EU will Verbraucher vor Werbelügen schützen

31. März 2008, 19:51 Uhr

Sie sollen vor Erkältungen schützen, die Blase stärken und Haarausfall vermindern - manche Lebensmittel versprechen mehr, als sie halten. Solche Werbelügen sind nun verboten.

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Erdbeeren schmecken am besten, wenn die Zeit dafür reif ist©

Spargel zu Weihnachten, Erdbeeren im Februar und Tomaten das ganze Jahr über - Verbraucher haben sich daran gewöhnt, alles jederzeit haben zu können. So geht ihnen beim Einkaufen mit der Zeit das Gefühl für die Jahreszeiten verloren. Wer weiß überhaupt noch, wann Tomaten eigentlich Saison haben? Oder Paprika? Und wozu auch? Wissenschaftler antworten darauf: Weil das Prinzip "alles gibt es immer" der Umwelt schadet.

Pflanzen, die in Deutschland gar nicht wachsen, müssen von weit her importiert werden, per LKW, Schiff und Flugzeug. Gemüse und Obst, das schon vorzeitig reif ist, ringen Bauern der Natur mit großem Aufwand und mit Hilfe von Chemikalien ab. Für Tomaten und Kopfsalat etwa braucht es beheizte Gewächshäuser, die reichlich Energie verbrauchen - sonst wächst das Gemüse im Winter nicht.

Auf einen Blick: Hier finden Sie den Saisonkalender für Obst und Gemüse

Frühe Früchte enthalten viele Rückstände

Damit Erdbeeren ein paar Wochen früher auf den Markt kommen, liegen in Spanien ganze Landstriche unter Folie. Das feuchtwarme Klima unter dem Plastik lässt allerdings auch Pilze gut gedeihen, deshalb behandeln die meisten Bauern ihre Früchte entsprechend stark mit Pflanzenschutzmitteln. Lebensmittelüberwachungsämter warnen daher regelmäßig vor den frühen Früchten: Sie enthalten meist enorme Rückstände dieser Substanzen. Oft liegen die Konzentrationen deutlich über den gesetzlichen Grenzwerten. Solche Erdbeeren können gesundheitlich bedenklich sein.

Gemüse aus dem Treibhaus ist oft stärker mit Nitrat belastet als Pflanzen, die im Freien wachsen durften. Nitrate sind natürliche Mineralstoffe, die im Boden lagern. Sie dienen allen Pflanzen als Nährstoff, sind also harmlos. Gefährlich werden Nitrate aber, wenn das Gemüse gekocht wird. Dann wandelt sich Nitrat in gesundheitsschädliches Nitrit um. Nitrat kommt zwar natürlicherweise im Erdreich vor, die größte Menge gelangt jedoch über Düngemittel in die Pflanzen. Je weniger Licht im Treibhaus, desto langsamer bauen die Pflanzen den Stoff ab. Vor allem im Winter enthält Gemüse aus dem Gewächshaus darum viel Nitrat.

Manche Gemüsesorten, zum Beispiel rote Bete, Spinat, Mangold oder Rauke, speichern Nitrat besonders stark. Gemüse aus Bio-Anbau ist meist erheblich nitratärmer als das aus konventioneller Landwirtschaft. Doch auch hier gilt: Hat das Gemüse Saison, ist der Nitratgehalt am geringsten.

Der Lohn für die Geduld: Frische und Geschmack

Täglich werden tonnenweise Früchte und Gemüse quer durch die Welt gekarrt, verschifft und geflogen. Die Kosten schlagen sich im Ladenpreis nieder, doch nicht nur da: Der Wunsch der Verbraucher, ständig alles bekommen zu können, belastet auch die Umwelt. Zudem gehen auf den langen Wegen viele Vitamine und Nährstoffe verloren. Und der richtige Geschmack kann gar nicht erst entstehen: Oft werden die Früchte unreif geerntet, um sie über weite Strecken transportieren zu können.

Ernährungsexperten, Umwelt- und Verbraucherschützer raten: Bevorzugen Sie, wenn möglich, Lebensmittel aus heimischem Anbau und wählen Sie Gemüse und Obst möglichst nach der Saison. Das ist billiger und schont die Umwelt. Auch Bio-Ware ist deutlich günstiger, wenn man sich beim Einkauf danach richtet, was gerade bei uns reift. Während der Saison kosten Bio-Kartoffeln zum Beispiel nur unbedeutend mehr als konventionell erzeugte Kartoffeln.

Ein weiteres Plus: Gemüse der Saison schmeckt besser. Denn Spinat, Kopfsalat oder Zucchini wachsen dann im Freien. Sie bekommen Luft und Sonne und entwickeln so meist mehr Aroma und Nährstoffe als im Gewächshaus. Da sie nicht um die halbe Welt geschafft werden, dürfen sie in aller Ruhe reifen und landen genau dann frisch und knackig auf dem Markt, wenn sie am besten schmecken.

Das bedeutet nicht, dass Sie ab sofort jeden Tag ausschließlich regionale und saisonale Produkte kaufen und alles andere verschmähen sollten. Das wäre auch realitätsfremd. Seinen Speiseplan durch importierte Ware zu ergänzen, ist völlig in Ordnung. Das sorgt für jene Vielfalt, die ebenfalls oft empfohlen wird. Es geht vielmehr darum, ein besseres Gefühl für seine Nahrung zu entwickeln und dafür, wie und unter welchen Bedingungen Lebensmittel produziert werden. Zu wissen, was wann wächst und am besten schmeckt, ist ein Gewinn.

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