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Die letzte Möglichkeit: Zahnziehen

Der Zahn muss raus! Wenn der Arzt das sagt, sollte er schon alle anderen Rettungsmethoden überdacht oder durchprobiert haben. Denn ein eigener Zahn ist mehr wert als jedes goldene Implantat.

Da ist der Übeltäter: Den erwischt der Arzt ganz altmodisch mit der Zange

Da ist der Übeltäter: Den erwischt der Arzt ganz altmodisch mit der Zange

Früher behandelten Zahnärzte nach dem Motto: Erst einreißen - dann aufbauen. Heute wägen Mediziner ab, ob ein Zahn nicht doch zu retten ist. Denn selbst ein toter Zahn ist besser als keiner - sofern er wurzelbehandelt ist.

Dennoch muss die Zahnärztin manchmal die Zange ansetzen. Etwa, wenn der Zahn sehr stark zerstört ist. Oder wenn er nur noch locker im Kiefer steckt wie bei einer fortgeschrittenen Parodontitis. Manchmal bildet ein kranker Zahn eine kleine Wasserblase an der Wurzel. Auch dann muss er samt Kieferzyste raus. Ist ein Beißer durch einen Unfall ungünstig abgebrochen, muss der Zahnarzt die Reste herausholen.

Ihr Zahn muss auch raus, wenn

Zahnziehen tut nicht weh - meistens

Bevor Sie sich einen Zahn ziehen lassen, fragen Sie genau nach, warum er raus muss oder ob es noch andere Behandlungs-Methoden gibt. Und erkundigen Sie sich nach möglichen Komplikationen der Operation.

Angst vor dem Ziehen brauchen Sie aber nicht zu haben: Die Zahnärztin gibt Ihnen vorher eine Betäubungs-Spritze. Das Mittel legt die Nerven am Zahn nach fünf bis zehn Minuten lahm, Sie werden an der Stelle unempfindlich für Schmerz. Bei locker sitzenden Milchzähnen braucht Ihr Kind keine Spritze. Da reicht ein kurzes Hebeln, und der Zahn ist draußen.

Bleibende Zähne machen mehr Arbeit: Die Ärztin lockert den Zahn zunächst mit Hebelinstrumenten. Dann zieht sie ihn mit einer Zange aus dem Kiefer. Dabei sollte kein Schmerz zu spüren sein, höchstens ein Gefühl des Drückens, Ziehens oder Drehens.

Ist der Zahn raus, reinigt und desinfiziert der Arzt das verbliebene Loch. Um die Blutung zu stillen, setzt er gegebenenfalls ein Schwämmchen ein. Falls notwenig, vernäht er die Mundschleimhaut über der Wunde. Nach etwa einer Woche sollten Sie dann zum Fäden-Ziehen wieder kommen.

Wenn's splittert, blutet oder schmerzt

Das Zähne-Ziehen gehört für den Zahnarzt zur Routine. Dennoch kann auch ein erfahrener Mediziner vor schwierigen Aufgaben stehen: So lässt sich ein spröder Zahnstumpf, der splittert, oft nur in mühevoller Kleinarbeit entfernen. Mitunter bleiben Reste im Zahnfleisch oder gar im Kieferknochen stecken. Die muss der Arzt herausoperieren.

Es kann auch passieren, dass er beim Hebeln einen Nachbarzahn lockert oder beschädigt. Oder dass er versehentlich das Zahnfleisch quetscht oder den Mundboden verletzt. Schlimmstenfalls kann dabei sogar ein Stückchen vom Kieferknochen herausbrechen. In seltenen Fällen kann durch das Hebeln sogar ein feiner Haarriss im Kieferknochen entstehen. Das merken Sie erst ein bis vier Wochen später: Vielleicht hören Sie beim Beißen in ein Brötchen ein feines Knackgeräusch. Dann sollten Sie sofort zum Zahnarzt gehen. Er wird die Sache mit einer Röntgenaufnahme prüfen und Sie gegebenenfalls zur Kieferchirurgin schicken.

Das Loch kann sich entzünden

Setzt der Arzt die Betäubungsspritze ungünstig, hebelt falsch oder rutscht ihm gar ein Instrument ab, können Nerven gereizt oder verletzt werden. Sie merken das daran, dass Sie Schmerzen oder ein Taubheitsgefühl haben.

Ist der Zahn raus, klafft an der Stelle ein tiefes Loch, das bis in die Kiefernhöhle reichen kann. In der Regel verschließt die Ärztin die Wunde sofort, indem sie die umgebende Schleimhaut verschiebt. Im ungünstigen Fall kann sich das leere Zahnfach nach drei bis vier Tagen entzünden, auch wenn die Verletzung nicht bis auf den Knochen reicht.

Sie sollten sofort zum Arzt gehen, wenn nach dem Zahnziehen folgendes auftritt:

  • Sie haben größere Blutungen im Mund oder an der Wange.
  • Sie können den Mund auch noch einige Zeit nach der Operation nicht richtig öffnen.
  • Sie verspüren ein taubes Gefühl entlang der Lippe, des Kinns oder an der Zunge.
  • Die Schmerzen verschlimmern sich.


Kirsten Milhahn

Tipps

Was Sie für die Wundheilung tun können

Nach dem Eingriff sagt Ihnen der Zahnarzt, wie Sie sich anschließend verhalten sollten. Manche Ärzte geben auch ein Informationsblatt mit Tipps aus.

Durch die Betäubung ist Ihre Reaktionsfähigkeit eingeschränkt. Setzen Sie sich daher nicht hinter das Steuer, sondern lassen Sie sich nach der Operation lieber aus der Praxis abholen. Oder fahren Sie mit Bus oder Bahn.

Essen und trinken Sie nicht, bevor das taube Gefühl im Mund abgeklungen ist. Sie könnten sich beim Kauen verletzen. Vorsicht bei heißen Getränken! Sie merken erst, dass Sie sich verbrannt haben, wenn das Getränk schon den Rachen erreicht hat.

Kühlen Sie die Wange, damit sie möglichst schnell abschwillt. Tipp: Wickeln Sie den Eisbeutel in ein Tuch, statt das Eis auf die blanke Haut zu legen.

Blutet die Wunde nach, rollen Sie ein sauberes feuchtes Stofftuch zusammen, legen es zwischen die Zahnreihen und beißen eine halbe Stunde darauf. Sollte die Blutung nicht nachlassen, gehen Sie zum Zahnarzt.

Tut die Wunde weh, nehmen Sie ein schmerzstillendes Mittel. Allerdings sollte es kein Aspirin sein. Das hemmt die Blutgerinnung und kann zu Nachblutungen führen.

Vermeiden Sie zu Beginn der Heilung Sauna oder zu heiße Bäder. Beides regt die Durchblutung an. Dadurch kann sich die Schwellung verschlimmern.

Warten Sie 24 Stunden, bevor Sie Alkohol, Koffein oder Nikotin zu sich nehmen. Diese Stoffe behindern den Heilungsprozess. Sie stören den Blutpfropf, der sich langsam über der Wunde gebildet hat und sie verschließt.

Essen Sie einige Tage nach dem Eingriff möglichst weiche, nicht zu heiße Speisen. Schonen Sie beim Kauen die behandelte Seite. Essen Sie keine feinkrümeligen Lebensmittel, deren Reste in der Wunde hängen bleiben könnten.

Putzen Sie dreimal täglich die Zähne. Dabei sollten Sie vorsichtig um den Bereich der Wunde herumputzen.

Schonen Sie sich körperlich ein paar Tage nach der Operation. Anstrengung kann die Wunde wieder zum Bluten beginnen.

Kirsten Milhahn

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