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So gefährlich ist ein Schädel-Hirn-Trauma

Schweres Schädel-Hirn-Trauma lautet die Diagnose bei Michael Schumacher. Ärzte haben ihn ins künstliche Koma versetzt. Entscheidend ist, wie schnell sie Hirndruck und Blutung in den Griff bekommen.

Von Lea Wolz

  Im Universitätskrankenhaus von Grenoble wird Michael Schumacher behandelt.

Im Universitätskrankenhaus von Grenoble wird Michael Schumacher behandelt.

Als "außerordentlich ernst" bezeichnen die Ärzte des Universitätsklinikums im französischen Grenobl den Zustand von Michael Schumacher. Der 44-Jährige habe ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit Blutergüssen und Prellungen im Gehirn erlitten. Die Verletzungen seien im Gehirn "weit verbreitet", hieß es auf einer Presskonferenz. Doch was genau bedeutet das?

"Ein Schädel-Hirn-Trauma kann verschieden schwer sein und von einer leichten Hirnerschütterung bis zu einem schweren Verlauf mit Hirnschwellungen, Blutungen und möglicherweise sogar Infarkten reichen", sagt Uwe Kehler, Leiter der Neurochirurgie am Asklepios Klinikum in Hamburg-Altona stern.de. Ausgelöst wird ein solches Trauma durch Schläge oder Stöße, im Fall von Michael Schumacher durch den Aufprall des Kopfes auf einen Stein.

Dass der ehemalige Formel-1-Pilot kurz nach dem Unfall noch ansprechbar war, ist dem Neurochirurgen Kehler zufolge erst einmal ein gutes Zeichen: "Die direkten Verletzungen durch den Sturz waren wohl nicht so schlimm." Ein Grund aufzuatmen ist das dennoch nicht: "Nach dem Unfall auftretende Blutungen zwischen Gehirn und Schädeldecke oder im Hirngewebe können gefährlich werden und den Hirndruck insgesamt steigen lassen", sagt Kehler. Auch Schwellungen infolge des Stoßes sind zu befürchten - ähnlich wie bei einem Knöchel, den man sich verstaucht hat. Das Problem: Da das Gehirn vom knöchernen Schädel umschlossen ist, kann es sich nicht ausdehnen. "Durch den Druckanstieg wird gesundes Gewebe eingeklemmt. Es wird weniger durchblutet und mit Sauerstoff versorgt, das Hirn selbst ist in Gefahr", sagt Kehler. Es könne daher durchaus sein, dass ein Patient zuerst noch ansprechbar sei, später dann aber - wie im Fall von Schumacher - ins Koma falle.

Für Prognosen noch zu früh

Dann ist rasches Handeln notwendig: Um den Hirndruck möglichst schnell zu senken, öffnen die Ärzte in einer Operation den Schädel. "Ziel dabei ist es, weitere Hirnschäden zu vermeiden", sagt Kehler. Sind Blutungen aufgetreten, versuchen die Neurochirurgen, diese operativ zu stoppen und zu entfernen. Doch mitunter sei auch eine Operation allein nicht ausreichend, um den Druck im Hirn zu mindern. "Dann erhält der Patient zusätzlich abschwellende Medikamente und wird sediert, um ihn richtig zu beatmen", sagt Kehler. Auch dies könne den Druck im Hirn senken.

Um weitere Schäden am Gehirn zu verhindern, haben die behandelnden Ärzte Michael Schumacher zudem mit Medikamenten in ein künstliches Koma versetzt. "Der Stoffwechsel wird dabei soweit wie möglich heruntergefahren, damit das Gehirn wenig Sauerstoff verbraucht", sagt Kehler. Vier bis zehn Tage wird ein solches künstliches Koma dem Neurochirurgen zufolge in der Regel aufrechterhalten, es könne aber auch mehrere Wochen andauern.

Zu Prognosen und Überlebenschancen äußerten sich die behandelnden Ärzte in Grenoble nicht. Dazu könne man noch nichts sagen, hieß es auf der Presskonferenz. Auch Kehler zufolge lassen sich die Folgeschäden momentan nicht abschätzen: "Eine kleine Verletzung an einer prekären Stelle im Gehirn kann große Schäden hinterlassen. Größere Verletzungen an weniger wichtigen Hirnteilen hinterlassen dagegen keine bleibenden Schäden. Aus den Aufnahmen des Gehirns ist häufig nicht herauszulesen, welche Stellen - etwa das Sprachzentrum oder das motorische Zentrum - irreversibel geschädigt sind und welche nicht." Das könne erst festgestellt werden, wenn der Patient aus dem künstlichen Koma zurückgeholt wird.

"Wie sich alles entwickelt, ist daher nicht absehbar", betont Kehler. Bekommen die Ärzte den Hirndruck nicht in den Griff, wird das Gehirn im schlimmsten Fall nicht mehr richtig durchblutet und der Patient kann daran sterben. Nimmt der Hirndruck nicht schnell genug ab, können schwere neurologische Schäden zurückbleiben. "Die schweren Verletzungen können auch zu einem Wachkoma führen", sagt Kehler. Im besten Fall erholen sich Patienten nach einem Schädel-Hirn-Trauma wieder vollständig. Geschädigte Hirnareale können zwar nicht wieder hergestellt werden, aber andere Hirnregionen können ihre Funktion übernehmen.

Der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) zufolge kommt es in Deutschland pro Jahr zu 400 Schädel-Hirnverletzungen pro 100.000 Einwohner. 300 von ihnen müssen stationär im Krankenhaus behandelt werden. Bei 180 ist das Schädel-Hirn-Trauma so schwer, dass langfristige Schäden zu erwarten sind, 40 sterben. Bei unter 45-Jährigen sind schwere Schädel-Hirnverletzungen die häufigste Todessache.

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