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Warum Zika nicht das neue Ebola ist

Die Ebola-Epidemie in Westafrika sorgte 2014 weltweit für Furcht und Schrecken. Mit Zika ist nun ein weiteres Virus auf dem Vormarsch - diesmal in Lateinamerika. Es scheint vor allem für Schwangere eine Gefahr. Das neue Ebola ist es sicher nicht.

Von Lea Wolz

  Das Zika-Virus wird vor allem von der Gelbfiebermücke Aedes aegypti  (im Bild) übertragen, die in den Tropen und teilweise auch in den Subtropen beheimatet ist. Diskutiert wird, ob auch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) das Virus verbreitet. Sie kommt in Teilen Süddeutschlands vor. 

Das Zika-Virus wird vor allem von der Gelbfiebermücke Aedes aegypti  (im Bild) übertragen, die in den Tropen und teilweise auch in den Subtropen beheimatet ist. Diskutiert wird, ob auch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) das Virus verbreitet. Sie kommt in Teilen Süddeutschlands vor. 

Nun ist Zika also auch in Deutschland angekommen, so legt es eine Meldung vom Dienstag nahe: In einem Osnabrücker Krankenhaus wurde bei einer Frau das Virus nachgewiesen. Sie war aus Haiti zurückgekehrt. Verschiedene Medien brachten die Nachricht als Eilmeldung. Zu dem Fall ist nun ein weiterer in Düsseldorf gekommen. Zusätzlich verunsichert die Nachricht, dass sich das Virus offenbar auch über Sex verbreiten kann. Und hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht erst diese Woche den internationalen Gesundheitsnotfall wegen Zika ausgerufen? Ganz ähnlich wie 2014 bei Ebola?

Nicht selten hört man momentan diesen Vergleich. Doch er ist falsch: Zika ist nicht das neue Ebola.

Ebola ist oft tödlich, Zika so gut wie nie

Das Ebola-Virus ist deutlich gefährlicher. Wer sich ansteckt, erkrankt schwer. Die ersten Symptome ähneln denen eines grippalen Infekts und reichen von plötzlich auftretendem Fieber bis hin zu Kopf-, Muskel- und Halsschmerzen. Im Anschluss leiden Erkrankte unter Erbrechen, Magenkrämpfen und Durchfall. Auch Leber- und Nierenfunktion können beeinträchtigt sein. In manchen Fällen kommt es zu inneren und äußeren Blutungen. Unbehandelt führt Ebola je nach Viren-Stamm in 25 bis 90 Prozent der Fälle zum Tod.

Eine Infektion mit dem Zika-Virus verläuft  hingegen meist unauffällig, von vier Infizierten entwickelt überhaupt nur einer Symptome. Und diese sind meist mild: leichtes Fieber, eine Entzündung der Bindehaut, Hautausschlag, Gelenkschmerzen und seltener auch Muskel- und Kopfschmerzen sowie Erbrechen zählen dazu. Zu Todesfällen kam es bis jetzt nur selten - und das auch nur bei Patienten, die Vorerkrankungen hatten.

Ebola wird von Mensch zu Mensch übertragen, Zika braucht die Mücke

Anders als Ebola braucht das Zika-Virus einen Überträger, um den Menschen zu infizieren. Stechmücken verbreiten den Erreger. Nur da, wo sie vorkommen, kann es zu Ausbrüchen kommen.

Ebola hingegen wird von Mensch zu Mensch übertragen, der Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Urin, Sperma und Schweiß reicht dafür aus. Über die Schleimhäute oder Verletzungen der Haut gelangt das Virus in den Körper. Ebola-Infizierte werden daher möglichst isoliert, die behandelnden Ärzte müssen Schutzkleidung tragen. Kurz gesagt: Einem Ebola-Erkrankten sollte man besser nicht die Hand schütteln, bei einem Zika-Infizierten müsste man sich deshalb keine Sorgen machen.

Zwar diskutieren Mediziner auch bei dem Zika-Virus, ob es andere Übertragungswege gibt - etwa über das Blut. Auch in der Samenflüssigkeit konnte das Virus bereits nachgewiesen werden. Zwei Fälle, bei denen das Virus offenbar sexuell übertragen wurde, sind bekannt. Doch diese hätten vermutlich "keinen nennenswerten Einfluss auf die Verbreitung des Erregers", schreibt das Robert Koch-Institut. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung spiele keine Rolle. Nach jetzigem Kenntnisstand bleiben die Mücken der Hauptüberträger für Zika. Von ihnen geht die Gefahr in erster Linie aus.

Wer sich vor einer Infektion fürchtet, sollte sich auch ins Gedächtnis rufen, dass diese in den meisten Fällen völlig harmlos verläuft. Anders scheint das allerdings bei Schwangeren zu sein.

Ebola ist für jedermann gefährlich, Zika offenbar vor allem für Schwangere

Von Ebola ging für jedermann eine Gefahr aus. Eine Infektion mit Zika ist hingegen meist problemlos zu verkraften.

Seit Zika vermehrt auftritt, werden allerdings auch mögliche Komplikationen einer Erkrankung deutlich: Vor allem für Schwangere scheint das Virus gefährlich zu sein, es beeinträchtigt offenbar die Entwicklung der Ungeborenen. Zumindest beobachten Experten zeitgleich mit den vermehrten Infektionen gehäuft Fälle von Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen. Und noch etwas anderes gibt Anlass zur Sorge: Auch das Guillain-Barré-Syndrom, ein schweres Nervenleiden, tritt in den Regionen, in denen Zika kursiert, öfter auf. 

Wie häufig solche schweren Komplikationen bei einer Infektion sind, lässt sich momentan allerdings noch nicht sagen. Bei den Fehlbildungen gibt es vor allem viele Verdachtsfälle. In Brasilien werden dem Gesundheitsministerium zufolge derzeit 3670 untersucht. Die Zahl der Babys mit nachgewiesenen Schädelfehlbildungen liegt bei etwa 400. Nur in 17 Fällen hatten sich die Frauen zuvor nachweislich mit dem Zika-Virus infiziert. Manche Experten kritisieren daher, die Gefahr für Schwangere werde übertrieben. Der Beweis, dass Zika tatsächlich die Ursache für die zu kleinen Schädel bei Neugeborenen ist, steht ebenfalls noch aus. Doch eine Verbindung sei "sehr stark anzunehmen", schreibt die WHO.

Sie hat daher gehandelt und den internationalen Notfall ausgerufen - wie bei Ebola. Deutet das nicht auf eine ähnlich schlimme Lage hin?

Internationaler Notfall: Diesmal wollte die WHO nicht zu spät reagieren

Wie gefährlich Zika tatsächlich ist, kann auch die WHO noch nicht sagen. Sie hat allerdings vorsorglich gehandelt und Zika als "Public Health Emergency of International Concern" eingestuft. Das ermöglicht schlichtweg ein koordiniertes Vorgehen gegen das Virus.

Dass die WHO sich diesmal entschieden hat, rasch zu handeln, hängt sicher auch mit der Kritik zusammen, die sie bei Ebola einstecken musste: Damals wurde ihr vorgeworfen, zu zögerlich reagiert zu haben. Die internationale Hilfe lief nur schleppend an, das Virus konnte sich unkontrolliert weiter verbreiten, was Leben gekostet hat. Auch wenn diesmal kein tödliches Virus unterwegs ist, will die WHO diesen Fehler kein zweites Mal machen - und nimmt dafür auch in Kauf, dass sich Zika am Ende doch als harmloser erweisen könnte als momentan vermutet.

Die Zika-Fälle in Deutschland waren erwartbar

Anders als manche Meldung nahelegt, sind die nun bekannt gewordenen Zika-Fälle in Deutschland keine Sensation. Sie waren erwartbar. Vereinzelt wurden Infektionen immer wieder bei Reiserückkehrern aus betroffenen Gebieten nachgewiesen. Ein Risiko, sich in Deutschland mit Zika anzustecken, gibt es dem RKI zufolge bislang nicht. Eine Verbreitung sei, wenn überhaupt, nur punktuell möglich. Heißt: Einen Ausbruch wie in Süd- und Mittelamerika muss hierzulande niemand fürchten. 

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