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Gefahren der Antibabypille - absetzen oder weiter nehmen?

Die Pille ist ein beliebtes Verhütungsmittel, doch die Angst, dass Hormone dem Körper über lange Zeit schaden könnten, lässt viele Frauen irgendwann nach Alternativen suchen. Doch sind die Sorgen begründet und sollte man wirklich mal eine Pillenpause einlegen?

Eine angebrochene Pillenpackung

Viele Frauen nehmen über Jahre die Antibabypille. Ist das gut?

Viele Frauen nehmen die Pille über Jahre ein - immerhin gilt sie mit als sicherstes Verhütungsmittel. Doch mit Ende 20 oder Mitte 30 fragen sich viele, ob das eigentlich noch gut für sie ist - oder ob sie ihrem Körper nicht mal eine Pause gönnen sollten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Gibt es so etwas wie eine empfohlene Maximaleinnahmedauer?

Nein, es gibt keine Studien, die Folgeschäden einer Langzeiteinnahme belegen würden. Auch die Behauptung, dass die Pille das Brustkrebsrisiko erhöhe, ist nicht belegt. Im Grunde kann die Pille bis zur Menopause eingenommen werden. "Es gibt inzwischen genügend Belege dafür, dass die natürliche Hormonbalance durch eine langjährige Einnahme nicht gestört und die Fruchtbarkeit nicht beeinträchtigt wird", sagt Michael Ludwig, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit dem Schwerpunkt gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Hamburg.

Frauen mit abgeschlossenem Kinderwunsch wird dennoch oftmals zur Spirale geraten, da so die tägliche Einnahme wegfällt und die hormonelle Dosierung deutlich geringer ist. Das Gestagen wirkt direkt in der Gebärmutter und gelangt nur in kleinen Mengen ins Blut. Einen Einfluss auf das Thromboserisiko hat die Spirale auch nicht. Mädchen und Frauen, die noch kein Kind geboren haben, erleben das Einsetzen der Spirale teilweise aber als schmerzhaft, da die Gebärmutter noch kleiner ist. 

Dauert es länger, schwanger zu werden, wenn man über viele Jahre die Pille eingenommen hat?

Dass Frauen länger brauchen, um schwanger zu werden, hat meist mit der natürlichen Hormonsituation der Frau oder auch mit ihrem zunehmenden Alter zu tun, so der Reproduktionsmediziner.  Doch es liegt nicht an der Pille, wenn eine Frau nicht sofort nach Absetzen schwanger wird.

Viele Frauen würden die Pille eigentlich gerne absetzen, fürchten aber, dass ihre positiven Effekte damit auch verschwinden - etwa reine Haut oder eine schmerzfreie Menstruation. Ist diese Sorge berechtigt? 

Eine Akne kann aufgrund eines hormonellen Ungleichgewichts entstehen, etwa wenn eine Frau zu viele männliche hat. Die Pille kann dies ausgleichen. Wird sie irgendwann abgesetzt, kann eine solche hormonbedingte Akne wieder auftreten. Man müsste die Situation abwarten und dann neu beurteilen, sagt Ludwig dazu. Die Ursache für die Akne ist dann aber nicht eine durch die Pille gestörte Hormonbalance, sondern die Tatsache, dass die Störung des Hormonhaushalts durch die Einnahme der Pille unterdrückt wurde und nun wieder im Ungleichgewicht ist.

Eine sehr schmerzhafte Menstruation kann auf eine Endometriose hindeuten. "Das ist eine Erkrankung, bei der die Gebärmutterschleimhaut auch an andere Stellen im Bauchraum 'gewandert' ist", erklärt Ludwig. Wenn solche Schmerzen nach dem Absetzen der Pille wieder auftauchen, dann sollte man eine weitergehende Abklärung abwägen oder einen erneuten Start der Pille diskutieren, rät der Gynäkologe.

Sollte man eine Pillenpause einlegen, wenn man gerade keinen festen Sexualpartner hat?

Früher wurde empfohlen, einmal im Jahr eine einmonatige Pillenpause zu machen. "Wir empfehlen heute keine Pillenpause mehr", sagt Ludwig. Denn die Gefahr einer ist in den ersten Monaten der Pilleneinnahme am höchsten - danach lässt sie nach. Nach sechs bis zwölf Monaten sei das Risiko bereits sehr niedrig, so Ludwig. Doch jedes Mal, wenn die Pille für nur vier Wochen oder länger abgesetzt und danach wieder neu eingenommen wird, erhöht sich auch das anfängliche Thromboserisiko wieder.

Sollte man aus Angst vor einer Thrombose auf die Pille verzichten?

Wenn eine Frau über Jahre die Pille genommen hat, ohne dass es zu einer Thrombose kam, dann ist die Wahrscheinlichkeit, noch eine zu bekommen, sehr gering. Wer die Pille als Verhütungsmittel erwägt, muss sich die Zahlen anschauen und dann für sich entscheiden.  

  • Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) entwickeln von 10.000 Frauen, die keine Pille nehmen und nicht schwanger sind, in einem Jahr etwa zwei eine Thrombose.
  • Von den Frauen, die mit einer Antibabypille verhüten, die neben Östrogenen Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat enthält, entwickeln etwa 5-7 von 10.000 ein solches Blutgerinsel.
  • Bei Verhütung mit Östrogenen, Desogestrel, Gestoden oder Drospirenon entwickeln etwa 9 bis 10 von 10.000 Anwenderinnen  eine Thrombose. 
  • Von 10.000 Frauen, die ein Kontrazeptivum verwenden, das Drospirenon, Gestoden oder Desogestrel enthält, sind 9 bis 12 betroffen.

Thrombosen sind normalerweise nicht lebensbedrohlich, wenn sie frühzeitig erkannt und sofort behandelt werden. Bei vielen Frauen, bei denen eine Thrombose oder Lungenembolien schwer bis tödlich verlief, wurden die Anzeichen von den Ärzten nicht richtig erkannt. Eine Thrombose äußert sich zunächst durch dumpfen Schmerz in den Unterbeinen, Kniekehlen oder im Unterarm. Ähnlich einem Muskelkater oder Krampf. Wer nicht raucht, nicht übergewichtig ist und bei Start der Pilleneinnahme unter 30 Jahre alt ist, hat ein niedrigeres Thromboserisiko.

Ärzte sollten vor allem junge Erstanwenderinnen besonders ausführlich über Risiken aufklären und darauf hinweisen, dass Verhütungspillen keine "Lifestyle-Produkte" sind, sondern Arzneimittel, die mit Risiken verbunden sein können. "Die Verordnung darf nicht aus kosmetischen Gründen erfolgen", schreibt das BfArM.

mh

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