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Augen lasern - Besser sehen Dank OP?

Für wen ist der Eingriff geeignet, was können Geräte leisten und welche Risiken drohen?

Rund 52 Millionen Deutsche tragen eine Brille oder Kontaktlinsen. Viele von ihnen träumen von einem Leben ohne Sehhilfe und überlegen, ob sie sich dafür operieren lassen sollen.

Gängigstes Verfahren aus der so genannten Refraktiven Chirurgie (Refraktion = Lichtbrechung) ist die Lasik-Operation ("Laser-in-situ-Keratomileusis"). Mittlerweile mehr als hunderttausend Korrekturen werden jedes Jahr mit dieser Methode in Deutschland durchgeführt. In den USA zielen die Chirurgen pro Jahr bei mehr als zwei Millionen Fehlsichtigen aufs Auge. "In einigen Regionen ist es dort bereits ein Zeichen von Armut, Brille zu tragen", sagt Markus Kohlhaas, erster europäischer Professor für Refraktive Chirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden.

Bei der Lasik durchtrennt der Chirurg mit einem Mikromesser zunächst die oberflächliche Hornhaut und klappt ein Deckelchen davon zur Seite. Dann trägt er mit dem Laser Gewebe der tiefer liegenden Hornhautschicht ab. Bei Kurzsichtigen geschieht das im zentralen Augenteil, bei Weitsichtigen eher seitlich. Anschließend wird die hauchdünne Lamelle wieder zurückgeklappt (siehe Grafik). Die Operation dauert nur wenige Minuten und ist schmerzfrei, denn das zu operierende Auge wird mit Tropfen betäubt. Kurz nach dem Eingriff wird das Auge nochmals untersucht und mit einem durchsichtigen Verband abgedeckt.

Wenig Wundschmerzen und Narben

Die Lasik kommt für Kurzsichtige bis minus zehn Dioptrien, Weitsichtige bis plus drei Dioptrien sowie Patienten mit leichter Hornhautverkrümmung, so genannte Stabsichtige, infrage. Viele Patienten können schon 24 Stunden nach der Operation ohne Brille oder Kontaktlinsen sehen. Verglichen mit anderen Verfahren verursacht der Eingriff wenig Wundschmerzen und Narben. Ein Jahr nach der Operation braucht nur noch jeder Zehnte weiterhin eine Sehhilfe.

Etwa 15 Prozent der Interessierten müssen die Experten auf andere Methoden vertrösten. Sie sind zu stark kurz- oder weitsichtig, haben zu große Pupillen, trockene Augen oder eine zu dünne Hornhaut. Auch Patienten mit Autoimmun- oder Bindegewebserkrankungen wie Neurodermitis oder Rheuma dürfen sich keiner Laseroperation unterziehen. Bei Schwangeren und Stillenden verbietet der hormonell erhöhte Wassergehalt der Hornhaut die Laseroperation. Ausgeschlossen sind auch Kinder und Jugendliche, bei denen das Auge noch wächst.

Für stark Kurzsichtige mit bis zu minus 25 Dioptrien und Weitsichtige mit bis zu plus 9 Dioptrien kann die IOL-LC-Methode (Intraokulare Linse lobster-claw) eine Alternative sein. Dabei wird das Auge am Rand eröffnet und eine Kunstlinse vor die eigene Pupille implantiert, an der Iris befestigt oder im Randbereich der Augenvorderkammer (Kammerwinkel) abgestützt. Bei Problemen kann die Linse wieder entfernt werden. Andere Modelle sitzen hinter der Pupille (ICL). Bisher gibt es jedoch keine Erfahrungen über die Langzeitwirkung der Verfahren.

Präziser und gewebeschonender

An bislang fünf Instituten ist in Deutschland der so genannte Femto-Sekundenlaser im Angebot. Bei der Technologie, die in den USA schon seit längerem eingesetzt wird, schneidet der Chirurg nicht wie bei der Lasik mit einem mechanischen Mikromesser in die oberflächliche Hornhaut, stattdessen wird die Lamelle per Laser präpariert. Vor allem Patienten mit dünner Hornhaut oder starker Fehlsichtigkeit wird mit dieser Doppel-Laser-Strategie Hoffnung gemacht. Präziser und gewebeschonender soll sie sein.

Erste Studien können das jedoch nicht bestätigen. Viele Experten stehen dem Femto-Sekundenlaser daher eher kritisch gegenüber. "Es ist ein schönes Spielzeug, das im Vergleich aber keine bahn- brechenden Vorteile bringt", sagt Kohlhaas. Er warnt vor einer häufigen Nebenwirkung des Verfahrens: "Etwa jeder fünfte Patient leidet nach dem Eingriff unter einer Entzündungsreaktion der Hornhaut, der nur mit hoch dosiertem Kortison beizukommen ist."

Die besten Ergebnisse mit Laseroperationen erreichen Kurzsichtige. Wer zum Beispiel eine Sehschwäche von etwa minus 3 Dioptrien hat, kann sich mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit darauf freuen, nach dem Eingriff nur noch einen Unterschied von plus/minus 0,5 Dioptrien zu haben. "Je größer aber die Sehschwäche ist, desto mehr Hornhaut muss abgetragen werden und desto unpräziser wird die Sache", erklärt Kohlhaas.

Komplikationen nicht auszuschließen

Auch wenn die Fachleute mit mittlerweile ausgefeilten Geräten am Hornhautgewebe hobeln: Komplikationen bei der Lasik sind nicht auszuschließen. Außer über Infektionen und Vernarbungen der Laserwunde klagen bis zu einem Viertel aller Operierten über eine anfänglich gestörte Nachtsicht durch Blendungen oder Halos, kreisförmige Nebel, die sich um Lichtquellen legen. Häufig ist auch die Kontrastempfindlichkeit gemindert. Einer von hundert Patienten muss mit ernsthafteren Komplikationen rechnen.

Vorschriften bei der Polizei und der Lufthansa tragen dem Rechnung: Piloten der Airline haben nach einer Laseroperation ein Jahr Flugverbot. Bei der Polizei müssen Bewerber nach einer solchen Operation zwei Jahre auf ihre Einstellung warten. Untersuchungen über die Folgen der Lasik gibt es erst seit sechs Jahren.

Etwa 2200 Euro kostet der Eingriff pro Auge. In aller Regel müssen gesetzlich Versicherte die Laserbehandlung komplett selbst zahlen. Nur wenn es medizinische Gründe für die Operation gibt - etwa weil die Augen so unterschiedlich stark sind, dass sie Mühe mit der Verarbeitung von Bildern haben -, übernimmt die Kasse die Kosten. Viele Sehschwache machen sich daher auf die Suche nach dem geschärften Blick zum Schnäppchenpreis. Sie reisen in die neuen EU-Länder, die Türkei oder nach Russland und lassen sich die Augen zu Dumpingpreisen in drei Tagen lasern, Vor- und Nachuntersuchungen inbegriffen. Viele müssen nach ihrer Heimkehr schmerzlich erfahren, dass billiges Lasern aufgrund der Nachbehandlungen sogar teuerer werden kann als ein Eingriff zu Hause.

Problematisch sind alte Geräte

Problematisch sind laut Kohlhaas vor allem alte Geräte, die bei den Billiganbietern häufig angewendet werden. Sie verursachten ganz andere Komplikationen als die modernen Systeme hierzulande: "Wenn ein Patient zum Beispiel wegen einer dezentrierten Zone mit Doppelbildern zu uns kommt, muss ich nicht fragen, wo er sich hat operieren lassen."

Auch Über- und Unterkorrekturen, Blendungen, Faltenbildungen oder trockene Augen müssen bei den Laser-Touristen öfter als bei den hiesigen Patienten nachbehandelt werden. Umfassende Voruntersuchungen mit modernsten Vermessungssystemen, Hochfrequenzkameras und High-Tech-Instrumenten, wie sie in deutschen Kliniken Standard sind, verhindern einen Großteil dieser Komplikationen schon im Vorfeld.

Als zusätzliches diagnostisches Wundermittel wird häufig die so genannte Wellenfrontmessung beworben. Mit ihr können Abbildungsfehler des Auges an mehr als 50 Messpunkten bestimmt werden. Auf einer Art Landkarte ermittelt dann der Augenarzt neben den Brechkraftfehlern weitere Effekte, die das Sehen stören. Laut dem Professor aus Dresden ist es aber nicht nötig, jeden routinemäßig mit Wellenfront zu vermessen. "Sinn macht das nur bei Patienten, die zum Beispiel eine extrem starke Hornhautkrümmung haben oder die noch mal operiert werden müssen." High-Tech-Geräte hin oder her - die Laseroperation ist und bleibt ein irreversibler Eingriff in den gesunden menschlichen Körper. "Dazu raten würde ich daher nie", so Kohlhaas. "Wenn es aber medizinisch vertretbar und der Patient aufgeklärt ist, kann man es schon machen."

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