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So seltsam sieht es aus, wenn Menschen laufen und auf dem Smartphone tippen

Britische Forscher haben untersucht, wie sich unser Gang verändert, wenn wir auf dem Smartphone tippen. Das Ergebnis: ziemlich witzig.

Laufen + Smartphone = komischer Gang

Laufen + Smartphone = komischer Gang

An ihren Anblick hat man sich längst gewöhnt: Smartphone-Texter, die durch Fußgängerzonen stolpern, an Bordsteinen hängen bleiben oder im Schneckentempo über Bürogänge schleichen. Dass das Daddeln mit dem Smartphone im öffentlichen Raum keine gute Idee ist, dürfte den meisten klar sein. Dennoch gibt es immer wieder Unerschrockene, die zu behaupten wagen, sie könnten Texten und Laufen problemlos unter einen Hut bekommen. Alle jenen sei eine Studie der britischen Anglia Ruskin-Universität ans Herz gelegt, die jüngst im Fachmagazin "Plos One" veröffentlicht wurde. Deren Kernbotschaften: Nein, Laufen und gleichzeitiges Spielen auf dem Smartphone sind wirklich keine gute Idee. Und ja, es sieht obendrein sehr merkwürdig aus.

In einem kleinen Experiment untersuchten die Forscher, wie sich unser Gang verändert, wenn wir ein benutzen. Dafür baten sie 21 Menschen, eine kurze Strecke zurückzulegen, auf der sie verschiedene zu überquerende Hindernisse aufgebaut hatten. Insgesamt vier Schwierigkeitsgrade mit je drei Durchgängen gab es. Die Studienteilnehmer bewältigten den Parcours 1. ohne ihr Smartphone, 2. während sie damit telefonierten, 3. auf dem Gerät einen Text lasen oder 4. damit eine Nachricht schrieben.


Dabei zeigte sich: Mit dem Smartphone brauchten die Testpersonen deutlich mehr Zeit, die Strecke zurückzulegen, als ohne. Die durchschnittliche Zeit ohne Smartphone lag bei 4,8 Sekunden. Telefonierende Studienteilnehmer benötigten rund eine Sekunde länger. Beim Lesen brauchten die Teilnehmer im Schnitt 6,3 Sekunden - da waren sie noch einmal etwas langsamer. Der größte Zeitfresser war jedoch mit Abstand das Schreiben einer Nachricht: Mehr als doppelt so lang waren die Teilnehmer unterwegs, wenn sie auf dem Smartphone tippten, anstatt ganz normal zu laufen -nämlich ganze 10,5 Sekunden anstelle der üblichen 4,8 Sekunden.

Dribbeln statt Schreiten

Obendrein veränderten sie dabei auch ihren Gang: Anstatt wie gewohnt über Hindernisse zu steigen, wandten sie eine bestimmte Technik an, welche sich laut den Forschern am ehesten als "Strategie des behutsamen Schritte-Setzens" beschreiben lässt. So neigten die Smartphone-User eher dazu, kurze Schritte zu setzen und ihren Vorderfuß beim Übersteigen von Hindernissen anzuheben. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Teilnehmer so ein Stolpern verhindern wollten.


"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Smartphone-User seltener und kürzer auf den Boden blicken, aber der Gang in der Weise angepasst wird, dass statische Hindernisse sicher überquert werden können", schreibt Studienautor Matthew Timmis in einer Mitteilung der Universität. "Das führt dazu, dass Smartphone-User langsamere und übertriebenere Schritte setzen." Zu Unfällen oder Zusammenstößen könne es aber dennoch kommen - etwa wenn Hindernisse auftauchten, die der Smartphone-User schlicht übersehen.

Zwar sind die Ergebnisse der Studie nicht repräsentativ, da das Experiment mit nur wenigen Teilnehmern durchgeführt wurde. Und sicher kommen einige Menschen mit der Doppelbelastung aus Schreiben und Laufen besser zurecht als andere. Ein Anlass, das eigene Tipp-Verhalten zu hinterfragen, ist sie aber dennoch: Spare ich beim Multitasken wirklich Zeit, oder bin ich ein stolperndes Hindernis für meine Mitmenschen? Falls die Frage ehrlicherweise mit 'Ja' beantwortet werden kann, sollte das Smartphone besser in der Hosentasche bleiben.

ikr

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