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Wie gefährlich ist das Zika-Virus? Wo verbreitet es sich?

Das Zika-Virus ist offenbar besonders für Schwangere gefährlich, Kinder werden vermehrt mit kleinem Kopf geboren. Gibt es das Virus auch in Deutschland? Fragen und Antworten zu der Infektion.

Von Lea Wolz

Zika-Virus: Die kleine Alice ist an Mikrozephalie erkrankt. Ihre Mutter Nadja Cristina Gomes Bezerra hält sie im Arm.

Das Zika-Virus verbreitet sich in Lateinamerika: Alice Vitoria, drei Monate alt, ist an Mikrozephalie erkrankt. Ihre Mutter Nadja Cristina Gomes Bezerra hält sie im Arm. In Brasilien, dem größten Land Lateinamerikas, gibt es nach offiziellen Angaben etwa 3500 Mikrozephalie-Verdachtsfälle, von denen bis jetzt 270 bestätigt sind. 

Was ist das Zika-Virus?

Das Zika-Virus ist kein Unbekannter. 1947 wurde es zum ersten Mal bei einem Affen in dem Zika-Wald in Uganda nachgewiesen. Daher stammt auch der Name. Infektionen mit dem Virus traten hauptsächlich in Afrika und Asien auf. Seit 2015 verbreitet es sich allerdings auch in Südamerika - und damit erstmals auch auf der westlichen Erdhalbkugel.

Da dort bis jetzt keine großen Infektionen mit dem Virus vorkamen, ist das Immunsystem der Menschen schlecht gegen den Angreifer gewappnet. Das Virus kann sich daher schnell ausbreiten.


Warum hat die WHO den internationalen Notfall ausgerufen?

Zwar ist noch nicht geklärt, dass tatsächlich das Zika-Virus für die Schädelfehlbildungen verantwortlich ist. Das vermehrte gleichzeitige Auftreten von beiden in ein und derselben Region, legt jedoch einen Zusammenhang nahe. Das sieht auch die WHO so. Sie hat daher den sogenannten Public Health Emergency of International Concern ausgerufen. Die WHO kann nun die Maßnahmen koordinieren, die für den Kampf gegen das Virus nötig sind.

Die Einstufung bedeutet nicht, dass ein globaler Gesundheitsnotfall aufgetreten ist und ein unkontrollierbares Virus die Welt bedroht. Um einen internationalen medizinischen Notfall auszurufen, reicht es den Kriterien der WHO zufolge, dass eine Situation ernst, ungewöhnlich oder unerwartet ist, von ihr auch für andere Länder eine potenzielle Gefahr ausgeht und die Lage eine schnelle, internationale Reaktion notwendig macht.

Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Ähnlich wie andere Tropenkrankheiten wie das Dengue- oder das Gelbfieber wird das Zika-Virus durch Stechmücken übertragen. Die meisten Infektionen gehen auf das Konto der gefährlichen Gelbfiebermücke Aedes aegypti, die in den Tropen und teilweise auch in den Subtropen beheimatet ist und ihre Eier in stehenden Gewässern ablegt. Schon kleinste Pfützen, etwa in zerbrochenen Wasserflaschen, reichen ihr dafür aus.

Auch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) kann das Virus offenbar übertragen. Das wäre bedenklich, da sich diese Stechmücke aggressiv verbreitet und auch bereits nach Europa und in die USA gelangt ist. In Deutschland ist sie etwa bereits in Freiburg und Heidelberg heimisch. 

Obwohl das Zika-Virus hauptsächlich durch Mücken übertragen wird, kann es sich möglicherweise auch über infiziertes Blut und Sperma verbreiten. Allerdings gibt es dazu bis jetzt nur wenige Hinweise.

Wo verbreitet sich das Virus?

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC hat eine Weltkarte veröffentlicht, die zeigt, in welchen Regionen das Virus bislang zu Ausbrüchen führte. Bis 2015 beschränkte sich sein Auftreten auf Afrika, Südostasien und die Pazifischen Inseln.

Die Karte zeigt, wo das Zika-Virus bis jetzt weltweit aufgetreten ist.

Die Karte zeigt, wo das Zika-Virus bis jetzt weltweit aufgetreten ist.

Im Mai 2015 wurde es erstmal in Brasilien nachgewiesen. Mittlerweile sind Infektionen unter anderem auch in Venezuela, Kolumbien, auf Haiti und Puerto Rico und in den Ländern Mittelamerikas (Mexiko, Guatemala, Honduras, El Salvador) bestätigt. Das Virus tritt nach Angaben der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) inzwischen in fast allen Ländern Lateinamerikas auf. Ausgenommen sind Chile, Peru, Argentinien, Uruguay und Kuba. Ein ständig aktualisierte Liste, die zeigt, in welchen Ländern sich das Virus momentan verbreitet, findet sich auch auf den Seiten des European Center for Disease Prevention and Control.

  Die Karte zeigt, wie sich das Zika-Virus in Süd- und Mittelamerika verbreitet.

Die Karte zeigt, wie sich das Zika-Virus in Süd- und Mittelamerika verbreitet.

Kommt das Virus auch in Deutschland vor?

Auch hierzulande gibt es immer mal wieder Infektionen mit dem Virus: bei Reisenden, die aus den betroffenen Ländern zurückkehren. So konnte etwa 2013 bei einem Urlauber aus Thailand das Virus nachgewiesen werden. Zwei Urlauber, die von Haiti zurückkehrten, waren 2015 ebenfalls an einer Infektion erkrankt.

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin schätzt die Gefahr durch Zika-Viren allerdings gering ein: "Eine Verbreitung durch eingeschleppte Fälle in Deutschland ist nicht zu erwarten, da die Überträgermoskitos hierzulande kaum vorkommen und eine Übertragung von Mensch zu Mensch nicht stattfindet", schreibt sie. Das unterstreicht auch der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes in einem Merkblatt.  

Und auch das Robert Koch-Institut schreibt, dass infizierte Reiserückkehrer zwar das Virus einschleppen können und es nicht auszuschließen ist, dass dieses in einem warmen Sommer durch eingeschleppte Mückenarten auch in Deutschland weitergegeben wird - allerdings sei das, wenn überhaupt, nur begrenzt möglich.  

Woran lässt sich eine Infektion erkennen?

Eine Infektion mit dem Zika-Virus verläuft meist unauffällig, das macht es auch so schwer, sie zu erkennen. Von vier Infizierten entwickelt nur einer Symptome. Dazu zählen etwa leichtes Fieber, eine Entzündung der Bindehaut, Hautausschlag, Gelenkschmerzen und seltener auch Muskel- und Kopfschmerzen sowie Erbrechen.

Die Symptome treten zwei bis sieben Tage nach dem Mückenstich auf. Sie klingen meist nach etwa einer Woche von selbst wieder ab. Zu Todesfällen kam es bis jetzt nur extrem selten, oft litten die Betroffenen dann unter anderen Vorerkrankungen.

Für wen kann eine Infektion gefährlich sein?

Der aktuelle Ausbruch in Lateinamerika bereitet Gesundheitsexperten Sorgen, da es zugleich mit den vermehrten Infektionen gehäuft zu Schädel- und Hirnfehlbildungen bei Neugeborenen kommt. Die so geborenen Babys haben einen ungewöhnlich kleinen Kopf und ein kleineres Hirn, was oft mit einer geistigen Behinderung einhergeht.

Dass das Zika-Virus die sogenannte Mikrozephalie verursacht, ist zwar nicht bewiesen. Auch eine Rötelinfektion während der Schwangerschaft kann etwa eine Ursache dafür sein. Doch dem brasilianischen Gesundheitsministerium zufolge tritt die Fehlbildung verglichen mit dem Vorjahr gehäuft auf - und das vor allem in den Bundesstaaten, in denen es zuvor Ausbrüche mit Zika-Viren gab.  

Wie genau das Virus in die Plazenta eindringt und die Entwicklung des Fötus beeinträchtigt, ist unklar. Allerdings scheint eine Infektion vor allem im ersten Schwangerschafts-Trimester gefährlich zu sein.

Was sollten Schwangere beachten?

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC rät Schwangeren von Reisen nach Lateinamerika und in die Karibik ab. Insgesamt mahnt die Behörde in mehr als zehn Ländern zur Vorsicht, darunter Brasilien, Venezuela, Panama, Kolumbien, Haiti und Puerto Rico.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin empfiehlt Schwangeren, Reisen in Gebiete mit akuten Ausbrüchen möglichst zu vermeiden. Wer dennoch reisen will, sollte unbedingt auf Mückenschutz achten. Sinnvoll ist es auch, sich vor der Abreise bei einem Tropen- oder Reisemediziner über die Situation vor Ort und geeignete Schutzmaßnahmen zu informieren.

Einen Grund für eine allgemein gültige Reisewarnung sieht die WHO momentan nicht.

Wie kann man sich schützen?

Stechmücken übertragen das Virus, einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Wer sein  Risiko möglichst gering halten will, sollte die Haut bedecken und lange, möglichst helle Kleidung, einen Kopfschutz und geschlossene Schuhe tragen. Ratsam ist es, Anti-Moskitomittel mehrmals täglich auf die Haut aufzutragen. Mittel mit DEET sollten allerdings in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden, empfiehlt Stiftung Warentest. Wichtig auch: Räume vor den Mücken durch Moskitonetze an Türen und Fenstern schützen, in klimatisierten Räumen aufhalten und unter Moskitonetzen schlafen.

Gibt es eine Impfung?

Nein. Eine Impfung gegen das Zika-Virus ist nicht vorhanden. Auch Medikamente, die man zur Prophylaxe einnehmen kann, gibt es nicht. Lediglich die Symptome wie Schmerzen und Fieber lassen sich behandeln. 

  Verschiedene Maßnahmen senken zumindest das Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren.

Verschiedene Maßnahmen senken zumindest das Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren.

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