz zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden war, weil er Pferdefleisch aus Südamerika als Rinderhack in Europa in den Handel gebracht haben soll - angeblich mit Millionengewinn. Der bestellte in Rumänien die Ware. Das Pferdefleisch wurde vermutlich de facto über ein niederländisches Lagerhaus in Breda nach Frankreich geliefert, von den Rumänen nach Erkenntnissen französischer Ermittler einwandfrei als Pferd etikettiert. Dem britischen "Guardian" sagte Fasen: "Ich kaufte rumänisches Pferdefleisch, das ist wahr. Das ist es, was ich dem Kunden verkaufte. Es war klar ausgewiesen, so dass ich nicht für irgendwelche späteren Probleme beschuldigt werden kann."

2,8 Millionen Packungen

Spanghero lieferte das Fleisch an Tavola. Die luxemburgische Firma vertreibt Fertiggerichte über Zwischenhändler in 16 Ländern, so dass ein und dasselbe Produkt unter diversen Namen in verschiedenen Supermarktketten zu haben ist. Und so zog der Skandal von Land zu Land. Bis zu 2,8 Millionen Packungen Lasagne, Cannelloni oder Moussaka aus dem Hause Tavola sollen betroffen sein. Keine Firma will Schuld auf sich geladen haben. "Wir wussten nicht, dass es sich um Pferdefleisch handelte", behauptet Spanghero. Bei anderen Unternehmen heißt es: "Wir sind Opfer von Etikettenschwindel geworden. Wir sind nicht die Täter." Glaubt man allen Lieferanten, Verwertern, Zwischenhändlern und Supermarktketten, hat niemand jemals etwas gewusst.

Offenbar kam auch niemand auf die Idee zu prüfen, was er verarbeitet oder verkauft, ob die Ware die ist, die geordert wurde. Lidl nahm zum Beispiel seine "Combino Tortelloni Rindfleisch" aus dem Angebot. Der Hersteller, die Liechtensteiner Firma Hilcona, wies eventuelle Mitschuld von sich und gab bekannt, dass die Rohware von der deutschen Firma Vossko komme. Laboruntersuchungen des Unternehmens mit Sitz in Ostbevern bei Münster ergaben tatsächlich, dass "von einem der vier in Frage kommenden Lieferanten falsch deklarierte Ware geliefert wurde". Doch den will Vossko nicht nennen. Der Betrieb hält sich eine Schadenersatzklage offen - und klagt über "stark beschädigtes" Vertrauen. Die Brandenburger Firma Dreistern-Konserven musste eingestehen, Pferde-DNA sei in ihrem Produkt "Rindergulasch 540g Omnimax" nachgewiesen worden. Zu den Ursachen erklärte die Firma: "Die nachgewiesen Spuren von Pferde-DNA können im Rahmen der Fleischverarbeitung bereits durch die Nutzung gemeinsamer Schlachthäuser oder Transportbehälter entstanden sein." Ob das jeder Verbraucher als vertrauensbildend empfindet, kann bezweifelt werden. Auf der Webseite des Unternehmens heißt es: "Dreisterin, abgeleitet von der höchsten Auszeichnung für Restaurants - den drei Sternen - vereint modernste und qualitative Produktion mit den Grundlagen traditioneller Rezepturen und Erfahrungen." Na dann: Guten Appetit.

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