Eine Blutvergiftung ist nicht harmlos - pro Jahr sterben etwa 60.000 Deutsche an Sepsis. Jeder dritte Tote könnte noch leben, sagen Experten. stern.de zeigt, wie Sie eine Sepsis erkennen. Von Martina Janning
Kaum eine Krankheit wird so unterschätzt wie die Sepsis, im Volksmund Blutvergiftung genannt. Jedes Jahr erkranken mehr als 150.000 Menschen in Deutschland an Sepsis, etwa 60.000 sterben daran. "Damit ist Sepsis die dritthäufigste Todesursache in Deutschland", sagt der Intensivmediziner Konrad Reinhart, Vorsitzender der Global Sepsis Alliance (GSA). Nach seiner Einschätzung wäre rund jeder dritte Todesfall durch Sepsis hierzulande vermeidbar.
Doch jeder zweite Deutsche kenne noch nicht einmal den Begriff Sepsis, beklagt Reinhart. Auch Ärzte seien oft ungenügend informiert. Viele Erkrankungen würden daher erst diagnostiziert, wenn es für eine Behandlung zu spät sei. Um die Gefahren der Erkrankung bekannter zu machen, organisiert die GSA am 13. September den ersten Welt-Sepsis-Tag. Über 40 Länder beteiligen sich daran.
Krankheiterreger befallen Organ für Organ
Eine Sepsis ist eine Infektion, bei der Krankheitserreger ins Blut gelangen und ein Organ nach dem anderen befallen. Die Erreger und von ihnen produzierte Botenstoffe setzen eine Reihe von Reaktionen auf die Entzündung in Gang. Dies ist eigentlich eine sinnvolle Antwort des Körpers, um sich gegen die gefährlichen Keime zu wehren. Kann der Körper die Reaktion auf die Entzündung aber nicht mehr auf den Ursprungsort begrenzen, breiten sich die Keime oder ihre Giftstoffe über das Blut im ganzen Organismus aus. Dabei können im schlimmsten Fall innerhalb sehr kurzer Zeit mehrere Organsysteme gleichzeitig versagen - und zum Tode führen.