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Die unheimliche Ausbreitung des Zika-Virus

Reisewarnungen für Schwangere, 21 betroffene Länder in Amerika – und Brasilien schickt nun sogar Soldaten in den Kampf gegen das mysteriöse Zika-Virus. Es steht im Verdacht, schwere Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen auszulösen.

Joao Batista hält seine einen Monat alte Tochter Alice Vitoria in Recife (Brasilien) im Arm, die an Mikrozephalie erkrankt ist.

Joao Batista hält seine einen Monat alte Tochter Alice Vitoria in Recife (Brasilien) im Arm, die an Mikrozephalie erkrankt ist

Tausende Militärs werden nun zum Anti-Mücken-Kampf in die Favelas geschickt. Und selbst auf den Bussen im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco wird großformatig zum Schutz gegen Moskitos aufgerufen. "Gemeinsam besiegen wir die Aedes aegypti", lautet dort der Slogan, versehen mit einem Bild der Moskitoart. In Krankenhäusern der Großstadt Recife verfolgen Mütter derweil äußerst angespannt, wie mit einem Zentimeterband die Schädel ihrer Babys gemessen werden. 

Hier im Norden Brasiliens nahm die dramatische Ausbreitung des von der Aedes-Mücke übertragenen, mysteriösen Zika-Virus in Amerika ihren Ausgang. Der Verdacht: Die massive Häufung eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen (Mikrozephalie) kann im Zusammenhang stehen mit einer Zika-Infektion bei Schwangeren. Wie ernst die Lage ist, zeigt eine drastische Maßnahme. Am 13. Februar will Brasiliens Regierung 220.000 Soldaten einsetzen, die in betroffenen Gebieten von Haus zu Haus gehen und bei der Bekämpfung der Aedes-Mücken helfen. 


Vermehrt auch Dengue-Fieber-Infektionen 

Denn die Mücke überträgt auch das Dengue-Fieber. Die Zahl dieser Infektionen stieg 2015 in Brasilien auf 1,6 Millionen - 843 Menschen starben an Dengue-Infektionen. "Seit 30 Jahren gibt es diese Moskitos im Land und wir haben es nicht geschafft, sie zu eliminieren", kritisiert Gesundheitsminister Marcelo Castro. Als weitere Maßnahme gegen das grassierende Zika-Virus sollen 400.000 schwangere Frauen aus ärmeren Schichten, die Sozialleistungen bekommen, kostenlos Moskitoschutzmittel erhalten. Von 3893 bisher festgestellten Fällen an Schädelfehlbildungen, die bei Kindern wegen des zu kleinen Gehirns zu geistiger Behinderung führen, konnte bei sechs Fällen eine vorherige Zika-Infizierung der Schwangeren nachgewiesen werden.

Schwangere sollten nicht in die Gebiete reisen

Das Virus verunsichert auch viele Touristen. "Schwangere sollten generell von vermeidbaren Reisen in Zika-Endemie-Gebiete absehen", rät das Auswärtige Amt in Berlin inzwischen mit Blick auf die rasante Ausbreitung, die im Mai 2015 in Brasilien begann. 

Seither schießen die Spekulationen ins Kraut. Bis hin zur Vermutung, dass auch bei nicht-schwangeren Frauen eine Gefahr bestehen kann, wenn sich das Virus in der Plazenta festsetzt und während einer späteren Schwangerschaft das Embryo beeinträchtigen könnte. 

Klar bewiesen ist bisher nichts. Auch nicht, dass das Virus das Guillain-Barré-Syndroms auslösen kann, das mit Lähmungserscheinungen verbunden ist und auch Männer betrifft. Im schlimmsten Fall werden die Atemwege lahmgelegt, was eine künstliche Beatmung erforderlich macht. "Es sind weitere Forschungsanstrengungen notwendig, bevor gesagt werden kann, ob es irgendeinen Zusammenhang gibt", betont die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie warnt inzwischen aber vor der Ausbreitung des Zika-Virus auf den gesamten amerikanischen Kontinent.

Virus bereits in 21 Ländern 

Das Virus wurde 1947 im Zikawald in Uganda entdeckt, daher der Name. Das Ungeklärte: In Afrika kam es nach bisherigen Erkenntnissen nicht zur Häufung an Schädelfehlbildungen im Zusammenhang mit Zika, ohnehin tauchte es dort nur sporadisch auf. 2007 wurde Zika dann plötzlich im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 im Französisch-Polynesien, dort wurde damals auch ein ungewöhnlicher Anstieg des Guillain-Barré-Syndroms festgestellt. Aber erst mit Auftreten in Brasilien kam es zu der massiven Ausbreitung. Eine Theorie ist, dass das Virus womöglich von Touristen während der Fußball-WM 2014 nach Brasilien eingeschleppt worden sein könnte.

Es ist nun schon in 21 Ländern Amerikas festgestellt worden, vom Karibikstaat Barbados bis Venezuela. Neben Brasilien ist Kolumbien besonders stark betroffen: Hier wurden seit Oktober rund 13.500 Zika-Infektionen registriert, in der Regel verläuft diese eigentlich harmlos: typische Symptome sind leichtes Fieber und Hautrötungen. 

Teils führt die Ausbreitung zu skurrilen Ratschlägen in den betroffenen Ländern. So rät unter anderem Kolumbien Frauen, geplante Schwangerschaften aufzuschieben. "Angesicht der Phase, in der sich die Epidemie befindet und des bestehenden Risikos, raten wir Paaren, von einer Schwangerschaft bis Juli 2016 abzusehen", teilte das Gesundheitsministerium mit. Der Ratschlag gelte für alle Frauen, die auf Höhen unter 2200 Meter leben. 

Mehr Anti-Moskitomittel und Pestizide 

Bis in die USA hat sich Zika ausgebreitet, rund ein Dutzend Fälle gibt es hier, nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC eingeschleppt aus Ländern Lateinamerikas. Laut WHO könnten nur Chile und Kanada auf dem amerikanischen Kontinent verschont bleiben, da die Aedes-Mücke hier nicht vorkomme. Bisher gibt es keinen Impfstoff - nun werden in Ländern wie Brasilien die Forschungs- und Präventionsmaßnahmen massiv hochgefahren. Gerade auch mit Blick auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im August soll jede Gefahr vermieden werden. 

Von Vorteil könnte sein, dass die Spiele im südamerikanischen Winter stattfinden, wenn die Mückengefahr geringer ist, zudem sollen die Sportstätten und Unterkünfte regelmäßig auf Mücken untersucht werden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums werden die Ausgaben für den Kampf gegen Moskitos um 580 Millionen auf 1,87 Milliarden Real (422 Mio. Euro) erhöht, 550 Tonnen Anti-Moskitomittel und Pestizide sollen eingesetzt werden. Für Touristen lautet vorerst der wirksamste Schutz gegen Zika: lange Kleidung und der Gebrauch von Anti-Mückensprays.

Georg Ismar/DPA
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