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Arzt wirbt für E-Zigaretten - und stellt sie selbst her

Mediziner und Unternehmer in Personalunion - was die Berufsordnung mehr als kritisch sieht, betreibt ein Bonner Arzt für elektronische Zigaretten, wie ein stern-Bericht aufdeckt.

  Dampf statt Rauch: Ob elektronische Zigaretten geeignet sind, um sich das Rauchen abzugewöhnen, ist medizinisch umstritten.

Dampf statt Rauch: Ob elektronische Zigaretten geeignet sind, um sich das Rauchen abzugewöhnen, ist medizinisch umstritten.

Dass ein Arzt das Rauchen empfiehlt, erscheint mehr als merkwürdig, auch wenn es elektronische Zigaretten sind. Der Bonner Arzt Jürgen Ruhlmann wirbt jedoch nicht nur für die dampfenden Zigaretten. Er stellt sie als Unternehmer auch selbst her. Das berichtet der stern in seiner am Mittwoch erscheinenden Ausgabe.

Laut der Berufsordnung der zuständigen Ärztekammer Nordrhein ist "eine Werbung für eigene oder fremde gewerbliche Tätigkeiten oder Produkte im Zusammenhang mit der eigenen ärztlichen Tätigkeit (...) unzulässig". Ruhlmann hält dagegen, alles sei transparent und er selbst quasi doppelt vorhanden: "Es ist offen und bekannt, dass ich sowohl Mediziner als auch Unternehmer bin", sagt er.

Wie viel "Made in Germany" steckt wirklich in Snoke

Ruhlmanns Firma Snoke verkauft "Germany´s e-cigarette", die der Arzt persönlich entwickelt hat. Snoke ist der drittgrößte Anbieter von elektronischen Zigaretten in Deutschland und kann den medizinischen Titel des Professors als Wettbewerbsvorteil nutzen. In Veröffentlichungen wird Ruhlmann als Arzt zur E-Zigarette befragt, ohne dass seine Geschäftsinteressen Erwähnung finden.

Auch warb Ruhlmann persönlich für wissenschaftliche Fürsprache für seine Zigaretten. Dazu besuchte er am 13. Dezember 2011 die Expertin Martina Pötschke-Langer am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Ohne Erfolg: "Ich finde es hoch problematisch, dass ein Arzt offen für elektronische Zigaretten wirbt. Das sind keine sicheren Produkte", sagt Pötschke-Langer.

Immerhin soll es sich bei Snoke um ein hochwertiges, deutsches Gerät handeln, so Ruhlmanns Firma. "Die Snoke GmbH & Co KG darf rechtmäßig die Bezeichnung ‚Made in Germany' verwenden", sagt Ruhlmann. Indes liegen dem stern Informationen vor, dass Snoke jedenfalls in der Vergangenheit Lieferungen aus China bezogen hat. Bis heute nennt die chinesische Firma Kangertech die Bonner als Kunden, noch im Februar 2014 war eine Snoke-Zigarette in der Kundenvitrine des Unternehmens ausgestellt.

Astrid Viciano und Ivo van Woerden
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