Das strahlende Lächeln von Hollywood

8. Oktober 2008, 14:02 Uhr

Nicht einmal Hollywoods ungekrönter König kann es sich leisten, schlechte Zähne zu haben: George Clooney bekennt sich zu seinem Zahnschöpfer Bill Dorfman. Von Christine Kruttschnitt

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Veneers und exzessives Bleaching machte die Klatschpresse kürzlich am Gebiss von George Clooney aus©

"Wollen Sie meinen Lieblingszahnarztwitz hören?“, fragt Dr. Dorfman und zeigt vorab schon mal seine strahlend weißen Zähne. Es ist fünf Uhr nachmittags, er kommt gerade aus seiner Praxis in Century City, einem Viertel in Los Angeles voller Filmstudios und Luxushotels. Am Vormittag hat er einer Patientin die Zähne aufgehellt, später ein Fernsehinterview gegeben, jetzt muss er sich um den weltweiten Vertrieb seiner Erfindung kümmern, eine Zahnbleichmethode mit dem schönen Namen „Zoom!“.

Ein erlöstes Lächeln bis zu den Molaren

Dr. Dorfman sagt von sich selbst, er sei Amerikas prominentester Zahnarzt, räumt aber sofort ein, der Superlativ sei ein wenig kurios, denn wie viele Berühmtheiten habe sein Gewerbe schon hervorgebracht. Bill Dorfman ist der einzige Zahnarzt, dessen Namen und Tausend-Watt-Grinsen die Nation zuverlässig wiedererkennt.

Sein medialer Ruhm rührt von einer Fernsehsendung her, in der von der Natur nicht eben gesegnete Zeitgenossen sich einer Runderneuerung unterzogen: In "Extreme Makeover" beobachtete seit 2002 allwöchentlich ein schauderndes Millionenpublikum, wie Brüste gehoben und vergrößert, Bäuche leergesaugt und kleingeschnippelt, Kinne modelliert, Nasen zertrümmert, Stirnen geglättet wurden. Ein neues Gebiss kam fast immer dazu, am Schluss jeder Folge zeigten die Probanden ein erlöstes Lächeln bis zu den Molaren.

"Über schöne Zähne kann man nicht streiten"

Es war Dorfman, der ihre dentalen Steinbrüche in Form brachte - im weißen Kittel schritt er vor die Kamera; um jenen baten die Fernsehleute, denn sonst sieht er aus wie ein Dressman. "Sehen Sie, über falsche Brüste kann man sich streiten", sagt der telegene Doktor, der dreimal die Woche im Fitnessstudio schwitzt und unter dem Arztmantel Bauchmuskeln verbirgt, nicht weniger stramm als die von Matthew McConaughey.

„Oder über Facelifts. Davor schrecken viele zurück, es ist ihnen zu künstlich, zu extrem. Aber haben Sie schon einmal jemanden sagen hören, man soll zu seinen hässlichen Zähnen stehen? Ich gebe den Menschen ein schönes Lächeln! Wer hätte da moralische oder gar medizinische Einwände? Aber zu meinem Witz.“

Also: Kommt ein Mann zum Zahnarzt. Das ist überhaupt schon mal das falsche Wort. Zahnarzt, da denkt man an Bohrer und Sauger, Angstschweiß und speichelschwere Wattebäusche. Dorfmans Profession nennt sich „Cosmetic Dentistry“, ein rasant blühender Zweig der Zahnmedizin, der in den USA jährlich 2,75 Milliarden Dollar umsetzt. Keine andere kosmetische Prozedur lassen die Amerikaner so willig über sich ergehen wie das Auffrischen ihrer von Kaffee und Rotwein, Nikotin und Alter vergilbten Hauer.

In Hollywood sind weiße Zähne Arbeitsvoraussetzung

Ohne Preis kein Weiß: Die auf „whitening“ eingestellten Praxen vermelden, dass ihre Patienten im Durchschnitt 5500 Dollar für die Behandlung ausgeben, einige nennen gar 20 000 Dollar. Im Durchschnitt. Und das sind nur Zahlen für Umsätze im Sprechzimmer. Mit Weißmachern für zu Hause, die man im Super- und Drogeriemarkt kaufen kann, werden in den USA jährlich fast anderthalb Milliarden Dollar erwirtschaftet. Eine New Yorker Supermarktkette hat 14 verschiedene Produkte im Angebot – Cremes, Gels und Streifen zum Auf-die-Zähne-Kleben –, dazu 51 Zahnpastamarken, die allesamt mit Aufhellerwirkung werben. „GoSmile“, „SexySmile“, woodSmile“ blitzt es von den Regalen: Wer jetzt nicht lacht, ist selber schuld.

Eine „neue kosmetische Obsession“ nennt das Glamourblatt „W“ Amerikas Verhältnis zu gepflegten Kauwerkzeugen. Nun herrschte dortzulande schon immer eine gewisse orale Sorgfalt, man denke an die unzähligen Zahnspangenkinder in amerikanischen Spielfilmen aus den 50er und 60er Jahren, da erinnerte der Wildwuchs im deutschen Kindermund noch an den Teutoburger Wald. Aber seit die Babyboomer – die Generation von Bill Clinton und Bill Gates, Madonna und Oprah Winfrey – einfach nicht alt werden wollen, ist das Geschäft mit der ewigen Adoleszenz explodiert. „Und weiße Zähne“, sagt Dorfman, der dieses Jahr wie Madonna 50 wird und keinen Tag älter aussieht als 39, „sind nun mal das sicherste Zeichen von Jugend.“

Übernommen aus ... GesundLeben Ausgabe 4/2008

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