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Virologen sehen keine Gefahr für Deutschland

In Lateinamerika grassiert das Zika-Virus, allein in Brasilien sollen 1,5 Millionen Menschen erkrankt sein. Auch in Deutschland gab es bereits Fälle. Grund zur Sorge sei das jedoch nicht, glauben Experten.

  Überträger des Zika-Virus: die Mückenart Aedes aegypti

Überträger des Zika-Virus: die Mückenart Aedes aegypti

Die Gesellschaft für Virologie (GfV) sieht durch das vor allem in Südamerika grassierende Zika-Virus keine Gefahr für Deutschland. "Das Zika-Virus wird sich nicht in Deutschland ansiedeln", erklärte der Bonner Virologe Christian Drosten. Es gebe derzeit "keinerlei Anzeichen" dafür, dass das Virus künftig über in Deutschland vorkommende Moskitos übertragen werden könnte. Die wenigen hierzulande bekannten Zika-Infektionen wurden alle eingeschleppt.

"Wären die Bedingungen in Deutschland ganzjährig gegeben, wäre Deutschland längst ein Verbreitungsgebiet des Dengue-Fiebers, das sich seit Jahren sehr viel stärker ausbreitet als das Zika-Virus", erklärte der GfV-Experte Drosten. Ähnlich hatten sich zuvor bereits das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) und Tropenmediziner geäußert, die die Gefahr für Deutschland als gering einschätzen.

Zika-Viren nutzen wie die Erreger des Denguefiebers die Mückenart Aedes aegypti, um sich zu verbreiten. Die sogenannte Gelbfiebermücke kommt in Deutschland gar nicht vor. Eine weitere, mögliche Überträgerin, die Asiatische Tigermücke, gibt es nur sehr punktuell in Süddeutschland. Auch die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg erwarten keine Verbreitung des Virus durch eingeschleppte Fälle in Deutschland.

Das RKI hält die Wahrscheinlichkeit von in Deutschland erworbenen Zikavirus-Infektionen ebenfalls für "sehr gering". Dass infizierte Patienten und die Asiatische Tigermücke aufeinandertreffen und das Virus dadurch übertragen wird, sei prinzipiell denkbar, aber auch im Sommer "statistisch unwahrscheinlich", erklärte RKI-Experte Klaus Stark. Diese Situation könnte sich theoretisch in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten ändern, wenn sich die Asiatische Tigermücke flächendeckend in Süddeutschland ausbreite und zugleich mehr Zikavirus-Infektionen importiert würden, fügte Stark hinzu.

Zika-Virus führt bei Ungeborenen zu Fehlbildungen des Schädels

Das besonders für Ungeborene während der Schwangerschaft gefährliche Zika-Virus grassiert derzeit vor allem in Südamerika. Inzwischen wurde es auch in mindestens sieben europäischen Ländern diagnostiziert. Das Zika-Virus führt bei etwa 20 Prozent der Infizierten zu grippeähnlichen Symptomen und ist normalerweise nicht tödlich. Schwangere können das Virus aber auf ihre ungeborenen Kinder übertragen, bei denen es zu gefährlichen Fehlbildungen bis hin zur Mikrozephalie – einem extrem kleinen Kopf – führen kann.

Der wissenschaftliche Beweis steht zwar noch aus, aber ein Zusammenhang gilt als sehr wahrscheinlich. Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen das Virus und kein Medikament zur Behandlung Erkrankter.

ikr/AFP
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