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Metall im Mund

Drähte und Federn können auch das Gebiss von Erwachsenen wieder zurechtzurren: Ist die Klammer an den Zähnen fest verankert, können sogar Wurzeln im Kiefer gedreht werden.

  Multibrackets: Drähte ziehen an den Metallklammern und diese kleben an den Zähnen

Multibrackets: Drähte ziehen an den Metallklammern und diese kleben an den Zähnen

Wachsen bei Ihrem Kind Zähne schief, reicht eine herausnehmbare Zahnspange meist aus. Ist das Gebiss hingegen sehr durcheinander, kann eine festsitzende Klammer besser sein: Sie übt mehr Druck aus, weil sie fest an den Zähnen verankert ist. Solche Spangen können die Beißer schieben und drehen - mitsamt der Zahnwurzel. Sie können sogar das Gebiss von Erwachsenen zurechtrücken. Allerdings dauert das länger als bei Kindern, weil Zähne und Kieferknochen sich langsamer anpassen.

Eine festsitzende Klammer kann der Arzt nur an bleibenden Zähnen verankern. Daher kommt eine solche Spange für Kinder mit Milchzähnen nicht in Frage. Ihr Kind sollte bereits den Zahnwechsel hinter sich haben, der Kiefer sollte aber noch nicht ganz ausgewachsen sein. In dieser Phase lassen sich die Wurzeln im Kiefer am besten korrigieren.

Der Körper gewöhnt sich an den Druck

Eine festsitzende Spange drückt die Zähne in Reih und Glied. Das kann am Anfang leicht schmerzen, etwa zwei bis vier Tage lang. Der Kieferorthopäde passt die Klammer von Zeit zu Zeit an, indem er den Druck erhöht. Daran muss sich der Körper jedes Mal wieder gewöhnen. Erwachsene leiden unter dem Druckgefühl meist mehr als Kinder und Jugendliche. Denn ihr Kiefer wächst nicht mehr und ist deshalb nicht mehr so flexibel.

Ist die Korrektur beendet, kann es Ihnen passieren, dass die Zähne mit der Zeit wieder in ihre alte Position rutschen wollen. Deshalb empfiehlt Ihre Kieferorthopädin möglicherweise im Anschluss eine lose sitzende Zahnspange für die Nacht, eine Schiene oder einen so genannten Retainer, einen dünnen Draht, der an der Innenseite der Zähne klebt. So bleiben Ihre Zähne ebenmäßig im Mund stehen.

Zwei Arten von Spangen

Die klassische feste Spange besteht aus kleinen Metallverankerungen - den so genannten Brackets. Sie werden direkt auf den Zahn geklebt. In diesen Brackets befestigt der Kieferorthopäde Drähte, Federn oder Gummizüge, die an den Zähnen zurren. Der Druck darf aber nicht zu groß sein, deshalb justiert der Arzt etwa alle vier Wochen nach. Dabei kann er an jedem einzelnen Zahn gezielt ziehen. In den ersten 24 Stunden wirkt sich der Zug besonders stark aus, deshalb schmerzen die Zähne danach etwas.

Die Brackets bestehen aus Metall, Kunststoff oder Keramik. Verankerungen aus Metall sind günstig und halten lange. Sie werden von der Krankenkasse bezahlt. Ärzte benutzen sie gern, weil sie gut sehen können, wo der Drahtbogen eingesetzt werden muss. Der Draht gleitet gut durch den Halter, so verteilt sich der Zug flexibel auf die Zähne.

Sind die Brackets aus transparentem Kunststoff oder zahnfarbener Keramik, fällt die Spange weniger auf. Der Nachteil: Der Draht reibt in der Halterung, der Druck kann möglicherweise nicht gut verteilt werden. Mittlerweile gibt es aber auch Brackets aus Keramik- oder Kunststoff mit einem Metallschlitz: Dann tritt das Problem nicht auf.

Kunststoff-Verankerungen können sich allerdings verfärben, Keramik leuchtet manchmal regelrecht auf den Zähnen. Beide Materialien können zudem brechen. Keramik eignet sich nur für den Oberkiefer: Auf den unteren Zähnen befestigt, würde das harte Material beim Beißen die oberen Zähne zerkratzen. Brackets aus Keramik oder Kunstoff sind teurer als solche aus Metall.

Unsichtbar: die innen liegende Spange

Bei der klassichen festsitzenden Klammer aus Metall sitzen die Halterungen für die Drähte außen auf den Zähnen - sichtbar. Die Kieferorthopädin kann diese Brackets aber auch auf die Innenseite der Zähne kleben. Diese so genannten Lingual-Brackets sieht man nicht. Dafür stören sie beim Sprechen, denn die Zunge stößt immer wieder an das Metall. Es kann sogar vorkommen, dass sich die Zunge deshalb entzündet.

Kieferorthopäden haben bei Lingual-Brackets mehr Arbeit: Der Draht lässt sich nicht so leicht und exakt biegen, weil die Klammern innen liegen. Für Sie haben solche Spangen den Nachteil, dass Sie sie schlechter reinigen können - schließlich können Sie nur schlecht sehen, ob sie sauber sind. Und: Die unsichtbare Klammer ist erheblich teurer als die herkömmliche festsitzende Metallspange.

Die richtige Pflege

Wenn Sie eine Spange tragen, sollten Sie Ihre Zähne samt Klammer regelmäßig und gründlich putzen. Gerade in den Drähten und in den Halterungen verfangen sich leicht Speisereste, die sich nur schwer wieder entfernen lassen. Deshalb ist es am besten, nach jeder Mahlzeit gründlich zu reinigen. Damit Sie auch die Stellen gut erreichen, die unter den Metallteilen liegen, sollten Sie speziell dafür hergestellte Bürstchen benutzen.

Harte Lebensmittel wie ausgetrocknete Brotkanten oder Nüsse sollten Sie meiden, ebenso stark Klebendes wie Kaugummis oder Lakritz. Denn die Halterungen könnten sich von den Zähnen lösen. In einen runden Apfel sollten Sie nicht hineinbeißen, schneiden Sie die Frucht besser in mundgerechte Stücke.

Die Kosten

Die Krankenkassen bezahlen eine Klammer, wenn sie medizinisch notwendig ist und wenn die Behandlung vor dem 18. Lebensjahr begonnen wurde. Die Kasse übernimmt beim ersten Kind zunächst 80 Prozent der Kosten, beim zweiten Kind sind es 90 Prozent. Den Rest der Behandlung müssen Sie erst einmal selbst bezahlen. Diesen Eigenanteil bekommen Sie zurück, sobald die Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist.

Grundsätzlich gilt: Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt, was zweckmäßig, ausreichend und nicht zu teuer ist. Das können - je nach Spange - zwischen 4000 und 15000 Euro sein. Herkömmliche festsitzende Zahnspangen aus Metall werden in der Regel erstattet. Teurere Klammern wie etwa solche aus Keramik müssen Sie selbst bezahlen. Bei den privaten Krankenversicherungen gibt es erhebliche Unterschiede. Fragen Sie nach, ob Ihre Versicherung die geplante Behandlung übernimmt.

Ist die Klammer für Sie selbst und sind Sie älter als 18, zahlen die gesetzlichen Krankenkassen nichts. Es sei denn, Ihr Gebiss ist so behandlungsbedürftig, dass Sie zusätzlich noch eine Kieferoperation benötigen. Private Krankenkassen zahlen unabhängig davon, wie alt der Versicherte ist. Ob die Kosten nur teilweise oder ganz übernommen werden, kommt auf Ihren Tarif an: Fragen Sie bei Ihrer Versicherung nach.

Nina Buschek

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