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Vom Freeganer bis zum Flexitarier

Die Fleischdebatte in Deutschland ist in vollem Gange: Zwar weilen immer noch Millionen Fleischesser im Lande, der allgemeine Verbrauch geht jedoch zurück. Vegetariertum liegt im Trend: Manche verzichten ganz auf tierische Erzeugnisse, andere essen auch Fisch. Dass Vegetarier nicht gleich Vegetarier ist, zeigt diese Übersicht.

An der Currywurst-Bude sieht man Vegetarier selten - es sei denn, die Wurst ist aus Tofu. Aber auch Fleischesser machen sich zunehmend Gedanken über die Herkunft ihres Essens - und verzichten lieber aufs Steak. Weltweit soll es eine Milliarde Vegetarier geben, über 200 Millionen davon in Indien. Und auch in Deutschland sehen Experten einen Trend. In Deutschland sinkt der Fleischkonsum seit Jahren. Am Weltvegetariertag weisen Vegetariergruppen auf Probleme wie Massentierhaltung oder Hunger in Entwicklungsländern auf Grund des Fleischkonsum hin. Eine Übersicht für Leute, die mitreden wollen:

Die Fleischesser

Vor allem Männer verzichten ungern auf Fleisch und Wurst. Laut Verzehrstudie des Bundesernährungsministeriums essen sie davon doppelt so viel wie Frauen. Jeder Deutsche verputzt 88,2 Kilogramm Fleisch im Jahr, sagen Statistiker. Besonders mit dem Wirtschaftswunder in den 50er Jahren nahm der Fleischhunger der Deutschen rapide zu - Kind dieser Zeit ist der Mett-Igel. Derzeit geht der Konsum wieder nach unten. Experten fordern ein weltweites radikales Umdenken. Ihre Sorge: Wächst die Weltbevölkerung weiter so schnell, könne nicht genügend Fleisch für alle beschafft werden.

Die Vegetarier

Ob Ex-Beatle Paul McCartney (69), Rockröhre Nina Hagen (56) oder Baywatch-Nixe Pamela Anderson (44) - viele Prominente verzichten auf Fleisch. Hierzulande gibt es laut Vegetarierbund rund sechs Millionen Anhänger - Tendenz steigend. Weltweit soll es eine Milliarde Vegetarier geben, davon allein mehr als 200 Millionen Inder. Erhielt die Bewegung lange Zeit etwa aus Glaubensgründen Zulauf, geben heute viele Verweigerer eine gesündere Lebensweise sowie den Tier- und Umweltschutz als Grund an. Studien zufolge ist der typische Vegetarier in Deutschland weiblich, jung und gut ausgebildet.

Die Veganer

Sie streichen Milch, Eier, Gelatine oder Honig von ihrem Speiseplan. Manche Veganer nennen sich darum Hardcore-Vegetarier. Manche verzichten sogar auf tierische Nebenprodukte wie beispielsweise Leder, Wolle oder Daunenfedern. Mediziner sorgen sich indes um die Gesundheit der Veganer, weil der Verzicht zu Nährstoffmangel und damit zu Krankheiten führen könne. Mancher Veganer ergänzt seine Ernährung darum um bestimmte Zusatzpräparate.

Die Flexitarier

Sie sind gegen Massentierhaltung, möchten die Umwelt schützen oder ihre Gesundheit verbessern - auf Fleisch ganz verzichten wollen Flexitarier aber nicht. Dafür achten die "Teilzeit-Vegetarier" darauf, was auf dem Teller landet. Statt industriellem Billigfleisch landet etwa teures Bio-Steak in der Pfanne. Ein Befürworter der maßvollen, flexiblen Haltung ist der US-Schriftsteller Jonathan Safran Foer ("Tiere essen"). Kritiker werfen Flexitariern indes vor, damit nur ihr Gewissen zu beruhigen. Andere sehen im Flexitarismus einen Trick der Industrie, um vom konsequenten Fleischverzicht abzuhalten. Laut einer Forsa-Studie gibt es hierzulande 42 Millionen Flexitarier.

Die Pescetarier

Fleisch, nein danke, heißt auch das Motto der Pescetarier. Allerdings essen sie guten Gewissens Fisch und Meeresfrüchte. Daher leitet sich auch ihr Name ab: Das italienische "pesce" bedeutet Fisch. Ihr Hauptanliegen ist es, ein Zeichen gegen unwürdige Haltung von Landtieren zu setzen. Eier, Milch oder Honig sind bei manchen allerdings erlaubt.

Die Frutarier

Selbst vielen Extrem-Veganern gelten sie als Sonderlinge - bei Frutariern landen auf dem Tisch nur Produkte oder Früchte von Pflanzen, die bei der Ernte nicht, wie es heißt, sterben müssen. Also etwa Obst oder Nüsse. Möhren, Fenchel, Lauch und Co. sind dagegen tabu. Radikale Vertreter essen gar nur Obst, das auf natürliche Weise vom Baum gefallen ist. Ihre Haltung hat etwa ethische Beweggründe, weil sie der Natur keinen Schaden zuzufügen.

Die Freeganer

Hierbei handelt es sich um eine sehr konsumkritische Ernährungsform, denn Freeganer versuchen kostenlos zu leben. Abgelaufene Joghurts oder angematschtes Obst - ihre Mahlzeiten suchen sie etwa im Abfall von Supermärkten und Restaurants. Daher stammt ihr Spitzname Mülltonnentaucher. Viele von ihnen leben vegetarisch. Freeganer wollen auf Verschwendung, Überfluss und die weltweite Armut hinweisen. Laut Welternährungsorganisation FAO landen jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll. In den USA und Europa schmeißt jeder im Jahr bis zu 115 Kilogramm Essen weg.

Julian Mieth, DPA/DPA

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