Wenn die Kleinen husten und jammern, ist schnelle Hilfe angesagt. Ärzte verschreiben dann gern Antibiotika. Was Mediziner und Eltern beruhigt, bringt aber dem Kind oft nichts - sondern treibt nur die Kosten in die Höhe. Das zeigt ein aktueller Arzneimittelreport.

Kranke Kinder müssen viel Antibiotika schlucken. Oft ist das unnötig© colourbox.com
Ärzte verschreiben zu viele Antibiotika an Kinder. Das geht aus dem aktuellen Arzneimittel-Report der Gmünder Ersatzkasse GEK hervor. Der Autor des Reports, der Bremer Arzneimittel-Experte Gerd Glaeske, kritisierte, dass die Antibiotika bei Kindern in riskantem Maß unnötig verordnet würden. 80 Prozent der Kinder mit Infektion der oberen Atemwege oder Mittelohrentzündung bekämen Antibiotika. "Das kann zur Beruhigung des Arztes sein, zur Beruhigung der Eltern, aber nicht zur Beruhigung der Viren." Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, gegen Viren richten sie nichts aus. Häufig sind Infektionen der oberen Atemwege aber durch Viren ausgelöst.
Die Folgen der unnötigen Medikamentengabe seien Durchfall oder Übelkeit. Zudem entwickelten immer mehr Erreger langfristig Resistenzen, die Antibiotika würden dann nicht mehr helfen. Dabei heilten etwa vier Fünftel der Mittelohrentzündungen schnell von allein. Bis dahin solle besser ein Schmerzmittel gegeben werden, forderte Glaeske.
Aus Sicht der Bundesregierung sollten Ärzte und Patienten ihr Verhalten ändern. Zu oft gelte das Motto: "Eine Krankheit ohne Antibiotika ist gar keine richtige Krankheit", kritisierte Gesundheitsstaatssekretärin Marion Caspers- Merk (SPD). "Wir haben in Deutschland eine Grundhaltung die falsch ist: Viel hilft viel."
Die Zahlen aus dem Report beziehen sich auf die 1,6 Millionen GEK- Versicherten, die von einer Forschergruppe um Glaeske ausgewertet wurden. Sie seien repräsentativ für alle gesetzlich Versicherten.
DPA/as