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Mama, mein Mund tut weh!

Jedes dritte Kind hat Karies. Wie leicht und vor allem wie früh Zähne faulen können, überrascht: Selbst Muttermilch kann daran schuld sein.

Kinder bemerken es nicht gleich, wenn sie Karies haben

Kinder bemerken es nicht gleich, wenn sie Karies haben

Wenn Kinder Probleme mit den Zähnen haben, ist es meist Karies. Oft bleibt sie lange unbehandelt. Denn viele Kinder haben keine Beschwerden und wissen deshalb nicht einmal, dass sie Löcher in den Zähnen haben.

Kinder leiden heute seltener unter faulen Zähnen als vor zehn Jahren. Regelmäßige Pflege ist für die meisten mittlerweile Routine: Knapp 75 Prozent aller Kinder putzen zweimal täglich ihre Zähne. Dennoch haben immer noch 33 Prozent der Kids Karies.

Schon bei Babys faulen die Zähne

Oft bilden sich die braunen Stellen schon im Säuglingsalter. Die Karies-Erreger können innerhalb der ersten Monate übertragen werden, meist von der Mutter auf ihr Kind: durch abgeleckte Löffel, Schnuller oder sogar Küsse. Meist sind es Bakterien aus der Streptokokken-Familie, die Zähne faulen lassen. Je mehr krankmachende Keime die Mundflora der Mutter enthält, desto mehr werden sich auch im Mund des Kindes entwickeln.

Lecken Sie den Sauger der Babyflasche oder den Löffel deshalb nicht ab. Frauen mit Kinderwunsch sollten sich die Zähne entweder noch vor oder in der Schwangerschaft in Ordnung bringen lassen.

Auch Muttermilch enthält Zucker

Sind die Karieserreger erst in den Mund des Kindes gelangt, treiben sie dort sofort ihr Unwesen. Wenn die Bakterien Zucker verarbeiten, produzieren sie Milchsäure und der pH-Wert im Mund sinkt. Die Folge: Mineralien lösen sich aus dem Zahnschmelz. Er ist bei Milchzähnen dünner als bei bleibenden Zähnen und deshalb anfälliger für Säure-Attacken. In den angegriffenen Zahnschmelz lagern sich anschließend Farbstoffe ein, der Zahn bekommt einen gelblich-braunen Fleck. Ist der Zahnschmelz erst zerstört, können schwarze Löcher entstehen, dann muss der Zahnarzt bohren.

Wenn die ersten Zähnchen durchgebrochen sind, wird die Muttermilch zur Gefahr. Das gilt auch für Muttermilch, die Sie Ihrem Säugling in einer Flasche geben. Denn die Milch enthält viel Zucker, die Leibspeise der Karies-Bazillen. Putzen Sie die Milchzähne Ihres Kindes während dieser Zeit regelmäßig, können Sie Ihr Kind vor Karies schützen.

Der Zucker aus Fruchtsäften gibt Bakterien Nahrung

Wenn Ihr Kind ein Jahr alt ist, sollten Sie es spätestens abstillen. Das raten Kinderärztinnen als auch Zahnmediziner. Braucht Ihr Baby dann noch ein Fläschchen, könnte es eine so genannte Saugflaschen-Karies bekommen: Wenn Kinder ständig an einer Flasche nuckeln, die gesüßten Tee oder Fruchtsäfte enthält, zerstört das in kürzester Zeit die Milchzähne. Auch bei Säften mit dem Aufdruck "ohne Zuckerzusatz" sollten Sie vorsichtig sein: Sie enthalten viel eigenen Fruchtzucker sowie zusätzliche Säuren. Geben Sie Ihrem Kind daher von Anfang Wasser oder ungesüßten Kräutertee.

Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Sprößling ständig am Fläschchen nuckelt. Dadurch können die bleibenden Zähne schief wachsen. Zahnärzte empfehlen daher, Nuckis und Schnuller spätestens nach einem Jahr zu verbannen. Bringen Sie Ihrem Kind so früh wie möglich bei, wie es aus einem Becher oder einer Tasse trinkt.

Wenn Zähne schief wachsen, hat Ihr Kind später Schwierigkeiten

Unter Experten ist umstritten, ob Korrekturen am Kiefer immer medizinisch sinnvoll oder eher Mode sind. Klar ist aber, dass kreuz und quer wachsende Zähne Probleme mit sich bringen:

  • Das Zahnfleisch kann durch schiefe Zähne verletzt werden, zum Beispiel weil sich Ihr Kind auf die Schleimhaut beißt.
  • Die Kauflächen können falsch belastet werden.
  • Die Kieferknochen können sich verändern.
  • Die Zähne werden stärker abgeschliffen als normalerweise.

Größere Abstände zwischen den Milchzähnen, Lücken oder leicht gekippte seitliche Schneidezähne sind bei Kindern noch völlig normal. Manchmal erscheint das Gebiss auch nach dem Zahnwechsel etwas ungeordnet. Eine Korrektur der Zähne wird aber erst nötig, wenn die bleibenden Zähne teilweise schon durchgebrochen sind - also etwa zwischen dem siebten und neunten Lebensjahr. Oft drängen Eltern oder Ärzte zu früh zu einer kieferorthopädischen Behandlung.

Symptome

Jedes dritte Kind bekommt irgendwann Karies. Die ersten Zeichen sind weißliche oder hellbraune Flecken auf dem Zahnschmelz. Sie scheinen matt, wie mit Kreide gemalt. Erst später, wenn die Karies schon schwarz geworden ist oder Löcher zu sehen sind, wir Ihr Kind Schmerzen haben. Vielleicht wird es aber auch nur quengeln oder sich scheuen, kräftig zuzubeißen.

Schief wachsende Zähne oder ein falsch stehender Kiefer können Ihrem Kind Probleme beim Abbeißen bereiten. Beobachten Sie, wie Ihr Sprößling kaut, vielleicht finden Sie auch versetzte Biss-Spuren auf dem Butterbrot. Viele Fehlstellungen können Sie mit bloßem Auge erkennen:

  • Offener Biss: Nuckelt Ihr Kind oft am Schnuller oder am Daumen, wachsen besonders die oberen Schneidezähne zu weit nach vorne. Später kann es deswegen Probleme beim Sprechen, Kauen und Abbeißen haben.
  • Zu eng aneinander stehende Zähne: Wenn der Kiefer zu klein ist, verkanten oder verdrehen sich die Zähne.
  • Beim Überbiss überragen die oberen Schneidezähne deutlich die Zähne im Unterkiefer. So etwas kann vererbt sein, möglicherweise hat Ihr Kind aber auch zu lange am Schnuller genuckelt oder es atmet hauptsächlich durch den Mund ein.
  • Beim Unterbiss zeigen die unteren Schneidezähne nach vorn, die oberen nach hinten.
  • Beißt Ihr Kind überkreuz, ragen die Unterkieferzähne seitlich über die des Oberkiefers hinaus.
  • Beim so genannten Tiefbiss rutschen die oberen Zähne so weit über die unteren, dass diese gar nicht mehr zu sehen sind. Das liegt daran, dass Ober- und Unterkiefer nicht genügend Abstand halten.

Meist können solche Fehlstellungen durch Zahnspangen behoben werden - aber erst, wenn Ihr Kind schon die bleibenden Zähne entwickelt hat, also etwa ab dem neunten Lebensjahr.

Diagnose

Zunächst wird der Zahnarzt fragen, ob Ihr Kind Schmerzen hat. Anschließend wird er sich das Gebiss Ihres Sprößlings genau ansehen. Er wird auch nach weißlichen Flecken auf den Zähnen suchen - dem ersten Anzeichen von Zahnfäule. Zahnärzte berurteilen eine solche Karies im Anfangsstadium unterschiedlich. Der eine entlässt Ihr Kind tatenlos, der andere nicht.

Der Zahnarzt wird zudem nachsehen, wie die Zähne zueinander stehen und ob der Kiefer normal wächst. Dazu wird er auch die Gesichtsform Ihres Kindes betrachten. Möglicherweise macht er zusätzlich einige Funktionstests, um zu schauen, wie sich Lippen, Zunge und Kiefergelenk bewegen.

Wachsen die Zähne oder der Kiefer Ihres Kindes schief, wird der Kieferorthopäde in der Regel Abdrücke von Ober- und Unterkiefer machen. Sie dienen ihm als Vorlagen für ein Gipsmodell des Kiefers. Er wird auch ein Röntgenbild des gesamten Gebisses machen wollen. Am besten eignet sich dafür die so genannte Panorama-Schichtaufnahme. Dabei fährt der Röntgen-Apparat einmal um den gesamten Kopf herum. Das Bild zeigt, ob die Zähne im Kiefer richtig angelegt sind.

Möglicherweise wird der Arzt zusätzlich noch eine Röntgenaufnahme von der Seite machen wollen. Bei Kindern ist häufig auch ein Röntgenbild der Hand sinnvoll. Darauf erkennt der Kieferorthopäde, ob Ihr Sprößling noch einen größeren Wachstumsschub vor sich hat.

Therapie

Hat Ihr Kind Karies im Frühstadium - sind also nur weiße oder gelbliche Flecken auf dem Zahnschmelz zu sehen -, kann ausreichend Fluorid den Zahn wieder mit Mineralien versorgen. Dadurch baut sich neuer Schmelz auf, der Zahn wird wieder hart. Zähneputzen mit einer Fluorid-haltigen Creme kann die Behandlung unterstützen.

Fault der Zahn hingegen schon, wird das Bohren unvermeidlich. Dann bekommt Ihr Sprössling eine Füllung. Für Kinder sollte kein Amalgam verwendet werden. Stattdessen empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Kunststoff.

Zähne sollten nur dann gezogen werden, wenn es anders nicht geht. Denn die Milchzähne halten den Platz frei für die nachkommenden. Fehlen sie, wächst vielleicht der Kiefer schief.

Gegen kreuz und quer stehende Zähne oder gegen einen falsch wachsenden Kiefer helfen Klammern. Von der Art der Fehlstellung hängt es ab, was und wann etwas gemacht werden sollte. Es gibt feste und herausnehmbare Spangen. Eine feste Klammer ist für Kinder ab zwölf Jahren geeignet, dann sind alle bleibenden Zähne durchgebrochen. Eine herausnehmbare Spange kann schon mit neun Jahren angepasst werden.

Tipps

Kümmern Sie sich um die Zähne Ihres Kindes, solange sie gesund sind. Nehmen Sie das Thema ernst. Denn noch können Sie beeinflussen, wie Ihr Sprössling als Erwachsener sein Gebiss pflegen wird.

Damit der Zahnarzt Ihrem Kind keine Angst einflößt, sollten Sie es früh zu Ihren Kontroll-Untersuchungen mitnehmen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über den Besuch beim Zahnarzt: Was tut er genau und warum? Spielen Sie die bevorstehende Situation gemeinsam durch: Lassen Sie Ihr Kind mit einer Lampe in Ihren Mund leuchten oder Ihre Zähne zählen.

Milchzähne faulen viel schneller als bleibende. Achten Sie deshalb auf die richtige Ernährung. Eine Vorliebe für süße Nahrung ist angeboren. Sie wird durch zuckerreiche Säfte und Snacks im Kindesalter noch verstärkt. Bieten Sie Ihrem Kind daher ungesüßte Kräutertees und viel Wasser an. Das heißt nicht, dass Sie Ihrem Kind Süßigkeiten strikt verwehren sollten. Gefährlich ist nur, wenn es keinen Tee mehr ohne Zucker trinkt. Verdünnen Sie den Inhalt der Trinkflasche täglich ein bisschen mehr mit Wasser. Irgendwann ist fast kein Zucker mehr darin, Ihr Kind trinkt den Tee aber trotzdem.

Dreijährige können eine Zahnbürste alleine halten

Sobald sich der erste Milchzahn zeigt, sollten Sie ihn regelmäßig putzen. Manche Experten empfehlen, in diesem Alter einmal täglich zu putzen, andere raten zu zweimal. Mit etwa drei Jahren kann das Kind die Bürste allein halten. Lassen Sie Ihr Kind mit der Reinigung beginnen und säubern Sie nach. Erst wenn Ihr Kind zur Schule geht, sollte es komplett allein putzen.

Ist Ihr Kind sechs Jahre alt, kommen die ersten bleibenden Zähne: Es sind die hinteren Mahlzähne. Um sie vor Karies zu schützen, können sie mit einem speziellen Kunststoff versiegelt werden. Das verringert das Risiko für Zahnfäule um 70 bis 90 Prozent.

Ab zehn Jahren sollte Ihr Kind Zahnseide benutzen: In diesem Alter sind bereits alle bleibenden Zähne durch das Zahnfleisch gebrochen. Die Pflege mit Zahnseide ist nicht ganz einfach und sollte daher früh gelernt werden. Neben den Zähnen sollten nun auch die Zahnzwischenräume einmal täglich mit Zahnseide gereinigt werden. Für Jugendliche mit festsitzender Zahnspange gibt es spezielle Zahnseide.

Nicht schrubben - wischen!

Ihr Kind sollte lernen, sich die Zähne richtig zu putzen: Statt kräftig hin- und herzuschrubben muss die Zahnbürste im 45-Grad-Winkel angesetzt werden. Dann werden Beläge vom Zahnfleisch in Richtung Zähne (von Rot nach Weiß) gewischt. Wichtig dabei: Nicht zu fest drücken - das verletzt das Zahnfleisch und verbiegt die Borsten. Eine weiche Bürste ist für Kinder am besten geeignet. Sie sollte abgerundete Borsten, einen kleinen Bürstenkopf, einen dicken Griff und Kunststoffborsten haben. In Naturborsten vermehren sich sehr viel mehr Bakterien.

Von Anfang an sollten Sie die Zähne Ihres Kindes mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta putzen. Fluorid ist ein Mineral, das den dünnen Schmelz der Milchzähne vor Karies schützt. Es gibt spezielle Kinderzahnpasten mit weniger Fluorid (bis maximal 0,05 Prozent). Ist Ihr Kind in der Schule, kann es Produkte mit normalem Fluoridgehalt (0,1 bis 0,15 Prozent) benutzen.

Seien Sie Ihrem Kind ein positives Vorbild. Zeigen Sie ihm, wie Sie Ihre Zähne putzen. Sie können auch vor oder nach dem gemeinsamen Putzen Bilderbücher zum Thema anschauen oder während des Putzens gemeinsam Zahnputzlieder auf CD hören.

Expertenrat

stern.de-Experte Professor Werner Geurtsen von der Medizinischen Hochschule Hannover beantwortet Ihre Fragen.

Bekommt mein Kind Karies, wenn es viele Süßigkeiten isst?

Karies entsteht vor allem dann, wenn Kinder häufig Süßigkeiten essen. Denn wer alle zwei Stunden nascht, gibt dem Zahn keine Chance, die entstandenen Säuren zu neutralisieren. Eine Tafel Schokolade auf einmal ist damit gesünder, als wenn sie über den ganzen Tag verteilt gegessen wird. Neben süßen Snacks verursachen natürlich auch gezuckerte Getränke, Obstsäuren und zu langes Stillen Karies.

Wann muss mein Kind das erste Mal zur Vorsorge beim Zahnarzt

Sobald die ersten Milchzähne durchgebrochen sind. Nur wenn Sie Ihr Kind so früh wie möglich an den Zahnarzt gewöhnen, wird es den Zahnarztbesuch als etwas Normales kennenlernen und keine Ängste entwickeln. Außerdem kann der Arzt weniger und schmerzloser behandeln, wenn er die Zähne Ihres Kindes regelmäßig kontrolliert und eventuelle Vorboten der Karies rechtzeitig erkennt.

Wird die Neigung zu schlechten Zähnen vererbt?

Es gibt keine genetisch bedingten Unterschiede des Zahnmaterials. Die Zähne werden nur unterschiedlich gut beziehungsweise schlecht geputzt.

Beate Wagner (Mitarbeit: Nina Buschek)

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