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Holzspielzeug ist häufig schadstoffbelastet

Gefahr im Kinderzimmer: Untersuchungen von Stiftung Warentest ergaben ein erschreckendes Ergebnis. In der Mehrzahl der Spielzeuge fanden sich Schadstoffe und anderes Bedenkliches.

Von Lea Wolz

  Bunt und belastet: Spielzeug enthält laut Stiftung Warentest noch immer häufig Schadstoffe

Bunt und belastet: Spielzeug enthält laut Stiftung Warentest noch immer häufig Schadstoffe

Der kuschelige Teddy, das neue Plastikspielauto, die Lieblingspuppe - damit können sich Kinder stundenlang beschäftigen. Vor allem die Kleineren nehmen die Sachen auch gerne einmal in den Mund, Inhaltsstoffe können sich dabei leicht lösen und in den Körper gelangen. Was in die Hände von Kindern kommt, sollte daher keine schädlichen Stoffe enthalten. Soweit der Wunsch.

Die Realität sieht häufig anders aus, wie eine Analyse von Stiftung Warentest zeigt. Die Tester überprüften 50 Spielzeuge für Kinder unter drei Jahren; in über 80 Prozent fanden sie gesundheitsgefährdende Schadstoffe. Zwei Drittel der Spielzeuge waren stark bis sehr stark belastet. Sieben Produkte wiesen dabei eine so hohe Konzentration auf, dass sie eigentlich gar nicht in den Handel hätten gelangen dürfen. Bei fünf Produkten lösten sich Einzelteile, die von Kindern leicht verschluckt werden können. Lediglich acht Spielzeuge waren schadstofffrei.

Besorgniserregend ist das vor allem, da Kinder gegenüber solchen Schadstoffen empfindlicher sind als Erwachsene - und daher besonders geschützt werden sollten. Garantieren soll das eigentlich die EU-Spielzeugrichtlinie, die erst im vergangenen Jahr überarbeitet wurde und in ihrer neuen Fassung 2011 in Kraft tritt. Die Verbote und Grenzwerte bei Chemikalien greifen allerdings erst 2013. Die Spielzeugrichtlinie legt Sicherheitsanforderungen fest, die in der EU vertriebenes Spielzeug erfüllen muss. Demnach darf keine Gesundheits- oder Verletzungsgefahr von diesem ausgehen.

Doch das ist häufig nicht der Fall. Mit Schadstoffen belastete Holzpuzzle, Plüschtiere mit Weichmacher und Plastikfiguren mit Schwermetallen - Stiftung Warentest fand viele gefährliche Spielgefährten. Überraschend für die Tester: Vor allem Markenware von Händlern wie Steiff, Brio, Eichhorn, Fisher Price oder Nici fiel bei gängigen Sicherheitstests durch. Ein Plüschaffe brannte lichterloh, obwohl die Spielzeugrichtlinien vorschreiben, dass sich die Flammen nur begrenzt ausbreiten dürfen und bestenfalls von selbst erlöschen. Ein Hase einer Billigmarke enthielt gar den verbotenen Weichmacher DEHP, der die Fruchtbarkeit schädigen kann. Das Schwermetall Blei, das bereits in geringen Mengen das Nervensystem schädigt, fand sich in den Ohren des Plüschtiers. Den Hasen und einen Teddy, der einen krebserregenden Farbstoff enthielt, haben die Hersteller mittlerweile aus dem Sortiment genommen.

Plastik besser als Holz

Krebserregende, erbgutveränderndernde und fortpflanzungsschädigende Schadstoffe - sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) - entdeckten die Tester am häufigsten in den untersuchten Spielwaren. Sie gelangen häufig über Weichmacher ins Spielzeug. Erschreckend auch: Gerade Holzspielzeug, auf das Eltern gerne als sichere Alternative zu Plastikspielsachen zurückgreifen, überzeugte im Test nicht. Ob Flammschutzmittel, Formaldehyd oder Nickel - keines der untersuchten Holzprodukte war schadstoffrei. Da schnitten diesmal sogar die Plastikprodukte besser ab. In einer Holzlok fanden sich zu hohe Mengen Nickel - ein Allergen, das zu den Stoffen zählt, die am häufigsten Kontaktallergien der Haut auslösen.

Je mehr Schadstoffe austreten, desto größer ist das Risiko, dass diese eingeatmet werden, über die Haut oder den Mund in den Körper gelangen und dort langfristig Schaden anrichten. Die Grenzwerte müssen daher möglichst gering sein. Doch Stiftung Warentest bemängelt, dass genau dies meist nicht der Fall sei. Für das krebserregende Benzoapyren, eine Verbindung, die zu den PAK gehört, sieht die neue EU-Spielzeugrichtlinie ab 2013 einen Grenzwert von 100 Milligramm pro Kilogramm Spielzeug vor. "Dabei können selbst minimalste Mengen davon schädlich sein - besonders bei Kindern", sagt Bärbel Vieth, Chemikerin beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Für bekannte krebserzeugende PAK sollte daher ein Grenzwert von 0,2 Milligramm pro Kilogramm nicht überschritten werden, diesen Vorschlag hat Deutschland im Rahmen der EU-Chemikalienrichtlinie Reach bei der EU eingebracht. Auch beim BfR schließt man sich diesem Grenzwert an.

Kritik an EU-Spielzeugrichtlinie

In einer Stellungnahme zur neuen EU-Spielzeugrichtlinie kritisiert das BfR, dass die Regelungen zur chemischen Sicherheit von Spielzeug nicht ausreichen und teilweise sogar zur einer Verschlechterung des Verbraucherschutzes führen. So wurden die Grenzwerte für Schwermetalle wie Blei gegenüber der alten Richtlinie zum Teil sogar erhöht. Auch Allergene, darunter selbst 55 verbotene allergieauslösende Stoffe, dürfen noch in Spuren vorhanden sein. "Die EU-Spielzeugrichtlinie ist in wichtigen Punkten noch nachbesserungsbedürftig", sagt Chemikerin Vieth. Bei Stiftung Warentest sieht man dies ähnlich.

Denn die Funde der Verbraucherschützer sind bei weitem kein Einzelfall. Immer wieder entdecken Verbraucherschützer Schadstoffe im Spielzeug. So legte die EU-Kommission vor kurzem einen alarmierenden Bericht vor, demzufolge jedes vierte mechanische Spielzeug in Europa nicht sicher ist. 2009 warnte das BfR vor krebserregenden Weichmachern im Kinderspielzeug. Zuvor war Spielzeug aus China vermehrt in Verruf geraten, da es vor allem wegen erhöhter Bleiwerte in großem Stil zugerufen werden musste.

Doch noch immer ist China ein großer Spielzeuglieferant. Über die Hälfte der von Stiftung Warentest untersuchten Produkte stammte von dort. Viel gebessert habe sich seit den Rückrufaktion 2007 allerdings nicht, bemängelt Warentest. Noch immer kommen viele gefährliche Spielsachen aus dem Reich der Mitte.

CE-Zeichen ist Augenwischerei

Da auch mit der neuen Spielzeugrichtlinie kein verpflichtender Spielzeug-TÜV eingeführt wurde, ist es für Verbraucher weiterhin schwer, sicheres Spielzeug zu erkennen. Zwar sind viele Produkte mit dem CE-Siegel gekennzeichnet. Wirklich hilfreich ist es allerdings nicht, denn es wird von den Herstellern selbst angebracht und unterliegt keiner Kontrolle durch unabhängige Prüflabore. Wie wenig sich Verbraucher auf das CE-Zeichen verlassen können, zeigt auch der aktuelle Test: Ob belastet und gefährlich oder nicht - das Siegel prangte auf allen 50 Produkten, denn es ist schlichtweg Pflicht.

Besser ist daher das GS-Zeichen ("Geprüfte Sicherheit"), das eine freiwillige Kontrolle der Qualität und Sicherheit des Spielzeuges durch unabhängige Dritte - wie zum Beispiel den TÜV - garantiert. Doch auch auf dieses Siegel ist nicht immer Verlass. Ein Schiebepferd und ein Plüschaffe waren trotz unabhängiger Prüfzeichen nicht sicher genug, schreibt Stiftung Warentest.

Fazit: Beim Kauf von Spielzeug sollten Eltern nach wie vor kritisch sein: Denn trotz EU-Spielzeugrichtlinie ist vieles auf dem Markt, das der Gesundheit der Kleinen schaden kann. Stiftung Warentest rät daher, Puppen, Plüschtiere und Holz- und Plastikspielzeug vor dem Kauf zu untersuchen: Lösen sich Kleinteile ab? Riecht es auffällig? Oder lassen sich Lacke leicht abkratzen? Wer ein auffälliges Produkt entdeckt, sollte das Gewerbeamt informieren. Bestätigt sich der Verdacht, kann die Behörde dafür sorgen, dass das gefährliche Spielzeug vom Markt genommen wird.

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