Was Gentests bringen und wie riskant sie sind

30. April 2013, 18:25 Uhr

Ob in der Krebstherapie oder bei der vorgeburtlichen Diagnose: Gentests kommen immer häufiger zum Einsatz. Sogar über das Internet werden sie mittlerweile angeboten - doch das birgt Risiken.

Gentests, Diagnostik, Ethikrat, PID

Auch bei der vorgeburtlichen Diagnostik kommen Gentests zum Einsatz©

Ob im Kampf gegen Volkskrankheiten, bei der vorgeburtlichen Diagnostik oder in der Krebstherapie: Gentests spielen in Forschung und Medizin eine immer größere Rolle. Sie sind aber nicht unumstritten. In einer aktuellen Stellungnahme forderte der Deutsche Ethikrat mehr Aufklärung und Beratung.

Welchen Nutzen hat die Gendiagnostik?

Aufgrund der technischen Entwicklung liefern Gentests zum Teil wichtige Erkenntnisse über Ursache, Verlauf und die richtige Therapie von genetisch bedingten Erkrankungen. Das gilt vor allem für Krankheiten, die durch den Defekt in einem einzelnen Gen verursacht werden wie Mukoviszidose, aber auch für einige Tumorerkrankungen. Zudem ermöglicht es die genetische Diagnostik, Patienten gezielt mit einem bestimmten Medikament zu behandeln, was die Therapieplanung verbessert. Diese Tests werden derzeit vor allem in der Krebstherapie angewendet.

Welche Gefahren gibt es?

Die genetischen Datenmengen wachsen rasant - und die Befunde. Schnellere Analysen, sinkende Kosten und immer mehr Angebote im Internet machen Gentests heute für viele Menschen zugänglich, was diese aber überfordern kann. Denn nicht alle Informationen seien relevant, warnt der Ethikrat. So sind Gentests, die das Risiko für Volkskrankheiten wie Diabetes erkennen sollen, meist kaum verwertbar, weil viele Gene und auch die Umwelt eine Rolle spielen. Zudem erkrankt nicht zwingend jeder Träger eines defekten Gens. Laut Ethikrat besteht eine große "Gefahr von Fehlinterpretationen und Missverständnissen".

Warum ist gerade die Pränataldiagnostik so umstritten?

Vorgeburtliche Gentests werfen viele rechtliche und ethische Fragen auf. Das zeigte sich zuletzt sehr deutlich bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) und bei einem neuen Bluttest zur Diagnose des Down Syndroms bei Embryos. Um die PID, bei der im Reagenzglas erzeugte Embryos schon vor dem Einpflanzen in den Mutterleib auf mögliche Erbschäden untersucht werden, wurde lange gerungen. Kritiker warnten vor "Designer-Babys". Auch der Bluttest zum Down Syndrom, der riskante Fruchtwasseruntersuchungen in vielen Fällen überflüssig machen soll, löste eine grundsätzliche Debatte über den Umgang mit Behinderung aus.

Welche Position vertritt der Ethikrat?

Es gibt kein einheitliches Votum. Eine Mehrheit forderte eine Beschränkung vorgeburtlicher Gentests. So soll der neue Bluttest nur angewendet werden dürfen, wenn es ein erhöhtes Risiko für eine genetische Störung gibt. Acht Mitglieder des Ethikrats lehnten solche Einschränkungen ab. Sie befürworten sogar eine Ausweitung der Tests. Ungeborene sollen demnach auch auf Krankheiten getestet werden, die erst viel später ausbrechen können. Zugleich unterstrich der Ethikrat die Wertschätzung für Eltern, die sich für ein behindertes Kind entscheiden.

Sind die gesetzlichen Regelungen ausreichend?

Der Ethikrat fordert Änderungen am Gendiagnostikgesetz. Unter anderem soll darin der Umgang mit überschüssigen genetischen Daten und möglichen Nebenbefunden klar geregelt werden. Bei Minderjährigen sollen die Gentests auf solche Daten beschränkt werden, die zum Beispiel zur Ermittlung einer konkreten Krankheitsursache notwendig sind. Zudem soll klargestellt werden, dass die Beratung immer im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient erfolgt.

Wie seriös sind im Internet angebotene Gentests?

Bei diesen meist über das Internet angebotenen Direct-to-Consumer-Tests (DTC) sollen anhand einer Speichelprobe gesundheitliche Risikofaktoren ermittelt werden. Auch Vaterschaftstests gehören dazu. Einige Firmen vermarkten Tests für 20 bis über 100 Erbkrankheiten gleichzeitig, ohne dass ein Arzt eingeschaltet wird. Teilweise werden die Tests auch über Fitnessstudios oder Ernährungsberater angeboten. Laut Experten ist die Gefahr einer Fehl- oder Überinterpretation für die Kunden groß. Der Ethikrat fordert daher eine EU-weite Regelung für einen besseren Schutz der Verbraucher.

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