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31. Mai 2011, 22:05 Uhr

Spanien sauer auf deutsche Ehec-Fahnder

Spanische Gurken unschuldig - die Mitteilung der Hamburger Ehec-Fahnder sorgte in Madrid für Empörung: Deutschland habe Spanien ohne Beweise irreparabel geschadet.

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Spanische Gurken sind wohl doch nicht an der Welle von Ehec-Infektionen schuld© Daniel Kalker/DPA

Die Nachricht sorgte gleichzeitig für Erleichterung und Entrüstung auf der iberischen Halbinsel: Der auf spanischen Gurken in Hamburg entdeckte Ehec-Erreger, hat die Erkrankungswelle offenbar nicht ausgelöst. Das habe eine Laboruntersuchung bei zwei der drei sichergestellten Gurken ergeben, teilte die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag mit. Es habe sich bei beiden Proben keine Übereinstimmung mit dem grassierenden Erreger des Typs O104, der aus Stuhlproben von Patienten isoliert wurde, gezeigt. Nach Angaben der Senatorin wurden jedoch andere Ehec-Erreger auf den Gurken aus Spanien nachgewiesen. Die Ergebnisse zweier weiterer Proben lägen noch nicht vor.

Die Regierung in Madrid forderte daraufhin die sofortige Wiederaufnahme des kompletten Handels mit spanischem Gemüse. "Nun zeigt sich, dass spanische Gurken nicht der Auslöser der Ehec-Infektionen waren", sagte Agrarministerin Rosa Aguilar. Deutschland habe Spanien ohne Beweise die Schuld für die Infektion zugeschoben und der spanischen Landwirtschaft damit irreparablen Schaden zugefügt, kritisierte Aguilar. "Wir werden ... sehen, ob wir von Deutschland finanzielle Verantwortung für die verursachten Schäden fordern." Bei den Produzenten in Spanien hätten die Unterstellungen einen Schaden von wöchentlich 200 Millionen Euro angerichtet.

"Wir sind enttäuscht von der Art, wie Deutschland mit dieser Krise umgegangen ist", sagte die Ministerin. Niemand in ihrem Land sei an Ehec erkrankt. Auch dies zeige, dass die Ursache nicht in Spanien liegen könne. Es gebe nur zwei infizierte Spanier, die sich bei einer Reise in Deutschland angesteckt hätten.

"Nach wie vor ist die Quelle nicht identifiziert"

Nach Ansicht von Prüfer-Storcks war es dagegen richtig, die Untersuchungsergebnisse vor einigen Tagen zu veröffentlichen. "Denn die Verunreinigungen können sehr wohl Ehec auslösen", erklärte die Senatorin. Der Schutz von Leben müsse wichtiger sein als wirtschaftliche Interessen. "Nach wie vor ist die Quelle nicht identifiziert", sagte die SPD-Politikerin. Solange die Ursache des Ehec-Ausbruchs unklar sei, gelte weiter die Warnung des Robert Koch-Instituts. Die Behörde hatte empfohlen, Tomaten, Salatgurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu essen. Im Hamburger Hygiene-Institut würden auch viele weitere Lebensmittel untersucht.

Damit fängt die Suche nach der Infektionsquelle wieder bei Null an. Möglicherweise hilft dabei ein neuer Schnelltest aus Münster. Er kann den lebensgefährlichen Darmkeim innerhalb von vier Stunden bis zu einem Tag nachweisen - sowohl bei Patienten mit Durchfall als auch auf Gemüse. "Es ist ein Werkzeug für die Suche nach der Quelle", sagte ein Sprecher des Universitätsklinikums Münster. Es sei speziell auf den aktuell grassierenden Ehec-Stamm zugeschnitten. Den Test könne jedes molekularbiologische Labor machen.

Erstes Todesopfer außerhalb Deutschlands

Die Zahl der Todesopfer in Deutschland stieg unterdessen auf 15 - davon sind 13 Frauen. Inzwischen gibt es bundesweit mehr als 1500 Ehec-Infektionen und Verdachtsfälle, vor allem im Norden. Allein in Hamburg wurden bisher fast 600 Ehec- und Verdachtsfälle gemeldet. Viele Patienten leiden unter einem besonders schweren Verlauf, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Es kann unter anderem zu Nierenversagen und Hirnschäden führen.

Das EHEC-Bakterium breitet sich auch im Ausland weiter aus. Nach Angaben der EU-Kommission sind aber nur Menschen betroffen, die jüngst in Deutschland waren - oder Deutsche im Ausland. In Schweden starb eine Frau, die zuvor eine Deutschland-Reise gemacht hatte, an dem Darmkeim. Sie ist das erste Todesopfer außerhalb Deutschlands.

In Schweden gibt es nach Angaben der dortigen Behörden etwa 40 bestätigte Ehec-Fälle, in Dänemark erhöhte sich die Zahl der Kranken auf mindestens 14. Aus Norwegen wurde eine Erkrankung gemeldet. Der EU-Kommission lagen zum Teil noch niedrigere Zahlen vor.

In der Schweiz erkrankte eine Frau. Laut EU-Kommission zählten die Behörden in den Niederlanden sieben Verdachtsfälle und in Großbritannien drei mögliche HUS-Fälle. Auch in Frankreich gebe es sechs Erkrankte. Amerikaner sollen sich ebenfalls mit dem Keim angesteckt haben.

Der Ehec-Keim "Ehec" ist eine Abkürzung für Enterohämorrhagische Escherichia coli, eine gefährliche Variante der eigentlich harmlosen Kolibakterien. Bei Ehec handelt es sich um ein Darmbakterium mit der Eigenschaft, bestimmte Zellgifte, sogenannte Shigatoxine, zu produzieren, die bei Menschen schwere Erkrankungen auslösen können. Möglich sind etwa blutige Durchfälle oder als Komplikation das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das ein Nierenversagen verursachen kann. Es gibt Hunderte verschiedener Ehec-Stämme. Den aktuellen Erreger haben die Forscher des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Münster identifiziert: „Es handelt sich um einen Vertreter des Typs ‚HUSEC 41’ des Sequenztyps ST678", sagt Institutsdirektor Helge Karch. Der extrem seltene Erreger wird auch Serotyp O104:H4 genannt. Als Serotypen werden verschiedene Varianten eines Bakteriums bezeichnet. Das O beschreibt hierbei die Oberflächenstruktur des Erregers, und das H steht für verschiedene Geißel-Antigene, mit denen das Bakterium sich fortbewegt. „Bei Ehec gibt es 186 O-Antigene und 53 H-Antigene, die in jeglicher Kombination auftreten können", sagt Mikrobiologe Lothar Beutin, Leiter des Nationalen Referenzlabors für Escherichia coli am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Somit gebe es zahlreiche Serotypen.

mad/DPA
 
 
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